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Kurz vor der Einweihung 2013: So sah damals der granulatfreie Kunstrasenplatz in Penzberg aus.

Fußball in Taufkirchen

Plastik übertrumpft Natur

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Die Fußballer in Taufkirchen bekommen ihren Kunstrasenplatz. Das hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen.

Taufkirchen– Ungewohnt gut besetzt war der Zuschauerraum in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Vor allem viele Fußballer aus der Gemeinde wollten wissen, wie nun weiter geht mit dem Käfigplatz am Postweg. Und ob der Gemeinderat nun grünes Licht gibt für ihren lang ersehnten Kunstrasenplatz. Am Ende konnten sie zufrieden nach Hause gehen. Mit großer Mehrheit beschloss das Gremium, die notwendigen Maßnahmen zur Errichtung eines ganz speziellen Kunstrasenplatzes einzuleiten.

Vorausgegangen war der Entscheidung eine monatelange Diskussion über Sinn und Umweltverträglichkeit von Kunstrasenplätzen. Während die Sportler vor allem die Vorteile sehen – längere und häufigere Trainingsmöglichkeiten, die in Taufkirchen dringend gebraucht werden – , warnen andere wie etwa ILT-Gemeinderätin Renate Meule immer wieder vor den gesundheitlichen Risiken des Plastiks und den schädlichen Auswirkungen auf die Natur. Besonders umstritten bei Kunstrasenplätzen ist das Füllgranulat, das regelmäßig auf den Platz aufgetragen werden muss. Bei Nachforschungen zum Thema war die Verwaltung nun auf eine Alternative gestoßen: eine Firma in der Schweiz, welche einen Kunstrasenplatz anbietet, der ohne Granulat auskommt.

In Penzberg mag man die Plätze

Zwei von diesen Plätzen wurden bereits in Penzberg verlegt und werden dort seit 2013 rege bespielt. „Alle sind begeistert“, berichtete Josef Siegert von der Gemeinde Penzberg dem Taufkirchner Gemeinderat, die ihn zur jüngsten Sitzung eingeladen hatte, um über die Erfahrungen mit dem Platz zu berichten. Es gebe keine Beschwerden über spezielle Verletzungen und auch die Verbrennungsgefahr sei nicht so groß wie auf anderen Kunstrasenplätzen. Im Sommer brauche man eine Bewässerungsanlage, damit das Grün nicht zu heiß werde. Zudem habe man einen speziellen Traktor gekauft, mit dem man im Winter auf dem Platz Schneeräumen und ihn im Sommer absaugen könne. Eine gewisse Abnutzung am Fußballplatz sehe man natürlich. Und manchmal müsse man „den Elfmeterpunkt wieder mal ordentlich aufbürsteln“, aber man gehe davon aus, dass der Platz noch lange halte. 13 bis 15 Jahre soll das laut Hersteller sein.

Recycling ist Knackpunkt

Ein Knackpunkt ist das Recycling. Denn: Wie das genau einmal aussieht, ist noch unklar. Es gibt keine Firmen, die dokumentiertes Recycling anbieten. Was den Grünen und der ILT gar nicht gefällt. „Am Ende landet er dann irgendwo in Kroatien, weil er für die Kinder dort dann immer noch gut genug ist“, sagte Renate Meule. „Und wie dann die Entsorgung aussieht, möchte ich mir gar nicht vorstellen.“ Ihrer Kollegin Beatrice Brückmann „haut es angesichts der Kosten von etwa 1,1 Millionen Euro den Schalter raus“. Rund 700 000 Euro Förderung kommen aus dem „Integrationspakt Soziale Integration im Quartier“. „Aber die restlichen 400 000 Euro haben wir eigentlich nicht“, so Brückmann.

Die Vereine brauchen den Platz

Die anderen Fraktionen sahen vor allem die Dringlichkeit: „Die Vereine brauchen das jetzt“, sagte Christiane Lehners (CSU). Auch Matteo Dolce fand: „Endlich machen!“. Und Michael Lilienthal (FW) hält einen Rasenplatz „für keine Alternative“.

Am Ende stimmten 17 Gemeinderäte dafür, sieben gegen den Platz. Und die Mehrheit beschloss mangels Unterlagen, über Möglichkeiten zum dokumentierten Recycling auf Prüfungen dazu zunächst zu verzichten.

Lesen sie auch: Anwohner wehren sich gegen Kunstrasenplatz - doch Gemeinderat hält an Plänen fest

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