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Die Taufkirchner Bürgermeisterkandidaten halten Schlagzeilen vor sich, die sie am liebsten in der Zeitung sehen würden. Merkur-Moderatorin Doris Richter (M.) und Silvia Engelhardt (2.v.r.) von der VHS kamen auf die Idee.

Veranstaltung von Münchner Merkur und VHS

Keiner wie der andere: Podiumsdiskussion mit den Taufkirchner Bürgermeisterkandidaten

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Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos), Matteo Dolce (SPD), Michael Lilienthal (Freie Wähler), Maike Vatheuer-Seele (FDP) und David Grothe (Grüne) stellten sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen von Merkur-Redakteurin Doris Richter. Die VHS hatte eingeladen.

Taufkirchen – Die Kunst des Abends bestand darin, am Ende noch sagen zu können, welchem Kandidaten welcher Standpunkt zuzuordnen ist. Denn es saßen ihrer fünf auf den oberen Plätzen im Taufkirchner Ritter-Hilprand-Hof. Zum Glück alles Charakterköpfe, die ihr unterschiedliches Profil zu schärfen wussten: Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos), Matteo Dolce (SPD), Michael Lilienthal (Freie Wähler), Maike Vatheuer-Seele (FDP) und David Grothe (Grüne) stellten sich bei der Podiumsdiskussion den Fragen von Merkur-Redakteurin und Taufkirchen-Spezialistin Doris Richter. Die VHS hatte eingeladen. Der Plan war, den Abend in vier Themenblöcke aufzuspalten: in Wohnen und Soziales sowie Verkehr und Klimaschutz. Er glückte auch.

Taufkirchens Umgang mit dem Siedlungsdruck

Für Bürgermeister Ullrich Sander ist Taufkirchen der erste Ort, an dem er sich so richtig zu Hause fühlt. Er will auch weiter etwas bewegen. Allerdings sieht er der Gemeinde beim Wohnungsbau die Hände gebunden, weil sie so gut wie keine Grundstücke besitze. „Taufkirchen hat gerade seinen Charme dadurch, dass wir Freiflächen zwischendrin haben. Sie sollten nicht komplett zugebaut werden.“ Am Riegerweg wird gebaut. Da entstehen verschiedene Wohnungen: die Riegerhöfe mit hohen Preisen, Mietwohnungen beim Edeka.

Wenn Matteo Dolce durch Taufkirchen spaziert, sieht er nicht nur einen Ort, er entdeckt ganz viele Ecken, wo er was optimieren wollte. Dolce gibt zu bedenken, dass der Bedarf an Wohnungen nie gedeckt ist. Selbst wenn wir jede freie Fläche mit zehnstöckigen Hochhäusern zupflastern. Er plädiert dafür, nicht alles zuzubauen, sondern den ländlichen Charakter zu bewahren und moderat nachzuverdichten. Das Gebiet an der Tegernseer Landstraße nördlich Richtung Unterhaching käme für ihn in Frage.

Maike Vatheuer-Seele glüht für Taufkirchen, sie ist bei den Flüchtlingshelfern und Demokratieverstärkern. Die Mutter zweier Kinder beschreibt sich als einen fleißigen und mutigen Menschen. „Du kannst nicht nur nölen, du musst was anpacken.“ Sie ist Mieterin und glaubt, dass Taufkirchen ein Mieterproblem hat. Sie will den Miet- und Wohnungsmarkt entspannen – durch Neubauten.

David Grothe wäre der erste grüne Bürgermeister in Taufkirchen. Seit 2007 lebt er hier, ist seit sechs Jahren politisch aktiv. Er stellt fest, dass der Charakter „unseres wunderschönen Taufkirchens verloren geht und wir unsere Zukunft nicht richtig anpacken“ – in puncto Klima und Verkehr. Er glaubt nicht, dass die Bodenpolitik Sache der Gemeinde ist; und er ist nicht dafür, möglichst viele Gebiete als Bauland auszuweisen, die sich dann keiner leisten kann. Bezahlbarer Wohnraum, barrierefrei und ökologisch, müsse von der Kommune mithilfe von Genossenschaften gebaut werden.

Michael Lilienthal wohnt seit 30 Jahren in Taufkirchen, seit 20 Jahren mischt er in der Kommunalpolitik mit. Zur Wohnungsnot hat Michael Lilienthal ein dezidierte Meinung: Wir brauchen keine weiteren Sozialwohnungen, sondern günstige, bezahlbare Wohnungen für Normalverdiener. Für allem Doppelverdiener im mittleren bis unteren Gehaltsbereich bekämen keine Förderung und hätten keine Chance. Er plädiert für ein verkapptes Einheimischenmodell. Bauträger sollten dazu angehalten werden, ein Kontingent an Wohnungen zum reduzierten Mietpreis bereitzuhalten.

Soziales

Sehr lange hätte Matteo Dolce über die Zukunft des Altenheimes am Hachinger Bach und die Historie der Beschlüsse im Gemeinderat referieren können. Aber dazu blieb keine Zeit. Jedenfalls solle nach dem Willen des Gemeinderates auf dem Grundstück gegenüber der Eisdiele der Neubau stattfinden. Alle anderen Standorte seien abgelehnt worden. Bürgermeister Ullrich Sander ergänzte, das sei ja auf der Schiene: „Wir warten auf die Vorlage eines Konzeptes, auf auf dieser Basis einen Bebauungsplan zu erstellen.“ Er geht auch davon aus, dass das Altenheim am Winninger Weg entstehen wird. Michael Lilienthal: „Auf einem eigenen Grundstück. So baut es sich auch einfacher als auf einem fremden.“

Verkehr

Bei allen Kandidaten steht im Programm, dass ein Verkehrskonzept für Taufkirchen nötig ist. Michael Lilienthal hebt den Bahnhofsvorplatz hervor. Hier wäre aus seiner Sicht ein Parkhaus sinnvoll an der Stelle der Firma Frieser, die ihren Standort dort verlässt.

David Grothe denkt auch an den S-Bahnhof, allerdings in erster Linie an eine Parkraumbewirtschaftung: „Vielleicht muss man da auch bezahlen, wenn man dort parken möchte?“ Seine Partei will aber mehr, nämlich die Verkehrswende gestalten und umweltfreundliche Verkehrsmittel attraktiver machen – etwa mit Carsharing-Angeboten. Bürgermeister Sander verwies auf ein Radverkehrskonzept, das zeige, dass Taufkirchen hier sehr gut aufgestellt sei.

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