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„Das ,Next Level’ soll ein Jugendzentrum für ganz Taufkirchen sein“, sagt Sozialreferent Andreas Bayerle

Jugendzentrum Taufkirchen  

Der Ruf ist besser – das Angebot auch

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Die Traglufthalle ist weg, doch das Thema Flucht und Migration beschäftigt Taufkirchen auch weiterhin. Jeden Tag kommen etwa zehn junge Flüchtlinge ins „Next Level“ am S-Bahnhof, schätzt Jugendzentrumsleiter Robert Laufmann (37). Aber auch andere junge Menschen findenhier für ihre Sorgen ein offenes Ohr – etwa zur aktuellen Lage in der Türkei.

Taufkirchen„Beim Verfassungsreferendum sehen wir auch eine Spaltung bei den Jugendlichen“, sagt Robert Laufmann (37), der das „Next Level“ seit 2012 leitet. „Je nachdem, ob die Jugendlichen aus einer liberalen Familie kommen oder aus einer konservativen Familie mit traditionellen Werten gehen die Meinungen hier stark aus einander.“ Dass im „Next Level“ ein offener Austausch stattfinden kann, auch wenn die Jugendlichen nicht einer Meinung sind, sagt viel über die Akzeptanz der Einrichtung in Taufkirchen aus.

„Das ,Next Level’ soll ein Jugendzentrum für ganz Taufkirchen sein“, sagt Sozialreferent Andreas Bayerle

Ein Jugendzentrum für alle Taufkirchner

Insgesamt kommen jeden Tag mehr als 55 „Besucher“ im Alter von sieben bis 21 Jahre ins Jugendzentrum. Diesen „Jahresdurchschnitt“ hat Laufmann zuletzt im Sozialausschuss des Gemeinderats genant. Seit 2015 bietet das „Next Level“ jede Woche fünf eigene Angebote und sieben Kooperationsprojekte an – und kommt damit seinem Ziel immer näher, „ein Jugendzentrum für ganz Taufkirchen zu sein“, wie Sozialreferent Andreas Bayerle im Gespräch mit dem Münchner Merkur sagt. 

Das „Next Level“ soll ein „Jugendzentrum für ganz Taufkirchen sein“. Darauf legt Sozialreferent Andreas Bayerle besonders großen Wert. Seit 2011 ist die Anzahl der Angebote (und der Teilnehmer) im „Next Level“ kontinuierlich gestiegen; seit 2013 erreichen die Kooperationsangebote immer mehr Kinder und Jugendliche (2013: 1600 Teilnehmer pro Jahr; 2016: 4000 Teilnehmer). „Bis heute ist es unser Ziel, das Angebot nicht allein für benachteiligte Jugendliche oder Migranten zu konzipieren, sondern das Haus für alle jungen Taufkirchner zu öffnen“, sagt Bayerle. Explizit sollen „auch mal die Besten ins Jugendzentrum kommen“. Dafür wurde 2013 der „Mathe-Stammtisch“ ins Leben gerufen. Was als einjähriges Pilot-Projekt begann, gehört heute zum festen Angebot dazu.

Konsequenzen zeigen Erfolg

Diese Entwicklung ist ein Erfolg. Denn noch vor wenigen Jahren war das „Next Level“, gelegen zwischen dem S-Bahnhof und den Hochhausblöcken in Taufkirchen Am Wald, verschrien als „schlechter Ort“. Es gab eine dominante Jugendgruppe, „die haben gemacht, was sie wollten“, erinnert sich Bayerle, der damals das Jugendzentrum geleitet hat. Als früherer Streetworker in Taufkirchen kannte er diese Gruppe von 30 bis 40 Jugendlichen gut. „Die haben an der Haustür des Jugendzentrums regelrecht patrouilliert und ihren Schwestern gesagt, dass sie nicht herkommen sollen.“

Als Konsequenz führte Bayerle damals feste Öffnungszeiten ein. Nachmittags durften nur die Jüngeren ins Haus, gegen Abend nur die Älteren. „Die Jugendlichen sollten ja auch eine Ausbildung anfangen, und nicht den ganzen Tag im Jugendzentrum abhängen“, sagt Laufmann, der vorher in Neuperlach gearbeitet hat.

Vor einigen Monaten er die unterschiedlichen Öffnungszeiten abgeschafft. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass heute vieles anders läuft – und, „dass der Ruf besser geworden ist“, wie Laufmann sagt. Einzige Regel: Die Kinder müssen mindestens sieben Jahre alt sein. „Da machen wir keine Ausnahmen, auch nicht für Geschwister von Flüchtlingen. So eine Sonder-Erlaubnis könnte ich den Anderen nicht erklären.“

Vermietung von Räumen

Das Angebot im „Next Level“ richtet sich an Kinder und Jugendliche. Doch vermietet werden die Räume auch an andere Nutzer. Die Moscheegemeinde Ditib mietet seit Jahren Räume im „Next Level“ an. Im großen Veranstaltungs-Saal treten einmal pro Monat Bands und Künstler auf.

Neuer Streetworker kommt noch im April

Seit sechs Jahren steht das Jugendzentrum unter der Trägerschaft des „Vereins für Jugend und Familienhilfen“, VJF. Nun hat der Verein auch den Zuschlag für die Streetworkerstelle erhalten, die zwei Jahre lang verwaist war. Wie berichtet, hatte die Gemeinde Taufkirchen den Vertrag mit der Hand In gAG zum Jahresende gekündigt und die Streetworkerstelle neu ausgeschrieben. „Mit dem Verein für Jugend und Familienhilfen hat nun der Träger den Zuschlag erhalten, der auch die meisten Jugendhilfefälle in Taufkirchen betreut“, sagt Sozialreferent Andreas Bayerle. „Die machen hier eine hervorragende Arbeit, und das hat sich auch in der Bewerbung für die Streetworker-Stelle gezeigt.“ Noch im April soll der Streetworker seine Arbeit aufnehmen und auch mit dem Streetworker der Gewofag zusammenarbeiten. Auch die vier Mitarbeiter im Jugendzentrum sind zu 50 Prozent „im Haus“ und zu 50 Prozent „mobil“ beschäftigt. Kooperationen hat das „Next Level“ mit den beiden Grundschulen (ISA), der Musikschule Taufkirchen, der Offenen Ganztagsschule, der Mittelschule, der Realschule, dem Helferkreis Asyl (Deutschunterricht), der VHS (Talentcampus), der Nachbarschaftshilfe (Patenprojekte) und mit Integra. 

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