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Natur- oder Kunstrasen? Der Sportplatz am Postweg wird zum Streitobjekt im Taufkirchner Gemeinderat. 

Gemeinderat lehnt Fördergelder ab

Streit um Kunstrasen: Sportplatz-Umbau rückt in weite Ferne

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Der Kunstrasenplatz am Postweg in Taufkirchen rückt vorerst wieder in weite Ferne. Statt das Projekt voranzutreiben, verstricken sich die Gemeinderäte in Diskussionen – und lehnen Fördergelder ab. Die Vereine sind sauer. 

Taufkirchen – Eigentlich sollten in der jüngsten Taufkirchner Gemeinderatssitzung nur Fördergelder beim Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ für einen möglichen Kunstrasen am Postweg beantragt werden. Dieser soll den Vereinen zusätzliche Kapazitäten bieten, nachdem der Platz am Ahornring durch den Grundschulneubau wegfällt. Die Debatte endete allerdings in einer Grundsatzdiskussion, ob der bestehende Platz am Postweg überhaupt in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden soll. Nein, sagte die Mehrheit der anwesenden Gemeinderäte. Dabei hatten die Räte die Verwaltung erst im Februar beauftragt, sich um Fördergelder für einen Kunstrasen zu kümmern. Jetzt steht der Umweltschutz gegen die Bedürfnisse der Vereine SV-DJK, SV International und EHC Taufkirchen.

Ein Zeichen setzen für den Umweltschutz

Die ILT positionierte sich wie schon im Februar auf Seiten des Umweltschutzes. „Je nachdem, welche Materialien bei Kunstrasen verwendet werden, müssen die Folgen für das globale und das lokale Klima, die Emissionen umwelt- und gesundheitsgefährdender Schadstoffe und der Austrag von Mikroplastikpartikeln in die Umwelt in die Bewertung von Kunstrasen einbezogen werden“, sagte Renate Meule. Ein Kunstrasenplatz bedeute Versiegelung, eine schlechtere Ökobilanz und Geruchsbelästigung. Außerdem enthalte das verwendete Gummigranulat krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Unterstützung erhielt sie von Grünen-Sprecher David Grothe und Peter Soellner (SPD). „Wir können zeigen, dass Umweltschutz wichtig ist für Taufkirchen“, sagte Soellner. Sie alle verstehen aber auch das Anliegen der Vereine.

Auf die Seite von SV-DJK, SV International und EHC stellte sich Eckhard Kalinowski (FW). „Der Umbau ist eine schiere Notwendigkeit.“ Schließlich müssen die Sportler trainieren und spielen. Laut Aline Erdmann (CSU) hätten sich 29 von 30 Trainern für einen Kunstrasen ausgesprochen. „Im Winter gibt es dann auch kein Problem mit der Hallennutzung.“ Für Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) ist klar: „Die Vereine wünschen sich dringend einen Kunstrasenplatz.“ 

Bürgermeister droht mit Schadensersatzforderung

Vor lauter Diskussion verloren die Gemeinderäte offenbar das eigentliche Thema, den Förderantrag in Höhe von 45 Prozent der Gesamtkosten, aus den Augen. Und stimmten mit elf zu acht Stimmen dagegen. Für Sander ein Unding. „Ich behalte mir Schadensersatzansprüche vor, weil hier Fördermittel abgelehnt wurden“, kündigte der Rathauschef an. Denn: Ob der Platz umgebaut wird oder nicht, steht laut Sander aktuell noch gar nicht zur Debatte. Es ging nur darum, sich Fördergelder zu sichern, falls eine Entscheidung pro Kunstrasen fällt.

Ganz vom Tisch ist ein Kunstrasenplatz freilich noch nicht. Aber die gesamte Planung verzögert sich um mehrere Monate. Frühestens Anfang 2019 können die nächsten Fördergelder beantragt werden. Bis dahin sollten die Gemeinderäte klären, wie es weiter geht. Und ob sie die Wünsche der Vereine im Ort ernst nehmen oder nicht.

Das sagen die Vereine

Michael Schaub (Vorsitzender SV-DJK): „Wir als Verein wünschen uns einen Kunstrasenplatz. Die Idee war, die Kapazitäten nach dem Wegfall eines anderen Platzes zu erhalten. Im Fußball wird es für uns immer schwerer. Wir haben einen stark wachsenden Jugendbereich. Wenn es jetzt nass und kalt wird, haben wir genau einen Platz, auf dem die Vereine trainieren können. Leider fallen aktuell die Entscheidungen der Gemeinde für die Sportanlagen negativ aus. Die Ehrenamtlichen sind frustriert, schließlich machen wir das Sportprogramm nicht für uns, sondern die Bürger.“

Yalcin Tekin (Vorsitzender SV Inter): „Ein Kunstrasenplatz wäre für uns wie ein Jackpot im Lotto. Wir haben so oft schlechte Witterung, da kann man auf den anderen Plätzen nicht spielen. Wir wissen schon jetzt teilweise nicht, wo wir unsere Heimspiele austragen sollen. Und wie es ab Sommer weitergeht auch nicht. Für uns wäre natürlich eine Spielmöglichkeit am Ahornring ideal, viele Jugenspieler wohnen in Taufkirchen am Wald und könnten zu Fuß hin gehen. Auf einem Kunstrasen könnten auch Schulkinder mitspielen – und wenn es nur ein Kleinfeld ist.“

Helmut Schwabl (Vorsitzender EHC): „Über einen zusätzlichen Kunstrasenplatz wird schon lange geredet. Er wäre sicherlich sinnvoll, vor allem für die anderen Vereine, die auch im Winter trainieren und spielen. Was sinnvoll ist, wird in der Gemeinde leider nur selten gemacht. Da gab es schon etliche Diskussionen. Wir spielen Fußball zwar nur nebenher und nur in der Sommerrunde von März bis November, aber auch da gibt es auf Naturrasen Ausfallzeiten durch Regen oder schlechte Witterung. Das Problem gäbe es bei einem zweiten Kunstrasenplatz nicht.“

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