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Nur ein Zaun trennt die Familie Hoffmann vom Trampelpfad, der ihnen jetzt so viel Ärger verursacht. Thilo Hoffmann und seine Frau Maria versichern, das sie das Grundstück, auf dem der Weg liegt, eigentlich gar nicht interessiert. 

Streit um Trampelpfad

Grundstücksbesitzer fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt

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Wer geglaubt hat, die Diskussion um den Trampelpfad sei mit dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss, die Fläche nicht zu verkaufen, erledigt, wird nun eines Besseren belehrt. Denn jetzt hat sich der Grundstückseigentümer zu Wort gemeldet, der angeblich das Grundstück kaufen wollte. Es handelt sich um keinen geringeren als Kreisbrandmeister Thilo Hoffmann. Und er ist ziemlich verärgert.

Taufkirchen –  Der ehemalige Vize-Kommandant der Feuerwehr Taufkirchen fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Wie er den Sachverhalt schildert, ging die Initiative für das Grundstücksgeschäft nicht von ihm aus. „Ich habe der Gemeinde nur helfen wollen“, sagt der 41-Jährige.

Doch noch einmal einen Schritt zurück: In der Ratssitzung Ende Januar hatte das Gremium in öffentlicher Sitzung über den möglichen Verkauf des Streifens debattiert. Die große Mehrheit der Räte hatte gegen den Verkauf gestimmt, weil sich auf dem Grund ein Trampelpfad befindet, den Kinder als Abkürzung zur Dorfschule nutzen. Zwar will die Gemeinde den Pfad nicht zum offiziellen Weg erklären und sperrt ihn im Winter aus Sicherheitsgründen ab, trotzdem soll er als inoffizieller Schulweg erhalten bleiben. In dieser Richtung hatten sich jedenfalls die meisten Ortspolitiker in der Sitzung geäußert. Lediglich Herbert Heigl (CSU) und Alfred Widmann (SPD) hatten sich sofort zu einem Verkauf bekannt, um sich, wie es Heigl ausdrückte, „einer lästigen Pflicht“ zu entledigen.

Die Initiative ging nicht von Hoffmann aus

Wie Hoffmann, der seit drei Jahren mit seiner Familie auf dem Grundstück nördlich des Trampelpfades wohnt, betont, sei die Initiative zum Grundverkauf auch vom Gemeinderat ausgegangen. Vertreter zweier Fraktionen, deren Namen er nicht nennt, hätten Mitte vergangenen Jahres bei ihm angefragt, ob Kaufinteresse besteht. „Da wir mit der Gemeinde seit jeher stark verwurzelt sind, und uns das entstandene Problem der Verkehrssicherung dargestellt wurde, haben wir Bereitschaft signalisiert und ein entsprechendes Schreiben an die Gemeinde verfasst“, erzählt er.

Im Herbst sei er erneut auf das Thema angesprochen worden und habe Rathauschef Ullrich Sander (parteifrei) persönlich davon in Kenntnis gesetzt, dass er als potenzieller Käufer bereitstünde, sollte die Gemeinde die Fläche tatsächlich verkaufen wollen. Seitdem habe er nichts mehr von der Sache gehört. „Ich wusste weder, ob man den Grund wirklich verkaufen will, noch was er kosten soll.“ Erst durch einen Zeitungsartikel, den man ihm anonym in den Briefkasten geschmissen habe, habe er erfahren, dass der Verkauf Thema im Gemeinderat war.

Hilfsbereitschaft ins falsche Licht gerückt

Einerseits ist Hoffmann froh, dass die Entscheidung gegen den Verkauf gefallen ist. „Jetzt muss ich mir keine Gedanken machen, dass ich viel Geld für einen Grundstücksstreifen in die Hand nehmen muss, den wir eigentlich nicht brauchen.“ Andererseits stinkt es ihm, dass in der Ratssitzung nicht aufgeklärt worden ist, von wem die Initiative zum Verkauf ausging. Dadurch sei seine Hilfsbereitschaft ins falsche Licht gerückt worden. Viel schlimmer findet er aber, dass vertrauliche Informationen aus dem Rathaus weitergegeben worden sind und vor der Sitzung Stimmungsmache gegen ihn und seine Familie betrieben worden ist. Das gehe aus Briefwechseln zwischen Gemeinderäten und dem Elternbeirat der Grundschule hervor, die ihm vorliegen.

Hoffmann sieht sich als „Spielball politischer Winkelzüge“ – und bezweifelt, dass sich die Gemeinde mit dem Beschluss, es beim Status quo zu belassen, einen Gefallen getan hat. Denn zum einen würden nur vier Kinder den Pfad als Schulweg nutzen, zum anderen hält Hoffmann die Abkürzung für problematisch. Schließlich landeten die Schüler, an einer Stelle der Dorfsstraße, an der es weder einen Gehsteig noch einen sicheren Übergang gebe. Und die Entscheidung, die vor wenigen Jahren auf Geheiß eines Rathausmitarbeiters am Weg angelegte Treppe wieder zurückbauen zu lassen, hält er für eine Posse: „Das ist eine Ungeheuerlichkeit, wenn so mit Steuergeldern umgegangen wird.“

Das sagen die Fraktionen

Was das kleine Gemeinde-Grundstück angeht, scheint es in der jüngsten Vergangenheit viel Gesprächsstoff zwischen Gemeinderatsmitgliedern und der Familie Hoffmann gegeben zu haben. So erklärt Zweiter Bürgermeister Alfred Widmann (SPD) auf Merkur-Nachfrage, mit Thilo Hoffmann im Vorfeld über das Grundstück gesprochen zu haben – allerdings nicht in den vergangenen Monaten, sondern vor, drei vier Jahren bereits. Hoffmann habe ihm dabei erklärt, dass der schmale Streifen nicht ihm oder seiner Frau gehöre, sondern der Gemeinde. „Seitdem war der Trampelpfad kein Thema mehr zwischen uns beiden“, beteuert Widmann. 

Der CSU-Fraktionsvorsitzende Herbert Heigl sagt, er selbst habe zwar nicht mit Hoffmann über das Grundstück gesprochen, sehr wohl aber ein Mitglied seiner Fraktion. Man habe bei Hoffmann vorgefühlt, ob dieser sich vorstellen könne, den schmalen Streifen zu erwerben, falls dieser zum Verkauf stünde. Heigl bedauert, dass Hoffmann als Initiator des möglichen Grundstücks-Kaufes dargestellt worden ist. Die CSU-Fraktion habe sich zwar intern dafür ausgesprochen, dass die Fläche verkauft werden soll. „Wer das Grundstück letztlich aber gekauft hätte, wäre uns egal gewesen“, so Heigl. Er hätte es für sinnvoll gefunden, wenn das Thema erst einmal in nichtöffentlicher Sitzung behandelt worden wäre.

 Freie-Wähler-Sprecher Michael Lilienthal betont, dass es von seiner Fraktion keinen offiziellen Auftrag an irgendjemanden gegeben hat, mit Hoffmann über die Fläche zu sprechen. Er will aber nicht ausschließen, dass sein Fraktionskollege Peter Hofbauer von sich aus bei seinem Feuerwehrkameraden in Sachen Trampelpfad vorgefühlt hat. Für Lilienthal ist der eigentliche Skandal, dass ein Mitarbeiter der Verwaltung vor Jahren eigenmächtig die Treppe hat bauen lassen und damit dem Trampelpfad einen offiziellen Charakter verliehen hat. Sein Vorwurf: Der Fall werde im Rathaus nicht richtig aufgearbeitet. Ähnlich sieht es Widmann: „Dieser Sache müsste der Bürgermeister aktiver nachgehen.“

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