Vor fünf Jahren spielte Claus Blank auf dem Streetpiano Melodien zum Mitsingen. Aktionskunst mochte er ganz besonders gerne.
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Vor fünf Jahren spielte Claus Blank auf dem Streetpiano Melodien zum Mitsingen. Aktionskunst mochte er ganz besonders gerne.

Da hatten sich zwei gefunden

Nach 44 Dienstjahren Abschied von Musikschulleiter Claus Blank

  • Marc Schreib
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Seit 1. Juli unterrichtet Claus Blank (65) nicht mehr an der Musikschule Taufkirchen. Das ist im Grunde unvorstellbar, denn hier hat er 44 Jahre lang gearbeitet, die letzten acht Jahre als Leiter der Einrichtung.

Pullach - Die musikalische Leitung hatte Claus Blank eigentlich fast die ganze Zeit inne, denn sein Vorgänger verlegte sich eher auf die bürokratischen Aufgaben. „Mein Antrieb war immer das Musizieren mit anderen, und ich hatte das Glück, dass Taufkirchen und ich uns gefunden haben“, erzählt der Musiker. Jetzt lebt er in Polen.

Schöpferische Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum

Um die Jahrtausendwende begann eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum, dessen Potenzial bis dahin kaum ausgeschöpft wurde. Claus Blank, der selbst Klavier und Cello sowie Orgel spielt, etablierte die Neujahrskonzerte in Taufkirchen, die bis heute fortbestehen. Auch Konzerte zu Jubiläen zum Beispiel von König Ludwig II. und Kinderkonzerte kamen hinzu.

Programme aus 40 Jahren

„Ich war gestern in Taufkirchen und habe zufällig zwei dicke Ordner gefunden, voll mit Programmen aus den vergangenen 40 Jahren.“ Das ganze Schaffen ist darin aufgehoben worden. Claus Blank ging es darum, Möglichkeiten der Aufführung auszuloten. Er erinnert sich an ein Programm zu Arche Noah, das heute im Zusammenhang der Flutkatastrophe wieder aktuell wäre. Aber das Konzert fand im im Jahr 2002 statt, unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, der wie heute Kanzlerkandidat Armin Laschet in den Flutgebieten unterwegs war, damals freilich in anderen Teilen Deutschlands.

Fruchtbare Kooperation mit den Grundschulen

Abgesehen von der Umsetzung der Ideen, die in Konzerten mündeten, entstand zu der Zeit auch eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Grundschulen etwa bei Theateraufführungen. Dann spielte Claus Blank entweder selbst am Klavier oder stellte kleine Bands zusammen. Auch die Nachbarschaftshilfe kam hinzu, der Musiker leitete eine Sängerrunde, Mitgliedsalter 70 Jahre aufwärts: „Das war mein erfolgreichster Chor, die Proben fanden einmal im Monat statt.“ Die Senioren empfingen den Musikschulleiter entzückenderweise immer mit Applaus. Gesungen wurde eine Mischung aus Volksliedern, nach der Kaffeepause gingen die Sänger über zu Schlagern aus den 60er und 70er Jahren. Es gab Auftritte auf den Christkindlmärkten, für deren Gestaltung – man ahnt es schon – auch Claus Blank die Verantwortung trug.

Projekt „Soziale Stadt“

Auch im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ packte die Musikschule ihre Instrumente ein und spielte zum Beispiel in Unterführungen, wenn ein Graffiti-Fresko eingeweiht wurde, aber auch bei Fotoausstellungen im Einkaufszentrum.

Kurze Zeit später trat der damalige Pfarrer Helmut Fried von der Kirche St. Johannes der Täufer an den Musikschulleiter heran mit der Frage, ob er mit dem Kirchenchor musizieren wolle. Claus Blank sagte zu. Halbe Sachen wollte er nicht anpacken, also erlernte er auch gleich das Orgelspiel in mühevoller jahrelanger Arbeit. „Um das etwas zu beschleunigen, habe ich mir selbst eine elektronische Orgel gekauft.“

Gigantische Projektchöre mit den Kirchen

Schließlich war auch die evangelische Kirche beteiligt, und es wuchsen gigantische Projektchöre heran, die Taufkirchen bis dato nicht gesehen hatte. Gemeinsam mit den Kirchenmusikern Johannes Eppelein und Pascal Caldara konnten große Inszenierungen gewagt werden, mindestens drei bis vier Konzerte im Ritter-Hilprand-Hof gingen auf das Konto des musikalischen Triumvirats. Der ganze Ort schien musikalisch gestimmt und aufeinander abgestimmt zu sein. Claus Blank war es gelungen alle Kräfte zu bündeln.

Lampenfieber vor den Auftritten

Er gibt zu, dass er bei den Auftritten immer jede Menge Lampenfieber hatte. Das habe jeder Künstler, und wenn das Konzert dann gelungen sei, dann stelle sich so „ein Gefühl des Schwebens ein“. Passenderweise hat der Musiker neulich ein Büchlein von Herrmann Hesse gelesen, in dem es um Glücksmomente geht, und genau darum hat es sich gehandelt. „Das Gefühl verflog dann immer wieder nach zwei bis drei Tagen, bis mich die Wirklichkeit wieder eingeholt hat.“

Jetzt lebt Claus Blank bei Breslau auf einem Bauernhof

Claus Blank betrachtet die Zeit in Taufkirchen als Geschenk. Sein Lebensschwerpunkt hat sich allerdings nach Polen in die Nähe von Breslau verlagert, nach Niederschlesien. Hier lebt er gemeinsam mit seiner zweiten Frau und zwei Töchtern auf einem idyllischen Bauernhof mit einer Kuh, zwei Pferden, zwei Ziegen, Hühnern und Hunden. „Mein Tag beginnt jetzt morgens um 6 Uhr. Zuerst melke ich die Kuh und mache die Ställe sauber. Das ist ein ganz anderes Leben als früher, aber die Musik, die möchte ich weiter pflegen.“ Claus Blank hat fest vor, mit dem Taufkirchner Kulturamt weiter zusammenzuarbeiten und wird der Hachinger-Tal-Gemeinde einmal im Monat eine Visite abstatten. Fest versprochen.

Die Verabschiedung

ist am 3. Oktober nachmittags um 16 Uhr geplant im Rahmen einer Hommage an Beethoven und Hölderlin. Er wird die die Waldsteinsonate vortragen, Herbert Hanko wird die Texte übernehmen. Eingeladen sind unter anderem die ehemaligen Vorstandsmitglieder der Musikschule

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