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Lieblingsplatz : Unter den hohen Fichten wachsen junge Buchen. Die ersten Laubbäume hat Franz Greif (l.) in den 1960er Jahren gepflanzt und war damit ein Mischwald-Pionier. Unterstützt wird er von seiner Tochter Brigitte Koch. 

Auszeichnung 

Vorbildliche Waldwirtschaft: Taufkirchner bekommt Staatspreis

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Mischwald ist heute in aller Munde. In den 1960er-Jahren aber war Franz Greif (82) einer der Ersten, der Laubbäume zwischen Fichten pflanzte. Vom Vater wurde er dafür noch kritisiert. Heuer nun wird der Gutshof Greif mit dem „Staatspreis für vorbildliche Waldbewirtschaftung“ ausgezeichnet.

Taufkirchen – „Was pflanzt du denn lauter Sträucher?“, soll der Vater von Franz Greif (82) einst gefragt haben. Mit Laubbäumen zwischen den Fichten konnte er, Jahrgang 1909, wenig anfangen. Doch Greif, der in der Landwirtschaft lernte, ließ sich nicht beirren. „Bei den Landwirten gibt es den jährlichen Fruchtwechsel, von der Halmfrucht zur Blattfrucht“, erklärt er bei einem Spaziergang durch sein Taufkirchner Waldgebiet. „Und dieses Prinzip wollte ich auf den Wald übertragen.“

Um so etwas wi

e einen „Baumartwechsel“ herbeizuführen, pflanzte Greif zwischen den bestehenden Fichten deshalb weitere Arten: Tannen, Buchen, Eichen, Bergahorn und Douglasien. Dazu inspiriert hatte ihn ein Aufenthalt in den USA. Und spätestens seit der Orkan Wiebke 1990 die Hälfte all seiner Bäume umriss, geht Franz Greif diesen Weg mit aller Konsequenz. „Wir haben erkannt, dass wir uns weg vom reinen Fichtenwald hin zu gemischten Wäldern entwickeln müssen“, sagt er.

Heute gibt es in seinem Privatwald rund 20 solcher Laubbaum-Quartiere. „Aufzucht und Pflege bedeuten aber sehr viel Arbeit und sind langwierig“, sagt Brigitte Koch (53), die den Wald in Taufkirchen gemeinsam mit ihrem Vater bewirtschaftet. Hilfe erhalten sie von Verwalter Florian Bausch. Rund 100 Hektar Wald gehören zum Gutshof Greif. Dazu kommen knapp 20 Hektar in Oberhaching, die durch die Heirat der Eltern 1963 von der Mutterseite hinzugekommen sind.

Besonders gut zwischen den Fichten wachsen Buchen: „Sie brauchen nicht so viel Licht“, erklärt Koch, als sie mit ihrem Vater durch den Herbstwald streift. In der Oktobersonne präsentiert sich der Mischwald besonders schön: Hohe Fichtenbäume, darunter bunt gefärbte Buchen, kleine Tannen und grünes Moos.

Der Mischwald ist ein Kriterium, warum der Gutshof Greif am 10. November den Staatspreis des Bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten erhält. Zwei Betriebe pro Regierungsbezirk werden damit alle zwei Jahre geehrt. „Ein zweites Plus bei uns ist die Naturverjüngung“, erklärt Koch. So nennen Fachleute das natürliche Aufkeimen von verschiedenen Pflanzensamen im Waldboden. Damit die jungen Bäume wachsen können, erstellt die Untere Jagdbehörde alle drei Jahre ein sogenanntes „Verbissgutachten“, legt also dar, wie viele Bäume durch Rehe geschädigt wurden – und wie hoch die entsprechende Abschussquote ist. „Vor allem die selteneren Baumarten wie Tanne und Buche werden vom Rehwild verbissen“, sagt Koch. Die Böcke wiederum „verfegen“ die Rinden der noch jungen Bäume, wenn sie sich den Bast vom Geweih streifen. Die Jagd, die Vater und Tochter betreiben, stellt sicher, dass eine Naturverjüngung im Wald stattfinden kann. Dazu sind beide im Naturschutz aktiv: Zwei Weiher gibt es in ihrem Taufkirchner Wald.

Greif selbst kennt keinen schöneren Platz als seinen Wald: Sieben Tage die Woche fährt er raus, mustert die Bäume mit seinem geschulten Blick. Die Fichten müssen alle fünf bis sieben Jahre durchgeschnitten werden, sagt er. Durch das Wegschneiden der kleinen Stämme erhalten die Bäume mehr Platz. „So wird die Pflanze stabiler“, erklärt Koch. Das herausgenommene Holz geht an die regionale Papierproduktion. „Wer Papier aus regionaler Fertigung kauft, unterstützt also auch das Gedeihen der Fichten.“

Laubbäume hingegen seien die ersten fünf Jahre pflegeleicht. Danach werden die „Zukunftsbäume, also diejenigen mit möglichst astfreiem und geradem Stamm markiert“ und ihr Wachstum gefördert. Dazu müssen die umliegenden schwächeren Bäume regelmäßig herausgenommen werden.

Zu der aufwendigen Arbeit kommt der Kampf gegen den Borkenkäfer – und das Problem mit dem Eschensterben, das auch den Gutshof Greif stark betrifft. „30, 40 Jahre haben wir in die Aufzucht der Eschen investiert“, sagt Koch. „Und jetzt, wo der stärkste Zuwachs wäre, werden sie von einem Pilz aus Asien zerstört.“ Der Hymenoscyphus pseudoalbidus stammt ursprünglich aus Japan und führt zum sogenannten „Eschentriebsterben“. 95 Prozent der heimischen Eschen sind gegen diese Krankheit nicht resistent. Die Folge: Die „stabilste Baumart überhaupt“ wird dürr und bricht ein. „Was übrig bleibt, wird als Brennholz verschenkt“, sagt Greif. „Da haben wir jetzt einen ganz schweren Rückschlag erlebt.“

Am Prinzip Mischwald halten Greif und Koch aber dennoch fest. Und erhalten dafür – auf Vorschlag der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen – den Staatspreis für „vorbildliche Waldbewirtschaftung“. Dass sein Betrieb ausgezeichnet wird, ehrt den Senior-Chef – auch wenn er kein großes Aufheben um seine Person machen will. Dennoch: „So einen Preis“, sagt er, und lässt seinen Blick über den Stamm einer gut gewachsenen Fichte gleiten, „kriegt man nur einmal im Leben.“

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