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Die Gruppe Haindling war in Taufkirchen zu Gast.

Debatte im Gemeinderat

Taufkirchens Kulturbetrieb teurer als gedacht

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Taufkirchen - Kultur kostet Geld. Das ist in der Gemeinde Taufkirchen eher knapp. Das Thema „Haushaltsüberschreitungen im Kulturzentrum“ sorgte für Diskussionen im Gemeinderat.

Ein Haushalt ist eine ziemlich starre Angelegenheit. Die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben werden im Vorfeld festgesetzt – in der Erwartung, dass sich die Summe am Jahresende mit der tatsächlichen Entwicklung deckt. Ein Kulturbetrieb hingegen ist wohl das genaue Gegenteil fester Zahlenkolonnen: Ein Kulturchef muss flexibel sein. Gefragt sind kurzfristige Entscheidungen – oftmals zu Angeboten, die es zum Zeitpunkt der Haushaltsberatungen noch gar nicht gibt.

Dass in Taufkirchen der Haushaltsansatz mit den tatsächlichen Ausgaben des Kulturzentrums nicht übereinstimmt, ist wenig überraschend. Die Summe allerdings ließ die Gemeinderäte aufhorchen. Insgesamt sind knapp 170 000 Euro mehr aufgelaufen als veranschlagt, für Fremdfirmen, Mieten für Geräte, Kosten für Unterhalt und Fortbildungen sowie Honorare. Gedeckt wird diese Summe vor allem durch eine satte Mehrwertsteuererstattung vom Finanzamt. „Statt geplanter 60 000 Euro liegen wir eher im Bereich 250 000 bis 300 000 Euro“, sagte Kulturchef Michael Blume in der Sitzung des Gemeinderats.

Gleichzeitig musste er zugeben: „In der Summe haben wir heuer nicht so viel Geld eingenommen, wie wir wollten. Zwar haben wir im Herbst die Erwartungen überschritten, aber im Frühjahr haben wir unsere Ziele nicht erreicht.“ Blume bat um etwas Geduld: „Wir sehen die Früchte unserer Arbeit: Das Kulturzentrum Taufkirchen ist ein Leuchtturmprojekt für den Münchner Süden. Aber bis sich das in Zahlen niederschlägt, brauchen wir vielleicht noch eine Spielzeit.“

Einigen Gemeinderäten kam die Vorlage der Zusatzkosten zu spät. So wurde beispielsweise zur Durchführung des „Festivals im Sattel“ und des „US-American Dream-Day“ mehr Geld ausgegeben als geplant, wie Blume bekannte: „Aufgrund der hohen Mehrwertsteuer-Rückerstattung hat man das dann etwas intensiver und professioneller geplant.“ Darauf antwortete Rosemarie Weber (SPD): „Sie haben von den Mehrkosten also schon im Juli gewusst, aber wir erfahren erst im November davon. Daran stören sich einige von uns.“ Und Gabriele Zaglauer-Swoboda (Grüne) ergänzte: „Die größeren Posten, die man voraussieht, sollte man vorher im Gemeinderat zur Abstimmung stellen.“

Größere Irritationen gab es – wieder einmal – beim Thema „Zuschuss für Zusatzveranstaltungen“. Ende 2014 hatte der Sozialausschuss Zuschussbeträge von maximal 130 000 Euro für 2015 sowie von jeweils 100 000 Euro für 2016 und 2017 bewilligt. „Damit soll der Kulturverantwortliche (Michael Blume) weitere, erfolgversprechende Veranstaltungen hinzu buchen können, wenn sichergestellt ist, dass die Mehrausgaben durch entsprechende Mehreinnahmen gedeckt werden können“, hieß es im damaligen Beschluss. Eben diesen Rahmen hat Blume 2016 genutzt. Unter anderem, um Stars wie Haindling oder Harald Krassnitzer für Taufkirchen zu interessieren. Letzterer kommt zum „Salzburger Weihnachtssingen“ am Samstag, 11. Dezember, ins Kulturzentrum. „Wir befinden uns auf einem unheimlich guten Weg, die Gage für Herrn Krassnitzer wieder einzuspielen“, sagte Blume. „Bis auf 1000 bis 2000 Euro“ sei das auch bei Haindling gelungen.

Im Haushalt 2016 jedoch tauchen die Gagen für diese „hinzu gebuchten Veranstaltungen“ als „Haushaltsüberschreitungen“ auf, da sie bei der Haushaltsplanung Ende 2015 noch gar nicht bekannt waren. Sie müssen folglich von den Gemeinderäten abgesegnet werden. Diese hatten sich heuer schon mehrfach mit „Haushaltsüberschreitungen“ auseinandersetzen müssen und reagierten teilweise gereizt: „Immer im Nachhinein über Kosten abstimmen zu müssen, gefällt uns nicht“, schimpfte Michael Lilienthal (FW), dessen Kritik, zumindest an den zusätzlichen Honorarkosten, angesichts des Beschlusses von 2014 aber ins Leere lief. Zustimmung erntete Alfred Widmann (SPD), der auf die zeitliche Differenz zwischen den Haushaltsplanungen (gerade abgeschlossen für 2017) und den Planungen fürs Kulturjahr hinwies. „Herr Blume kümmert sich bereits heute um das Jahr 2018. Deshalb müssen wir jetzt versuchen, da mehr Transparenz reinzubringen.“

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