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"O' zapft is'!" Am Zapfhahn fühlte sich Gordian Baier wohl, und so war es 2014, beim ersten Starkbierfest der Gemeinde, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass er das erste Fass anzapfte.

Gordian Baier ist tot

Gordi, du fehlst

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Taufkirchen - Trauerbeflaggung weht im Garten des Wolfschneiderhofs in Taufkirchen, und noch kann keiner in der Gemeinde richtig fassen, was in der Nacht auf Sonntag geschehen ist: Gordian Baier (68), ist tot.

Gestorben ist er, aller Wahrscheinlichkeit nach, gegen halb eins am frühen Sonntagmorgen, im Garten des von ihm so geliebten Wolfschneiderhofs. Die Polizei, die Ermittlungen aufgenommen hat, geht „von einem Herzinfarkt aus“, sagt sein langjähriger Freund Peter Schustereder (59), der ihn am frühen Sonntagmorgen gefunden hat. „Es war wohl ein Sekundentod.“

Am Samstag hatte der Grünen-Ortsverband sein Sommerfest am Wolfschneiderhof gefeiert, Gordion Baier kümmerte sich um den Ausschank, die letzten Gäste gingen um kurz vor halb ein Uhr nachts nach Hause. Mit Peter Schustereder hatte Gordian Baier zuvor noch die Getränkekisten eingeräumt. „Wir haben ausgemacht, dass er den Bus am nächsten Morgen wieder zu mir ins Geschäft bringt“, sagt Schustereder.

Dass es die letzten Worte sind, die er mit seinem langjährigen Freund wechseln würde, hätte Schustereder niemals geglaubt: „Der Gordi war sparifankerl gut drauf“, sagt er. Das Feiern, das Auschenken, das Helfen im Hintergrund – genau das machte den gelernten Kraftfahrer aus.

Doch am nächsten Morgen, als Schustereder um 5.45 Uhr in seinen Getränkeladen kommt, ist der Bus noch nicht da. Schustereder radelt zum Wolfschneiderhof und findet seinen Freund im Garten liegend. „Es sah aus, als ob er schläft.“

Kurz darauf treffen Polizei, First Responder und ein Rettungswagen ein. Die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen stellt einen Pavillon um den Verstorbenen auf. Später kommen Helmut Rösch, Vorsitzender der „Freunde des Wolfschneiderhofs“, seine Frau Edith und Rudi Schwab und Gabi Zaglauer von den Grünen, um aufzuräumen. Dort, wo sie vor wenigen Stunden noch fröhlich gefeiert haben, stehen sie nun fassungslos beieinander.

Schnell spricht sie die traurige Nachricht im Ort herum. Der Bäcker, der Metzger, alle sind tief betroffen. Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) schreibt: „Er war für mich und für viele eines der wenigen Originale in Taufkirchen, Helfer bei allen Gelegenheiten, unverzichtbar bei vielen Festen.“

2008 war Baier, der seit 40 Jahren in Taufkirchen lebt, mit dem Ehrenteller der Gemeinde geehrt worden. „Seit mehr als drei Jahrzehnten hilft er bei Veranstaltungen der Gemeinde. Er ist ein Garant dafür, dass Feste funktionieren“, lobte der damalige Bürgermeister Eckhard Kalinowski (SPD). Doch auch alle anderen konnten auf „Gordi“, wie er liebevoll genannt wurde, immer zählen.

In der Schützengesellschaft „Fröhlicher Abend“ war er 32 Jahre lang ehrenamtlicher Kommandant des Salutzuges. Dafür hatte ihn Landrat Christoph Göbel (CSU) im Dezember vergangenen Jahres gemeinsam mit 49 weiteren Ehrenamtlichen im Sport- und Schützenwesen geehrt.

Bei den Veteranen trug Gordian Baier die Fahne, und für die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen war „Gordi“ 42 Jahre lang Mitglied und stand in dieser Zeit bei unzähligen Feiern und Veranstaltungen am Grill. Ob Currywürste am Weihnachtsmarkt oder Steckerlfisch bei der Sonnwendfeier – für Verpflegung war unter seiner Regie immer reichlich gesorgt.

Und auch in Meulan, seit 1978 die Partnerstadt von Taufkirchen, war „Gordi“ bekannt wie ein bunter Hund. Schließlich kümmerte er sich auf den bald 20, teils legendären Fahrten zu den französischen Freunden zuverlässig um Speis und Trank, karrte vor sechs Jahren 300 Kilo Sauerkraut und fünf Hektoliter Bier in den Vorort von Paris und ließ sich dort mit einem breiten Schmunzeln zum „Sauerkrautkönig“ küren.

Als ehemaliger Kraftfahrer der Autobahnmeisterei Hohenbrunn besaß er alle notwendigen Führerscheine, und seine hilfsbereite, absolut pflichtbewusste Art machten den vierfachen Familienvater ohnehin unverzichtbar am Ort. „Er fehlt uns jetzt an allen Ecken und Enden“, sagt Rosemarie Weber (SPD) – und spricht damit aus, was viele Taufkirchner fühlen. Noch am Samstag habe ihr „Gordi“ beim Sommerfest der Nachbarschafthilfe mit Flaschenöffnern ausgeholfen, erzählt sie. „Wann immer es ein Problem gab – er war da.“

Einen wichtigen Einsatz hatte Gordian Baier auch jedes Jahr am Volkstrauertag, wenn er mit der großen Kanone schoss. „Dafür hatte er das Zertifikat“, sagt Peter Schustereder. Er wusste auch, dass sein langjähriger Freund „stark zuckerkrank“ war. Vor 14 Tagen sei er deswegen noch beim Arzt gewesen. „Doch als ich ihn danach gefragt habe, hat er nur gesagt: „Des passt scho’“, erinnert sich Schustereder.

Bescheidenheit, das war auch eine Charaktereigenschaft von „Gordi“. „Er hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, war absolut verlässlich“, sagt Weber und ergänzt damit die Worte von Helmut Rösch, der „einen echten Freund verloren hat“, wie er sagt: „Er hat die Arbeit gesehen und sie gemacht“, betont Rösch. Auch bei seinem letzten Sommerfest habe er nach dieser Devise gehandelt. „Gordi“ war der letzte am Wolfschneiderhof, und hinterlässt hier – wie überall sonst in der Gemeinde – eine große Lücke.

Seine Vereinskameraden und enge Freunde haben sich am Sonntagabend noch einmal am Wolfschneiderhof versammelt, um Gordian Baier zu gedenken. „Er war immer da“, sagt Edith Rösch, „er war für alle die Seele“. Seinen Verlust zu ersetzen, wird schwer für die Gemeinde: „Gordi, du fehlst.“

Sophia Heyland

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