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Alexander K. am Donnerstag beim Prozessauftakt vor dem Münchner Landgericht. 

Prozessauftakt

Taufkirchner vor Gericht: Hat er seine Tochter  missbraucht? 

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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Ist Alexander K. (35) ein Kinderschänder? Oder Opfer eines perfiden Komplotts? Seit Donnerstag wird dem Kraftfahrer am Münchner Landgericht der Prozess gemacht.

Taufkirchen – Die Staatsanwaltschaft hat K. wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. In den Jahren 2016 bis 2018 soll er seine Tochter Olivia (Name geändert), die heute zehn Jahre alt ist, in Taufkirchen missbraucht haben. Ein mutmaßliches Verbrechen, das Richterin Sigrun Broßhardt nun aufzuklären versucht – doch das wird nicht einfach für die vorsitzende Richterin. Denn Beweise für die angeklagten Taten gibt es im Grunde nicht.

Verteidiger zweifeln an der Aussage der Tochter

Entscheidend ist daher die Aussage der Tochter, doch ausgerechnet diese greifen die drei Verteidiger um den Münchner Sexualstrafrechts-Experten Alexander Betz scharf an. Mit mehreren Anträgen erhoben die Anwälte gestern Widerspruch gegen die Beweiserhebung, aus ihrer Sicht habe die Ermittlungsrichterin schwere Fehler gemacht. So zum Beispiel in der Befragung des Mädchens: Bei der kleinen Olivia habe es den Verteidigern zufolge gar keine Aussagebereitschaft gegeben. Sie sei in der Befragung „regelrecht gequält worden“, so die Verteidiger. Zudem hätte der Befragung anscheinend auch ein Pädagoge beiwohnen müssen. Schlussendlich hatte das Mädchen dann die Worte „Der Papa hat mich angefasst“ herausgepresst. Für die Ermittlungsrichterin ein klarer Fall: Alexander K. wurde festgenommen, seit Februar sitzt er in Untersuchungshaft. 

Wurde das Kind von der Ex-Freundin beeinflusst?

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist nun zu lesen, dass K. zwischen März 2016 und Oktober 2018 drei Mal nach derselben Missbrauchs-Masche vorgegangen sein soll: Demnach schickte er zunächst seinen Sohn ins Schlafzimmer, wo dieser mit dem Tablet-Computer spielen sollte. Er selbst blieb mit Olivia zurück, die er nach der Trennung von seiner Ex-Freundin nur jedes zweite Wochenende sehen durfte. Anschließend soll er sich und das Mädchen ausgezogen und im Intimbereich berührt haben. Der dritte Übergriff soll sich laut Anklage in der Taufkirchner Wohnung der Ex-Freundin ereignet haben. Auch sie wird im Prozess aussagen müssen und hat aktuell das Sorgerecht für Olivia. Glaubt man der Familie des Angeklagten, wurde Olivia von ihr „massiv beeinflusst“, um dem Angeklagten zu schaden. 

Der Angeklagte schweigt

Er selbst will sich nicht zu den Vorwürfen äußern. „Unser Mandant verteidigt sich schweigend“, sagt Anwalt Alexander Betz. Offen bleibt aus seiner Sicht, warum die Ermittlungsrichterin nicht weiter nachgefragt habe, als Olivia die Anschuldigungen äußerte, die ihren Vater so schwer belasten. Neun weitere Verhandlungstermine sind bis Mitte Juli angesetzt.

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