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Keinen Schritt vorwärts: Michaela Füss (54) lebt seit 2011 neben grünen Plastikplanen – und wartet mit ihrer Familie darauf, wie es weitergeht.

Taufkirchner Waldsiedlung

Was ist aus den Schwarzbauten geworden?

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Jede Menge Pathos hat Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) zuletzt in die seit Jahren schwelende Diskussion um die Schwarzbauten in der Taufkirchner Waldsiedlung gelegt. Die unsichere Rechtslage sei „wie ein Damoklesschwert für die, die da sitzen“, erklärte er im Taufkirchner Gemeinderat.

Taufkirchen – Das Gremium stimmte  dafür (17:6), beim Landratsamt München den Antrag auf Änderung der „Landschaftsschutzgebietsverordnung Deisenhofener Forst“ zu stellen. Damit sollen die Schwarzbauten endlich legalisiert werden.

Der Sachverhalt ist äußerst diffizil: Bis auf eine Ausnahme gibt es für die Häuser am Waldweg, die zwischen Äckern und der Autobahn A 8 in Taufkirchen stehen, keine Baugenehmigung. Viele Gebäude stammen noch aus der Nachkriegszeit und sind seither geduldet. Heikel ist, dass der Bereich am Waldweg im Außenbereich der Gemeinde liegt und seit den 1970er Jahren zum Landschaftsschutzgebiet „Deisenhofener Forst“ gehört. Das Landratsamt als Bauaufsichtsbehörde hat deshalb schon vor 20 Jahren weitere Baumaßnahmen untersagt. Dennoch haben einige Anwohner in der Vergangenheit renoviert.

Auf Wunsch der Anwohner soll die Gemeinde Taufkirchen die Schwarzbauten endlich legalisieren. Allerdings will die Kommune kein Schlupfloch für weitere Bautätigkeiten schaffen – und keine hohen Kosten für Straßenbau, Winderdienst oder Schulweg-Beförderung riskieren, sobald die Siedlung legalisiert ist. Genau das macht das Verfahren so schwierig und für beide Seiten so zäh.

„Die Leute am Waldweg brauchen Planungssicherheit“, betont FW-Gemeinderat Michael Lilienthal schon seit 2009. Damals hatte der Gemeinderat auf Antrag der CSU-Fraktion den recht schwammigen Beschluss gefasst, „dass man sich eine Außenbereichssatzung für den Bereich Waldweg grundsätzlich vorstellen könnte“. Anfang 2015 zogen die Freien Wähler mit dem konkreten Antrag für den Erlass einer Außenbereichssatzung nach. Dem folgte der Gemeinderat mit einer Zweidrittelmehrheit (wir berichteten).

Seitdem liegt der Antrag beim Landratsamt – und schlummert dort seit zwei Jahren vor sich hin. „Aufgrund der angespannten Personalsituation bei der Unteren Naturschutzbehörde ist eine schriftliche Aussage im Moment nicht absehbar“, teilte Bürgermeister Sander in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mit.

Allerdings sei bei einem Termin im Landratsamt deutlich geworden, dass die Behörde „erhebliche Bedenken“ gegenüber einer Außenbereichssatzung für den Waldweg hat, weil sie der Landschaftsschutzgebietsverordnung „Deisenhofener Forst“ entgegensteht. Diese Aussage spitzte Lilienthal zu: „Das Landratsamt sagt, eine Außenbereichssatzung geht nicht. Also müssen wir etwas anderes tun. Ansonsten geben wir die Menschen zum Abschuss frei.“

Die Dramatik wollte Rudi Schwab (Grüne) nicht teilen: Das Landratsamt kann nicht nach Jahren der Toleranz eine Beseitigung anordnen“, sagte er. Edith Hirtreiter (ILT) war gänzlich gegen den neuen Vorschlag: Dieser sieht vor, dass die „Landschaftsschutzgebietsverordnung Deisenhofener Forst für den Bereich Waldweg zurückgenommen beziehungsweise so geändert wird, dass die vorhandene Bebauung legalisiert wird“. Hirtreiters Kritik lautet: „Eventuell gibt es dann andere, die auch im Schutzgebiet bauen.“

Keine Alternative

Diese Befürchtung wies Sander zurück: „Wir sprechen nur über diesen Fall. Und hier gibt es keine Alternative: Entweder die Schutzgebietsverordnung wird geändert oder die Häuser werden irgendwann abgerissen.“ Der Gemeinderat nahm den Verwaltungsvorschlag schließlich mehrheitlich an. Nun liegt der Ball – wieder einmal – beim Landratsamt.

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