Schock-Nachricht: Schlagerstar Vanessa Mai verletzt sich bei Bühnen-Unfall schwer

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Ein starker „Führer“: Kristian Bader brilliert in der Rolle des Adolf Hitlers.  

Theater in Taufkirchen

„Er ist wieder da“: Hitlers letzter Gruß

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Er ist wieder da: Schonungslos konfrontiert Adolf Hitler die träge Gesellschaft mit ihrer Blindheit. Die Theaterfassung steht dem Bestseller in nichts nach. Und das Publikum fragt sich:  Darf man darüber noch lachen?

Taufkirchen – Sie jubeln, sie feiern, sie prosten sich zu. Und dann grölen sie alle gemeinsam „Sieg heil, Sieg heil, Sieg heil.“ Dazu der Hitlergruß. Euphorie pur. Der Führer hat dem Fernsehsender Flashlight soeben den Grimme-Preis beschert. Und zwar für eine Reportage, in der er die NPD-Zentrale besucht, entsetzt ist über den katastrophalen Zustand der Partei – und über ihren Namen. „Nationaldemokratisch: Was soll das sein?“, fragt er mit angewidertem Gesicht. Allein das Wort ekelt ihn an. Längst findet er, es sei „Zeit für das nächste Euthanasieprogramm“.

Ja. „Er ist wieder da.“ Die Theaterinszenierung von Timur Vermes’ Bestseller geht an die Grenzen – und stellt das Publikum immer wieder vor die Frage: Ist das eigentlich noch lustig? Darf man lachen oder nicht? Die Bühnenfassung von Axel Schneider, die das Altonaer Theater im Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen zeigte, ist schonungslos und führt den Zuschauern die Blindheit einer Medien- und Konsumgesellschaft eindrucksvoll vor Augen. Sie bringt die bittere Ambivalenz der Geschichte rüber. Das Spiel steht dem Bestseller, der in 41 Ländern verkauft wird, in nichts nach.

Das liegt vor allem an Kristian Bader. Er mimt Adolf Hitler, gestrandet und wiedererwacht 2011 in Berlin, brillant. Gestik, Mimik, Sprache: ein echter Führer. Wie er sich schwungvoll den Scheitel glatt streicht, sich am Jackett zupft und Haltung annimmt und froh ist, als er endlich seine doch leicht ramponierte Uniform aus der „Blitzreinigung Yilmaz“ abholen kann. Herrlich. Bader gelingt, was Vermes wollte: Die Beobachtungen des zurückgekehrten Hitlers in urkomische Szenen zu verwandeln und doch den ernsten Hintergrund stets zu transportieren.

Ja, es wird viel gelacht. Das Publikum traut sich. Bader hätte mehr als etwa 150 Zuschauer verdient gehabt. Ebenso wie Georg Münzel an der Geige. Er stemmt die musikalische Untermalung allein, ist immer auf der Bühne, sagt aber kein Wort. Ob Hintergrundmelodie oder das Geräusch eines Fernsehers, während Hitler von Kochsendung zu Kochsendung zappt und erkennt: „Ein großartiges Medium der Propaganda.“ Münzel beweist Können. Dazu Videoprojektionen an der Wand, die Berlins Straßen zeigen. Das Gesamtbild passt. Nur seine Mitspieler wirken neben Bader schwach, überzeichnet, gespielt. Und es stört an mancher Stelle, dass die vier weiteren Schauspieler zwischen mehreren Rollen wechseln.

Überzeugend agiert Elena Meißner aber als Fräulein Krömeier, Hitlers neue Sekretärin im Fernsehbusiness. 26, echte Berliner Schnauze, immer ganz in Schwarz gekleidet. Eva ist tot, Hitler entwickelt Sympathien für seine neue Mitarbeiterin. Auch wenn er „1916 an der Westfront Tote gesehen“ hat, „die fröhlicher aussahen als Sie“.

Sein Plan geht auf, Hitler ist – belacht, beklatscht und bejubelt von seinen Zuschauern – wieder auf dem Vormarsch. Dank „Propagandamittel“ Fernsehen, wo nur Quoten zählen. Über diese „klobige Frau“ die an der Spitze der Regierung steht, ist er entsetzt. Der Führer, den alle für den besten Kabarettisten weit und breit halten, kommt an mit seinen Nazi-Parolen. Vom Gast-Auftritt in Alis Show über die eigene Sendung bis zum Grimme-Preis und zum nächsten Buch-Vertrag. Und das alles, ganz ohne sich zu verbiegen. „Ich habe mir in meinem Leben nichts zu Schulden kommen lassen, dessen ich mich schämen müsste“, stellt er gegenüber der Bild-Journalistin eindeutig klar. Ob er einen nationalsozialistischen Hintergrund habe? Einen „einwandfreien“. Das Publikum lacht, niemand glaubt’s.

Zum Schluss sind es ausgerechnet Neonazis, die Hitler totschlagen. Weil sie sich veräppelt fühlen. Über die Bühne flimmert die grüne, durchgezogene Linie eines EKG. Dazu ein durchdringender, lauter Ton. Der Führer ist tot. Dann setzt er sich wieder auf. Er ist wieder da. Und niemand merkt’s.

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