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Wurde vom Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt: Tohru Nakamura  hat für das Modellprojekt Kochschule an der Grundschule in Taufkirchen die Schirmherrschaft übernommen und zeigt Kindern, wie Kochen Spaß macht.

Tohru Nakamura ist Schirmherr von Modellprojekt

Taufkirchner Kinder lernen von diesem Münchner Sternekoch

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Damit Kinder sich bewusster mit Lebensmitteln auseinandersetzen, hat die Gemeinde Taufkirchen an der Grundschule am Wald ein Kochprojekt ins Leben gerufen. Regelmäßig kochen Kinder hier gemeinsam. Dabei haben sie jetzt prominente Unterstützung erhalten. Denn Schirmherr des Projekts ist der Sternekoch Tohru Nakamura (36), der jetzt vom Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt wurde.

Taufkirchen – Ruhig und gelassen wie ein Fels in der Brandung steht Tohru Nakamura am Herd, umringt von einer Schar munter plappernder Kinder, die ihn mit Fragen bombardieren. „Was ist das für ein Gewürz?“ „Warum machen wir das rein?“ „Was ist das Grüne da?“ „Igitt, das stinkt!“ Dass da neben ihnen ein Sternekoch steht, der gerade vom Gault Millau zum Koch des Jahres gekürt wurde, beeindruckt die Kinder wenig. Sie wollen einfach nur die Fleischmasse kneten, Karotten raspeln und das Salatdressing verrühren. Und genau darum geht es bei der Kinderkochschule – einem Modellprojekt, das in diesem Jahr an der Grundschule am Wald angelaufen ist.

Kochen unter Anleitung an acht Nachmittagen

36 Schüler der dritten und vierten Klassen nehmen an dem freiwilligen Angebot teil. An acht Nachmittags-Terminen kochen jeweils zwölf Kinder zwei Stunden lang unter Anleitung der Lehrerin Julika Hofmann, des Sozialpädagogen Paul Haas und des Ernährungstherapeuthen Torsten Gauer von der Isarland Ökokiste, mit der die Gemeinde, die Jugendsozialarbeit und die Grundschule bei dem Projekt zusammenarbeiten. Und einmal ist bei jeder Gruppe Tohru Nakamura mit dabei, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat.

Tohru Nakamura will Begeisterung für gutes Essen wecken

Der Kontakt zu ihm kam über Nakamuras Mutter zustande, welche für die Gemeinde bereits mehrere mathematisch-naturwissenschaftliche Projekte mit Schülern organisiert hat. Aber wie hat man dafür noch Zeit, wenn man gerade einer der gefragtesten Köche Deutschlands ist und sein eigenes Restaurant, den Werneckhof in Schwabing, betreibt? „Das Projekt und die Idee dahinter liegen mir sehr am Herzen“, sagt der 36-Jährige. „Wir beklagen doch immer, dass sich Kinder zu wenig mit Essen und seiner Herkunft auseinandersetzen und dass Transparenz bei Lebensmitteln so wichtig ist.“ Genau dabei gehe es in den Kochkursen – die Neugier der Kinder für die einzelnen Produkte zu wecken und ihnen zu zeigen, was man mit Lebensmitteln alles machen könne. „In meiner Familie hat Essen immer eine wichtige Rolle gespielt und meine Eltern haben mich früh an den Herd gelassen“, erzählt Nakamura. Die Begeisterung für gutes Essen möchte er auch bei den Kindern wecken – und nicht nur bei seinen zwei eigenen. „Es geht vor allem darum, dass sie hier selbst aktiv werden, Essen mit allen Sinnen erleben.“ Was ihm besonders gefällt: „Alle sind sehr offen, haben keine Berührungsängste.“ Bei Kochkursen für Erwachsenen dauere es oft länger, das Eis zu brechen. Und: „Von Kindern bekommt man das ehrlichste Urteil.“

Menü fernab von Pasta und Pommes

So hört er heute des Öfteren „Das ist viel zu sauer“ oder „Das mag ich gar nicht“. Das Menü hat es auch in sich, liegt fernab von Pasta und Pommes: Es gibt Blattsalate mit weihnachtlicher Vinaigrette, Wirsingrouladen mit Sauce Mornay und Schokocremeux mit Nüssen und Früchten. Geduldig erklärt Nakamura jeden Arbeitsschritt, die Zutaten, woher sie kommen und warum sie ins Gericht passen. Dass Mehl die Flüssigkeit bindet, was es bedeutet, wenn man in der Küche von „Passieren“ spricht und warum Schalotten besser ins Salatdressing passen als die normale Zwiebel. Und am Ende bekommt neben den Rezepten jedes Kind noch ein Gläschen von Nakamuras „geheimer Gewürzmischung“ für den Salat.

Die Idee entstand bei einem Frühstück

„Das ist ein absoluter Glücksfall“ sagt Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander erfreut. Die Idee zu den Kochkursen, die in der von der Gemeinde geförderten Reihe „stark und gesund“ stattfinden, entstand einst bei einem Frühstück mit Geschäftsleuten des Gewerberings Taufkirchen. Mit dabei: Torsten Gauer von der Isarland Ökokiste, die ihre Kunden mit frischen Biolebensmitteln beliefert. Schnell kam der Gedanke einer Zusammenarbeit auf – und die Idee zu einem Kochkurs für Kinder lag dabei nahe. Ein glücklicher Zufall, dass Sozialpädagoge Paul Haas auch noch gelernter Koch ist.

Gekocht wird mit saisonalen Lebensmitteln

Gekocht wird mit saisonalen Lebensmitteln der Isarland Ökokiste. So gibt es im Frühsommer die Erdbeeren, im Herbst die Kürbissuppe und jetzt im Winter eben den Wirsing. In einer Mappe bekommen die Kinder die Rezepte mit nach Hause – zum Nachkochen mit den Eltern.

Natürlich wird am Ende auch gegessen, was vorher gekocht wurde. Und während sich ein Mädchen gerade nach ihrem eigenen noch genüsslich den Salatteller der Freundin reinschaufelt, greift die lieber beim Wirsing zu, weil sie merkt: Der schmeckt ja richtig gut. Beim Nachtisch sind sich dann wieder alle einig– Schokolade geht immer. Das weiß auch der Koch des Jahres.

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