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Große Ehre: Christa Lippmann nimmt die Auszeichnung aus den Händen von Ministerpräsident Horst Seehofer entgegen. 

Taufkirchnerin geehrt

Verdienstorden für Christa Lippmann

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Sie ist die Mutter des Erziehungsurlaubs: Seit 25 Jahren setzt sich Christa Lippmann aus Taufkirchen für die Interessen von Frauen ein. Ihr  Engagement wurde nun belohnt. 

Taufkirchen - Der erste Gedanke war: Wahlwerbung. Deshalb hat Christa Lippmann den dicken Umschlag zunächst nicht geöffnet. Das Kuvert trug den Absender „Der bayerische Ministerpräsident“ und einen Poststempel der Staatskanzlei. Erst am nächsten Morgen schaute sie sich die Post genauer an. Es war eine persönliche Einladung ins Antiquarium der Residenz in München.

Der Anlass: die Verleihung des Bayerischen Verdienstordens. „Ich war sprachlos“, erzählt Lippmann. „Das war eine richtig schöne Überraschung.“ Aufgeregt sei sie bei der Verleihung gewesen, den sie als „Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste, den herausragenden Einsatz und das außerordentliche Engagement für das Gemeinwesen“ bekommen hat.

Es ist nicht ihre erste Auszeichnung. Vor zwölf Jahren bekam sie das Bundesverdienstkreuz. Als Wirtschaftspsychologin bei MBB, wo sie 22 Jahre lang arbeitete, sorgte Lippmann für ein Frauenförderprogramm sowie die Einführung des Erziehungsurlaubs, der in der Folge bundesweit Schule machte und sich zum Bundesgesetz entwickelte.

1991 war sie eine der Mitgründerinnen des Münchner Vereins „Nachbarschaftlich leben für Frauen im Alter“, „um alleinstehenden Frauen nach Ende ihrer Berufszeit einen angemessenen und freudvollen Lebensabend zu ermöglichen“, erläutert Lippmann. 1997 gelang es, ein erstes Wohnprojekt in Pasing für acht Bewohnerinnen zu realisieren, in dem „jede in der Gemeinschaft gut aufgehoben, aber auch autark ist“. Zehn Jahre später wurde ein zweites Projekt am Ackermannbogen bezogen, 2015 das dritte in Gern. Seit 2017 gibt es in der Fasanerie eine WG.

Der Aufwand ihrer ehrenamtlichen Arbeit sei in der Anfangszeit überschaubar gewesen. „Mittlerweile beansprucht die Arbeit als Vorsitzende 40 bis 50 Stunden pro Woche und ist damit mehr als ein Vollzeitjob“, berichtet Lippmann, die ihre Erfahrungen in dem Buch „Wohnen im Alter“ beschreibt. Rein ehrenamtlich kümmert sie sich mit Unterstützung des fünfköpfigen erweiterten Vorstands sowie zweier Minijob-Stellen, die wie auch ein Büro durch die Regelförderung der Stadt München finanziert werden, um alle Belange des Vereins:

Die Suche nach weiteren bezahlbaren Wohnmöglichkeiten auf dem hochpreisigen Münchner Markt sei dabei die schwierigste Aufgabe. Von Problemen und Hürden lasse sie sich aber nicht bremsen – im Gegenteil. „Irgendwie geht immer alles“ laute ihr Motto. „Wenn ich eine Idee habe, stelle ich sie mir plastisch vor und versuche, sie zu realisieren.“

Mit ihren Mitstreitern und Vereinsmitgliedern feiert Lippmann heute in der Alten Gärtnerei in Taufkirchen ein „Ordensfest“. Die Malerin Claudia Pirron stellt Bilder aus, und Kabarettistin Maria Peschek tritt auf. Den Verdienstorden will Lippmann zu der Feier mitbringen. Und wenn ihr Verein am morgigen Samstag beim „Münchner Selbsthilfetag“ vertreten ist, trägt sie die Alltagsversion des Ordens, auf den sie stolz ist und der für sie eine „wichtige öffentliche Anerkennung“ darstellt.

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