Diskussion im Taufkirchner Gemeinderat

Wie viel Lärmschutz braucht es?

Taufkirchen – Braucht der geplante Supermarkt einen Lärmschutzwall oder freie Sicht? Darüber denken die Taufkirchner Gemeinderäte sehr unterschiedlich, fanden aber einen Kompromiss.

Die Fortführung des Lärmschutzwalls entlang der Tegernseer Landstraße sorgte im Gemeinderat Taufkirchen für große Diskussionen. „Von einer Fortführung des Lärmschutzwalls ist dringlich abzuraten. Diese bringt ja nichts bei drei Vollgeschossen. Außerdem wird es sonst keinen Vollsortimenter geben“, stellte Gemeinderat Michael Lilienthal (Freie Wähler) seine Position klar. 

Auch Bürgermeister Ullrich Sander (CSU) befürchtete, dass ein möglicher Schutzwall direkt vor dem geplanten Supermarkt mögliche Interessenten abschrecken werde. Dies habe ihm bereits eine große Supermarkt-Kette bestätigt. 

Die geplante Bebauung „Am Riegerweg“ sieht aktuell ein u-förmiges Gebäude vor, das südlich an den Riegerweg angrenzt, dessen geschlossene Seite östlich an der Tegernseer Landstraße entlang läuft und sich nach Westen in Richtung Dorfstraße öffnet. Auf drei Geschossen soll Wohnraum geschaffen werden und ein großer Supermarkt im Erdgeschoss einziehen, auf der Seite zur Tegernseer Landstraße. Zweiter Bürgermeister Alfred Widmann (SPD) meinte auch: „Bei dem Supermarkt brauchen wir den Wall nicht, aber südlich sollten wir ihn erhalten.“ So drehte sich die Debatte vor allem darum, ob der Lärmschutzwall, der südlich des Riegerwegs an der Tegernseer Landstraße entlangläuft, auch weiter Richtung Norden neben dem geplanten Neubau fortgeführt werden soll. 

Kernpunkt der Debatte: Muss der Supermarkt in jedem Fall von allen Seiten einsehbar sein oder ist ein Lärmschutzwall sinnvoll? Die Meinungen gingen quer durch alle Fraktionen weit auseinander. „Was mir wichtig wäre, ist eine ausreichenden Begrünung. Denn es sollte Ortsrand bleiben“, forderte Gabi Zaglauer-Swoboda (Fraktion Grüne, FDP und FWG). Herbert Heigl (CSU) unterstützt diese Position und betonte: „Die Menschen, die dort wohnen werden, schauen vielleicht auch lieber auf einen Baum als auf eine Straße.“ 

Beatrice Brückmann (ILT) geht sogar noch einen Schritt weiter und empörte sich über die Prioritäten der Entscheidung. Es sei ihr ein Rätsel, wieso man sich für die Interessen der Bauträger einsetze und nicht für die der Bürger. 

Alfred Widmann widersprach vehement: Ein großer Supermarkt sei sehr wohl im Interesse der Bürger. „Wir sollten das jetzt so schnell wie möglich umsetzen, auch die Menschen im benachbarten Altersheim warten schon sehnlichst auf den Vollsortimenter.“ Rückendeckung erhielt er von Paul Haberl (CSU): „Jahrelang haben die Nachbargemeinden für uns gesorgt, jetzt sollten wir selber Einkaufsmöglichkeiten schaffen.“ 

Schließlich einigten sich die Gemeinderäte dann doch noch auf einen Kompromiss: Der im Süden bereits bestehende Lärmschutzwall soll nach Norden hin „auslaufen“, sodass ein Teil des Gemeindegebäudes noch geschützt ist, der entstehende Supermarkt aber frei steht.

isa

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