Bürger bei der Bürgerversammlung in Taufkirchen
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Viel Absperrband und trotzdem noch jede Menge freier Plätze: die Bürgerversammlung am Nachmittag. Abends bot sich ein ähnliches Bild.

Bürgerversammlung in Taufkirchen

Baugebiete und MVV beschäftigen die Taufkirchner

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Gleich zwei Mal fand in Taufkirchen am Mittwoch die Bürgerversammlung mit. Der Andrang hielt sich in Grenzen.

Platz wäre noch reichlich gewesen bei den Bürgerversammlungen. Die Gemeinde hatte sich viel Mühe gemacht, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten. Zum einen durch zeitlichen Abstand: Die erste Versammlung fand um 16 Uhr statt, die zweite ab 19 Uhr. Dazwischen wurde fleißig desinfiziert. Und selbst zwischen den rund 30 Besuchern, die jeweils gekommen waren, war ordentlich Luft. Nur jeder dritte Stuhl lud zum Hinsetzen ein, dazwischen gelb-schwarzes Absperrband. Am Eingang Hand-Desinfektion und Fiebermessen, im Saal eine Einbahnregelung.

Aktuell vier Coronafälle

Auch wenn sich die Besucher sicher fühlten – Corona war dennoch Thema. Wegen einer Krisensitzung angesichts steigender Infektionszahlen schaffte es der Landrat nicht zur Bürgerversammlung. „In Taufkirchen kamen wir bisher gut weg“, sagte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). 113 Infizierte habe es seit März in der Gemeinde gegeben, aktuell seien es vier. Dennoch bleibe Corona das bestimmende Thema. Ab kommender Woche gibt es in Unterhaching eine gemeinsame Corona-Teststation fürs Hachinger Tal. Taufkirchen selbst habe keine mehr.

Am Eingang zum Ritter-Hilprand-Saal wurde bei allen Besuchern Fieber gemessen.

Weniger Gewerbesteuer

Die Pandemie hat auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation der Gemeinde: „Bei den Gewerbesteuereinnahmen ging es stetig bergauf – bis Corona kam.“ 13,8 Millionen Euro war der Plan, bei 10,1 steht man jetzt. Geld, das fehlt, denn es steht einiges an. Größter Posten sind und bleiben die Schulen: Allein 20 Millionen kosten die neue Grundschule und die neue Mittelschule. Eine Million fließt in die neue Straßenbeleuchtung. Drei Millionen Euro Schulden hat Taufkirchen derzeit, pro Kopf etwa 163 Euro. Sander bleibt dennoch optimistisch: „Bei anderen bayerischen Kommunen vergleichbarer Größe liegt die Pro-Kopf-Verschuldung im Schnitt bei knapp 900 Euro.“

Mehr Supermärkte

Zufrieden ist Sander auch mit der Entwicklung der Nahversorgung: Der neue Edeka am Riegerweg sei „ein Riesengewinn für Bergham und Winning“. An der Karwendelstraße entstehen ein Aldi und ein Rossmann. Sander hofft dadurch auf etwas weniger Durchgangsverkehr aus Richtung Oberhaching. Weniger belastet durch Schwerverkehr wird bald die Bahnhofsstraße: Der Baustoffhandel Frieser zieht an die Tegernseer Landstraße. Eine Bürgerin wies darauf hin, dass die Laster beim Transport oft Styroporabfälle verlieren würden. Bürgermeister Sander versprach, dem nachzugehen.

Anfragen der Bürger

Die Situation an der Eschenpassage treibt einige Bürger um. Unordentlich sehe es da am Bahnhof oft aus, so ein Bürger. „Beide Passagen sind Privatgelände“, erklärte Sander. „Wir können da nichts machen, nur bitten.“ Ein anderer Bürger wollte wissen, warum die alte denkmalgeschützte Lagerhalle am Bahnhof seit einem Jahr eingezäunt sei, aber nichts passiere. „Da sind große Sanierungsarbeiten nötig“, erklärte Sander. Alles müsse genau geprüft werden und das dauere seine Zeit.

Sorge um Baugebiete

Als „zu eng und zu hoch“ beklagte ein Anwohner die geplante Bebauung auf dem Grundstück am Marklweg. Sander wies darauf hin, dass die Pläne derzeit im Rathaus ausliegen und jeder Bürger Stellung nehmen könne.

Sorge hatten einige, wie das Gebiet zwischen Dorfstraße und Postweg bebaut werden könnte. Ein Bürger beantragte, dass die südliche der zwei Wiesen frei bleibt und als Streuobstwiese genutzt wird. Man brauche auch etwas Grün und dürfe nicht alles bebauen, so sein Argument. Sander erklärte, es gebe einen Aufstellungsbeschluss für eine Bauleitplanung, doch noch keine konkreten Pläne. Die Gemeinde habe sich aber einen Teil der Fläche günstig gesichert, auch in Hinblick auf eine mögliche Erweiterung der Grundschule. „Wir werden uns im Gemeinderat noch mit diesem Gebiet genau befassen.“ Und auch das leere Grundstück an der Pfarrer-Weidenauer-Straße werde in „absehbarer Zeit“ bebaut.

Ein Bürger beantragte, den Kiefernweg, der Einbahnstraße ist, für Radfahrer in beide Richtungen zu öffnen. Einige Anfragen zielten auch auf den MVV ab. Dabei ging es unter anderem um eine bessere Anbindung an die U-Bahn – gerade, wenn eine S-Bahn mal ausfalle. Oder auch um mehr Busse zum Neubaugebiet am Riegerweg. Sander erklärte, man stehe mit dem MVV regelmäßig in Kontakt und mache auch auf Defizite aufmerksam.

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