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Weniger Treppen, breitere Wege: So soll Taufkirchen barrierefrei werden

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Von: Doris Richter

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Orientierungshilfen gibt es nur am Bahnsteig selbst. Ansonsten gibt es auf dem Areal rund um den S-Bahnhof einiges zu tun für mehr Barrierefreiheit.
Orientierungshilfen gibt es nur am Bahnsteig selbst. Ansonsten gibt es auf dem Areal rund um den S-Bahnhof einiges zu tun für mehr Barrierefreiheit. © Luca Zug

So wenige Hindernisse für alle Bürger wie möglich und so viel Orientierungshilfe wie nötig – mit diesem Anspruch hatte die Gemeinde 2020 ein Konzept für Barrierefreiheit in Auftrag gegeben. Das Konzept liegt jetzt vor.

Taufkirchen - Nach einer ersten Zwischenbilanz im Oktober 2020, Gesprächen mit der Gemeinde und Workshops mit Bürgern und Mitarbeitern des Projekts Soziale Stadt Taufkirchen präsentierte das Büro Raab+Kurz nun das Endergebnis,wobei es dabei zunächst um den Ortsteil am Wald gehen sollte. Einigen Gemeinderäten waren die Ergebnisse zu wenig greifbar. Geschockt waren sie von den geschätzten Kosten.

18 Millionen Euro

Rund 18 Millionen Euro veranschlagt das Büro für die Umsetzung. Wobei da der größte Knackpunkt, nämlich der S-Bahnhof, wo es am meisten zu tun gäbe, noch nicht berücksichtigt ist. Auf den mehr als 100 Seiten, die der Abschlussbericht des Büros umfasst, wird deutlich warum: Auf dem Weg zur echten Barrierefreiheit gibt es einiges zu tun. Dass sich das aber für alle Nutzer des öffentlichen Raums lohnt, betonten Andreas Raab und Daniela Koller vom Büro Raab+Kurz. Denn es gehe nicht nur um Menschen im Rollstuhl, mit Einschränkungen beim Sehen oder Hören, sondern auch um diejenigen, die temporär eingeschränkt sind, etwa durch einen Kinderwagen oder weil sie auf Krücken angewiesen sind. Zusätzlich werde das Thema in Hinblick auf eine immer älter werdende Gesellschaft wichtig. „Es ist dabei nicht entscheidend, jeden Bordstein abzusenken“, stellte Daniela Koller klar. Es gehe vor allem um eine gute Vernetzung im Ort, darum Hauptrouten und Schlüsselstellen – wie etwa den S-Bahnhof – herauszufinden und sich auch wichtige Querverbindungen anzuschauen. Standardlösungen gebe es nicht. „Man muss bei jeder Stelle hinsehen, was notwendig und möglich ist.“

Viele Wege zu schmal

Oft hakt es schon am Belag von Straßen und Gehwegen. Wenn Fugen im Pflaster zu groß sind, Risse im Gehweg klaffen oder ein fester Untergrund gänzlich fehlt. Bei Gehwegen könne man erst ab einer Breite von 1,80 Metern von Barrierefreiheit sprechen, optimal seien 2,50 Meter – Werte, von denen man vielerorts in Taufkirchen nur träumen kann. Kritik gab es auch an Gehwegen, die gleichzeitig für Radfahrer freigegeben sind wie etwa im Lindenring, Ahornring, in der Waldstraße, im Oberhachinger Weg sowie beim Hauptweg im Park am Wald. Einige Wege sind zu steil. Hinderlich sind Treppen und unpassende Rampen wie etwa am östlichen Zugang zur Eschenpassage. Optische und taktile Markierungen fehlen vor allem an den Bushaltestellen östlich und westlich der S-Bahn.

Unterführung zu eng

Die Unterführung unterm S-Bahnhof sei an vielen Stellen zu steil, zu dunkel und zu beengt. Viel zu tun gibt es auch bei den Straßenquerungen, sei es mit oder ohne Zebrastreifen. In der Regel seien die Lage der Absenkung, die Neigung und die Bordhöhe nicht korrekt ausgebildet. Keine Querung weise optische oder taktile Hinweise auf. Die Mittelinseln, falls vorhanden, seien in den meisten Fällen zu schmal.

Viele Vorschläge

Das Konzept zeigt detailliert Möglichkeiten, wie die Gemeinde die Situation verbessern könnte. Von kleinen Maßnahmen wie Hinweisschildern, über verbesserte Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen bis zum Umbau von Übergängen und Bushaltestellen und einem zusätzlichen Übergang über die Bahngleise.

Angesichts der Kosten fragte sich nicht nur FW-Gemeinderat Richard Schmidhammer: „Wo könnten wir mal anfangen, was ist am dringendsten zu machen?“ Eine Frage, die Planer Andreas Raab nicht eindeutig beantworten konnte: Es gehe vor allem darum, bei Maßnahmen, die ohnehin anstehen, auf den Baukasten zurückzugreifen. Mit am wichtigsten sei auf jeden Fall der Bereich rund um den Bahnhof. „Das Areal dort wird ohnehin gerade neu geplant“, sagte Bürgermeister Ullrich Sander. Wobei Peter Hofbauer (FW) anmerkte, dass viele Planungen gerade parallel liefen und man diese koordinieren müsse. Das Konzept für Barrierefreiheit hält Sander dennoch für wichtig: „Damit haben wir nun einen Katalog an Maßnahmen, die man überall anwenden kann.“

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