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Hingebungsvoll: Senta Berger liest aus Sonetten.

300 Besucher im Ritter-Hilprand-Hof

Mit Charme durch acht Jahreszeiten

Taufkirchen - Schauspielerin Senta Berger und das Südwestdeutsche Kammerorchester präsentieren Werke von Vivaldi und Piazzolla

„Die acht Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi und Astor Piazzolla begeisterten in der Aufführung des Südwestdeutschen Kammerorchesters Pforzheim unter dem Gastdirigenten Achim Fiedler und der Moderation von Senta Berger die etwa 300 Besucher im Taufkirchner Ritter-Hilprand-Hof. Ein besonderes Ergeignis: Die sehr persönliche Ausdrucksweise der Schauspielerin und die leidenschaftliche Gestaltung durch das 1950 gegründete Kammerensemble mit Musikern aus sieben Nationen. Bravourös war der Sologeiger Linus Roth.

Mit dem Charme, den man an der aus Film und Fernsehen bekannten Schauspielerin Senta Berger schätzt, führte sie in die „acht Jahreszeiten“, vier von Vivaldi und vier von Piazzolla, ein. Berger umriss die Lebensgeschichte der beiden Komponisten, die hier Zyklen zum Zweck der Unterhaltung schrieben, obwohl Vivaldis Barock heute als ernste Musik gilt, Piazzollas Tangos als U-Musik. Als erster Komponist habe Vivaldi Stücke ohne Götter geschaffen, dafür mit effektvoller Lautmalerei. Die Musiker verdeutlichten das etwa beim Tremolo, wo die zu schildernde Naturgewalt wie ein Wutanfall wirkte. Auf „lampi e tuoni“ (Blitze und Donnergetöse), von Berger zu Recht zu den schönsten Gewittern der Musik gezählt, war man vorbereitet durch die Lesung der Sonette (italienisch, dann deutsch). Schreiende Vögel wurden von schrillen Violinen imitiert. In jeder „Jahreszeit“ umrahmen schnelle Ecksätze einen langsamen Teil. Auch wechselte spannungsgeladene Dramatik mit wunderbar sanglicher Lyrik. Da Vivaldi, wie sein Vater zunächst Barbier, später Geiger, hier Konzerte für Violine und Streicher schrieb, war Roth durchgehend mit einer anspruchsvollen Partie gefordert. An einer Stradivari (1703) brillierte er in allen Lagen, reizte den Belcanto ebenso aus wie herbe Harmonien. Reizvoll ergänzten als Basso continuo sonores Cello und silbriges Cembalo seinen vollen, runden Ton.

In die Farben des Orchesters setzte der Kontrabassist markige Pizzicato-Akzente. Piazzollas „Cuatro Estaciones portenas“, ebenfalls für Streicher – wo aufregende Wendungen laut Berger zum Zuhören zwingen – bieten expressives Melos, herbe Harmonik und schroffe Rhythmik. Erneut motivierte Fiedler das Orchester mit sprechenden Gesten zu plastischem und farbigem Klang. Unterschiede zwischen den Tangos Primavera, Verano, Otonno und Invierno samt Zusatz „porteno“ (Bewohner der Hafenstadt Buenos Aires) sind aber nicht so klar wie bei Vivaldi, wo Bauern der Jahreszeit gemäß leben und sich vergnügen. Bei Gedichten über das Bandoneon (Piazzolla begann das Spiel achtjährig, mit elf schrieb er den ersten Tango) berührten etwa auch vergangene Liebe, Reue und Schmerz. Auch fand sich ein Bandoneon als schlaffer Balg vor einem Kloster, geeignet nur für schwermütige Musik. Der Intensität wegen bildeten Musiker und Solist zeitweise ein Quartett, das Sehnsucht schier unnachahmlich ausdrückte, mal auch mit pfeifendem oder schreiendem Klang. In jedem Stück tauchten unerwartet Takte Vivaldis auf. So galt es, Senta Berger folgend zu bedenken, jede Generation müsse einen neuen Zugang zu Vivaldi und zu Piazzolla finden.Arno Preiser

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