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An der A995

Demo gegen Höllenlärm

Taufkirchen - Einen „Spaziergang“ über die A 995 hat das Verwaltungsgericht zwar verboten (wir berichteten). Dennoch verschafften sich die rund 50 Demonstranten am Waldparkplatz in Taufkirchen ordentlich Gehör.

Mit „Highway to Hell“ von AC/DC haben Matteo Dolce (SPD) und David Grothe (Grüne) die Kundgebung am Waldparkplatz in Taufkirchen am Montagabend eröffnet. Die Botschaft: Lärm kann die Hölle sein, vor allem für die unmittelbar betroffenen Anwohner, die teils weniger als 50 Meter von der A 995 entfernt wohnen und Tag und Nacht mit dieser „Dauerbelastung“ leben müssen, wie Dolce sagte. Zwar habe das Gericht die von SPD und Grünen geplante Demo auf der Autobahn kurzfristig untersagt. „Dennoch haben wir erreicht, dass Lärmschutz nun wieder in aller Munde ist und der ganze Landkreis von unserem örtlichen Lärmproblem weiß“, gab sich der SPD-Sprecher selbstbewusst. Derzeit liegt ein Schreiben der Genossen aus Taufkirchen bei Innenminister Joachim Herrmann mit der Bitte, weitere Lärmschutzmaßnahmen für Taufkirchen zu prüfen. Die Argumentation: An anderen vergleichbaren Orten, beispielsweise an der A 9 oder A 96, gelte bereits durchgängig Tempo 80. Seit vier Jahren gilt tagsüber 120 km/h An der A 995, die offiziell gar nicht als Autobahn, sondern als Bundesfernstraße (B 13 neu) geführt wird, hatte die damalige Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD) Anfang 2012 ein generelles Tempolimit von 120 km/h von der Anschlussstelle Sauerlach bis zur Stadtgrenze durchsetzen können. Zwischen 22 Uhr und 6 Uhr gilt auf dem Abschnitt 80 beziehungsweise 60 km/h, wobei es ein offenes Geheimnis ist, dass die Polizei die Einhaltung dieses Tempolimits kaum kontrollieren kann.

2013 wurde unter finanzieller Beteiligung der Gemeinden Unterhaching, Oberhaching und Taufkirchen zudem ein Flüsterasphalt aufgetragen. „Doch auch den hören wir laut flüstern“, sagte Matteo Dolce bei der Kundgebung am Montag. Die Dringlichkeit für mehr Lärmschutz unterstrich er zudem durch Aussagen des Freistaates Bayern: „52 000 Fahrzeuge pro Tag sind 2010 zwischen Taufkirchen-West und Oberhaching gezählt worden – Tendenz steigend“, zitierte Dolce die aktuellen Zahlen. Damit zählt die A 995 „zu den am meisten befahrenen Fernstraßen im Großraum München“. Diese Argumente wollen die Demonstranten nun nutzen. Unterstützt wurde die Taufkirchner Kundgebung auch von zwei Gemeinderätinnen der ILT. Vertreter von CSU und Freien Wählern sowie der parteifreie Bürgermeister Ullrich Sander waren der Veranstaltung fern geblieben. 

Die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) ließ in Abwesenheit ein Grußwort verlesen, in dem sie die Ablehnung der Demo auf der Autobahn durch Landratsamt und Verwaltungsgericht kritisierte. Taufkirchens Grünen-Sprecher David Grothe sah in der Ablehnung der Klage „ein Zeichen, dass der politische Wille nicht da ist“. Unmittelbar nach der Gerichtsentscheidung hatten der SPD-Ortsverein und die Taufkirchner Grünen ihre Klage gegen das Demonstrationsverbot auf der A 995 zurückgezogen. Unterstützung für die vom Landratsamt bewilligte Kundgebung auf dem Waldparkplatz an der Anschlussstelle Taufkirchen kam von Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Auch ihn verfolgt das Thema Autobahnlärm seit Jahren. 

Die größte, ortsübergreifende Aktion war 2009/2010 die Initiative „Lärmschutz gegen Südring“, für die sich auch der heutige Landrat Christoph Göbel (CSU), damals Bürgermeister von Gräfelfing, stark gemacht hat, erinnert er sich. Für das Lärmproblem an der A 995 schwebt dem SPD-Bürgermeister eine ganz pragmatische Lösung vor: „Man könnte einen Radius von fünf Kilometern um die Stadt herumziehen, in dem das Tempo auf den Hauptverkehrsstraßen auf 80 km/h begrenzt wird.“Sophia Heyland

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