Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

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Der Supermarkt soll jetzt nördlich des Riegerwegs entstehen (im südlichen Teil des rot markierten Bereichs). Ursprünglich war er, auch als Lärmschutz, parallel zur Tegernseer Landstraße geplant gewesen (blau markierter Bereich).

Wohnungen und Supermarkt

Nach sechs Jahren wird am Riegerweg endlich gebaut

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Vorwärts, rückwärts, dreimal im Kreis und noch mal auf Start: Seit sechs Jahren steht das Großbauprojekt am Riegerweg auf der Tagesordnung des Taufkirchner Gemeinderats. Drei Bürgermeister haben die Pläne zunächst nicht begrüßt (Jörg Pötke), dann wieder angeschoben (Angelika Steidle) und schließlich auf die Zielgerade geführt (Ullrich Sander). Das Vorhaben selbst hat sich in dieser Zeit merklich gewandelt.

Taufkirchen – Ein Vollsortimenter, Wohnbebauung und gemeindlicher Wohnungsbau zu bezahlbaren Mieten von zehn Euro pro Quadratmeter: So stellt sich das Projekt „Am Riegerweg“ heute dar. In der Februar-Sitzung hat der Gemeinderat den Bebauungsplan Nr. 76 zur Festsetzung eines Sondergebiets (SO) mit der Zweckbestimmung „Wohnen und großflächiger Einzelhandel“ und eines allgemeinen Wohngebiets (WA) mit 21:3 Stimmen beschlossen. Das bedeutet einen vorläufigen Schlusspunkt unter ein jahrelang gärendes Kapitel (siehe Kasten). Die ILT-Fraktion stimmt geschlossen gegen den vorgelegten Bebauungsplan.

250 Wohnungen

Insgesamt entstehen auf der landwirtschaftlichen Fläche nun 250 Wohnungen, die voraussichtlich ab 2020 bezogen werden: knapp 50 davon sind in Gemeindehand, 70 liegen im nördlichen Teil des Quartiers (Wandhöhe: 13,5 Meter) und circa 130 Wohnungen (Wandhöhe: 12,5 Meter) im südlichen Teil. Gebaut wird viergeschossig, das vierte Stockwerk ist als zurückgesetztes Terrassengeschoss angelegt. Dazu kommt ein Vollsortimenter mit integriertem Backshop auf 1500 Quadratmetern an der nördlichen Grundstücksgrenze mit darüberliegender zweigeschossiger Wohnbebauung. Der Supermarkt soll von der Tegernseer Landstraße aus sichtbar sein und die Nahversorgung der Bürger aus Bergham und Winning verbessern. Letzteres begrüßte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei), der selbst in Bergham lebt, in der Sitzung ausdrücklich.

Großer Supermarkt

Letzte Änderungen „Am Riegerweg“ hatte der Gemeinderat vor gut einem Jahr, im Januar 2016, beschlossen: So ist der U-förmige Baukörper des Vollsortimenters, der ursprünglich parallel zur Tegernseer Landstraße stehen sollte, an die nördliche Grundstücksgrenze verlegt worden. Und auch die Erschließungsstraße für das Sondergebiet liegt jetzt an der nördlichen Grenze des Geltungsbereichs. „Dies bedeutet eine erhebliche Verbesserung für das gemeindliche Grundstück, das vorher von drei Seiten von Straßen umgeben war“, betonte Kathrin Menzel vom Bauamt bei der Vorstellung der Pläne im Gemeinderat. Die Stellplätze für den Supermarkt entstehen hauptsächlich in der Tiefgarage. Oberirdisch, an der Nordfassade, sind etwa 30 Stellplätze geplant, gab Menzel bekannt.

Für die Bewohner des Quartiers soll es „einen gemeinsamen Spielplatz für alle Kinder geben“, sagte Bürgermeister Sander. Das gesamte Quartier soll in Nord-Süd-Richtung für Fußgänger offen zu durchqueren sein. Genaueres werde im städtebaulichen Vertrag mit dem Investor geregelt, ebenso wie die Festsetzungen zu Fahrradstellplätzen (die den Grünen ein großes Anliegen sind) und den Ausgleichsflächen.

Die Frage, ob der Eigentümer Ausgleichsflächen im Wald schaffen darf, obwohl im „Offenland“ Bäume fallen, hatte bereits im Januar für Wirbel gesorgt. Die Grünen wollten der notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans wegen der Ausgleichsflächen im Wald zunächst nicht zustimmen (wir berichteten). Edith Hirtreiter (ILT) griff das Thema nun wieder auf und verwies auf die Flurnummer 551 westlich des Postwegs. Diese hatte die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts in ihrer Stellungnahme als Ausgleichsfläche vorgeschlagen. Vize-Bauaumtsleiter Thomas Beer bekräftigte derweil abermals die Planungshoheit der Gemeinde, die private und öffentliche Belange gegeneinander abzuwägen habe – und zu dem Ergebnis gekommen sei, den Ersatzflächen im Wald zuzustimmen.

Lärmschutz

Beatrice Brückmann (ILT) kritisierte die als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme festegesetzten drei Lerchenfenster à 20 Quadratmeter. Diese seien unzureichend, sagte sie. „Pro Paar bräuchte man vier bis fünf Lerchenfenster, und wir haben mindestens zwei Paare auf der Ostseite festgestellt.“ Rudi Schwab (Grüne) fehlte die Verlängerung des Fahrradwegs an der Tegernseer Landstraße (Tela) bis zum Zacherlweg. Hier seien die Verhandlungen mit dem Eigentümer noch nicht zum Abschluss gebracht worden, bestätigte Sander.

Letzte Irritationen gab es zum Lärmschutzwall entlang der Tela. Im Bebauungsplan ist festgesetzt, „dass der Wall an der Südseite langsam ausläuft“, referierte Beer. Im nördlichen Bereich gibt es keinen: „Da macht er aus Gründen des Lärmschutzes keinen Sinn. Um das Erdgeschoss und erste Obergeschoss vor Lärm zu schützen, müsste der Wall fünf bis sechs Meter hoch sein.“ Widerstand dagegen kam von Beatrice Brückmann (ILT): „Das mit dem Wall hatten wir anders besprochen.“ Tatsächlich hatte der Gemeinderat im Februar 2016 lebhaft über das Thema diskutiert, wie auch ein Bericht im Münchner Merkur dokumentiert. Damals lautete der mündlich gefasste Kompromiss, „dass er bestehende Lärmschutzwall nach Norden hin auslaufen soll, sodass ein Teil des Gemeindegebäudes noch geschützt ist, der entstehende Supermarkt aber frei bleibt“. Schriftlich fixiert wurde nur, dass der „Lärmschutzwall ausläuft“ – was nun entsprechend umgesetzt wird.

Anwohner der Dorfstraße befürchten mehr Verkehr durch das neue Quartier. Deshalb hatte Wolfgang Stelz bei der Bürgerversammlung 2016 den Antrag gestellt: „Keine Verlängerung des Riegerwegs bis zur Dorfstraße.“ Dem stimmte der Rat gegen die Stimmen der CSU-Fraktion zu. Herbert Heigl begründete seine Ablehnung so: „Die Durchfahrt vom Riegerweg zur Dorfstraße gibt es doch schon. Derzeit ist sie eben nur durch einen Pfosten abgesperrt.“

Kinderbetreuung

Dass der „Riegerweg“ den Gemeinderat auch künftig beschäftigen wird, machte Thomas Beer deutlich: „Der Plan ist so angelegt, dass auch eine künftige Bebauung umliegender Flächen ermöglicht wird.“ Vor diesem Hintergrund mahnte Rosemarie Weber (SPD) an, „Kindergarten, Kita und Hort nicht zu vergessen“ und erhielt Zustimmung von Bürgermeister Sander: „Das ist ein wichtiges Thema für die weiteren Planungen im oberen Bereich.“

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