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Kirchenmusiker Johannes Eppelein.

Jerusalemkirche Taufkirchen

Scheidender Musiker hinterlässt Lücke

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Taufkirchen - Seit sieben Jahren bringt Johannes Eppelein (27) die Jerusalemkirche Taufkirchen zum Erklingen. Die kleine nebenamtliche Stelle als Kirchenmusiker ist in dieser Zeit zu seiner Haupt-Berufung geworden, der er „mit Leib und Seele“ nachgegangen ist. Ende September wechselt er zur Christuskirche nach Neuhausen. Ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt.

Die Sieben hat im christlichen Glauben einen ganz besonderen Klang. Es gibt das Buch mit sieben Siegeln. Sieben Tage dauerte die Erschaffung der Welt. Sieben Posaunen läuten die Endzeit ein. Und nach sieben Jahren hinterlässt der Kirchenmusiker Johannes Eppelein eine Lücke, die in der evangelischen Gemeinde mitten in Taufkirchen am Wald wahrhaftig schwer zu füllen ist. Denn der Bewerber sollte nicht nur Chöre und ein Blechblas-Ensemble leiten, sondern auch die Orgel spielen können. Bis dato ist niemand in Sicht, der diese musische Dreifaltigkeit in einer Person erfüllt. 

Mit der geistlichen Musik hat Johannes Eppelein der Vater in frühester Kindheit vertraut gemacht. In der kleinen oberpfälzischen Gemeinde Nittenau bei Schwandorf, einer evangelischen Diaspora. Nicht einmal fünf Prozent der Bevölkerung haben hier die evangelische Konfession. Der Vater ist Pfarrer und führt seinen Buben bereits mit acht Jahren in den dortigen Posaunenchor ein, mit 16 Jahren wird der Junge ihn leiten und die Neulinge ausbilden. Außerdem kommt früh das Klavier- und das Orgelspiel hinzu. In seiner Jugendzeit begleitet Eppelein mehr als 100 Gottesdienste an der Orgel. 

Abenteuerliche Dimensionen nimmt die musikalische Erziehung an, als die Big-Band-Leiterin am Gymnasium ihre Beziehungen zu Goethe-Instituten und Botschaften im Ausland spielen lässt und mit ihren Schützlingen auf anderen Kontinenten musikalische Exkursionen entwickelt. Der junge Musikus lernt auf diese Weise in wenigen Wochen die Welt kennen: Chicago in den USA wird bereist, aber auch China steht auf dem Programm. Beim Reiseziel Ruanda sind die Sorgenfalten des Vaters nicht ganz unbegründet, und an der Elfenbeinküste stoppen Rebellen den Reisebus mit den deutschen Jung-Musikern. Diese werden an der Weiterfahrt gehindert und spontan festgehalten. Blauhelmsoldaten befreien die tapfere Gruppe in Not erst am nächsten Tag, an bayerische Blasmusik ist vorerst nicht zu denken. 

Weniger aufregend, aber als sehr spannend behält Johannes Eppelein seine Zeit in Taufkirchen in Erinnerung. Hier lässt er seinen Ideen freien Lauf, bekommt eine überwältigende Unterstützung in der Kirchengemeinde und darüber hinaus. Am Anfang übernimmt er den Chor der Kantorei. Er entwickelt dazu das Jerusalem-Vokal-Ensemble und den Bläserkreis Hachinger Tal, in dem neben Posaunen auch Trompeten, Waldhörner, die Tuba und das Euphonium zu Wort kommen. Als Leiter der drei musikalischen Gruppen fällt es ihm leicht, ein Zusammenspiel an Konzertabenden zu organisieren. 

Aber die Jerusalemkirche mit ihren recht bescheidenen Ausmaßen für große Konzertereignisse reicht für die Bedürfnisse bald nicht mehr aus, und so schließt er sich mit dem damaligen Kirchenmusiker von St. Georg, Pascal Caldara, zusammen für Größeres. So zum Beispiel bei den inzwischen berühmt-berüchtigten Sommernachtskonzerten im Juli, die mit Musikkabarett angereichert sind und sich zwischen den ernsten Musik-Ereignissen einen festen Platz gesichert haben. Eppelein hofft, dass Kantorei und Bläserkreis in der jetzigen Form beibehalten werden können: „Aber letztlich müssen wir die Zukunft der Kirchenmusik an der Jerusalemkirche in Gottes Hand legen.“ Pfarrer Joachim Rohrbach, der seit 2013 in der Jerusalemkirche wirkt und innerhalb von drei Jahren den Kirchenmusiker schätzen lernte, hegt selbst eine große Leidenschaft für die Musik. Er weiß, wie nahe Johannes Eppelein die Musik den Menschen in der Gemeinde auf vielen Ebenen gebracht hat. Das geistliche Resümee: „Ich bin stolz, so einen talentierten Kirchenmusik erlebt zu haben.“

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