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Heben ihre Hände: Die Anwohner des Birkengartens stimmen dafür, dass sich der Gemeinderat mit der Postleitzahländerung befasst. Als der Antrag abgelehnt wird, verlassen sie enttäuscht den Saal.

Bürgerversammlung

Wütende Bürger stürmen aus dem Saal

Taufkirchen - Die Bürgerversammlung im Taufkirchener Ritter-Hilprand-Hof entwickelte sich schnell zu einer hitzigen Diskussion. Besonders das langwierige Streitthema Postleitzahl-Änderung erhitzte die Gemüter.

Auf einmal wurde es unruhig im großen Saal des Ritter-Hilprand-Hofs. Die Stimmung auf der Bürgerversammlung schwenkte schlagartig um. Die anfangs ruhige Veranstaltung entwickelte sich zu einer lautstarken Diskussion, an deren Ende eine Vielzahl der Gäste wütend den Raum verließen. Anlass dafür war ein Antrag des ehemaligen Bürgermeisters Jörg Pötke (66). Der geschasste Rathauschef forderte eine Aushändigung „sämtlicher Unterlagen zur Postleitzahl-Änderung“ an den Gemeinderat, damit dieser in der nächsten Sitzung endlich über die seit Wochen in der Diskussion stehende Änderung beraten könne. Betroffen sind die Anwohner der Siedlung am Birkengarten. Sie hatten kürzlich auch mit einer Unterschriftenliste versucht, sich gegen das Vorhaben zu wehren (wir berichteten). 

„Es ist nun mal schon zu spät, sich damit zu befassen“, erklärte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). „Der Zug ist abgefahren.“ Die Post habe den Vorgang schon weitestgehend in Gang gesetzt. Ein verärgerter Anwohner warf daraufhin ein: „Es kann doch kein Problem sein, das Ganze aufzuhalten. In Gang gesetzt habt Ihr es ja auch.“ Sinnbildlich für die Unstimmigkeiten in der Postleitzahl-Debatte musste die anschließende Abstimmung zu Pötkes Antrag aufgrund von Zweifeln am Ergebnis wiederholt werden. Doch auch die zweite bestätigte den Ausgang, und der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt, woraufhin viele Bewohner der Siedlung am Birkengarten aus dem Raum stürmten. Gerwin Dollinger (64), der selbst von der Umstellung betroffen ist, überrascht das Ergebnis nicht: „Es interessiert sich niemand dafür, was da am Birkengarten passiert. Ich bin maßlos enttäuscht von unserer Bürgervertretung.“ 

Weitaus gesitteter wurde der Antrag von Walter Mühlbauer besprochen, der sich für eine Verschönerung der Unterführung am S-Bahnhof aussprach. „Ich nutze die Unterführung fast jeden Tag, und es schaut einfach fürchterlich aus“, ärgerte sich Mühlbauer. Bürgermeister Sander stimmte ihm hierbei zu, an diesem Taufkirchener „Schandfleck“ müsse etwas getan werden. Ein mögliche Aufwertung durch Fliesen lehnte die Deutsche Bahn bereits ab. Eine weitere Option wäre eine Graffiti-Collage am Beispiel der kürzlich eingeweihten Unterführung am Köglweg (wir berichteten). Die Entscheidungshoheit, wie Sander anmerkte, liege aber auch in diesem Fall bei der Bahn. 

Auch der Lärm der A995 ist für die unmittelbaren Anwohnern, die teilweise nur 50 Meter von der Schnellstraße entfernt wohnen, eine echte Belastung geworden. „Der Lärm hat kontinuierlich zugenommen und ist langsam nicht mehr auszuhalten“, berichtete Monika Förster, wohnhaft in der Hainbuchenstraße. „Der Verkehr ist immer mehr geworden, und der Flüsterbelag nützt nicht wirklich etwas.“ Bernd von Loeben fordert daher ein Tempolimit - und zwar in beide Richtungen. Bisher ist nur das Tempo in Richtung München begrenzt. Ein beidseitige Drosselung der Geschwindigkeit über einen mehrmonatigen Versuchszeitraum sei in der Tat bereits angedacht, berichtete Landrat Christoph Göbel (CSU). Über eine permanente Begrenzung werde nach Ablauf der Tests entschieden, wenn ein positiver Einfluss auf die Verkehrssicherheit nachgewiesen werden kann. Hintergrund: „Wir brauchen einen rechtlich tragenden Rahmen für das Tempolimit – Lärm ist keiner, Sicherheit schon“, erklärt Göbel.

Florian Prommer

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