Tennis-Base sucht neue Wege

- Ziel: Mehr Turniere in Bayern

Oberhaching - So vermessen, den rasanten Sprung eines in der Tennis-Base betreuten Spielers in die Weltelite zu erwarten, waren die Verantwortlichen des Bayerischen Tennis-Verbandes (BTV) nicht, als sie 1998 diese Institution für Nachwuchsspieler in Oberhaching gründeten. Vielmehr sollten mittels steter professioneller Betreuung Talente für internationale Aufgaben reifen - ein Unternehmen das durch die Auftritte von Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer (siehe obenstehenden Artikel) zu Beginn dieses Jahres die wohl bislang größte Bestätigung erfahren hat. Doch auf diesen Lorbeeren will man sich in Oberhaching nicht ausruhen, und mit Kontinuität alleine ist es auch nicht mehr getan, wie Hans Hauska, Geschäftsführer der für das Konzept verantwortlichen BTV Marketing, Sport und Service GmbH glaubt: "Wir müssen die Profiturnierstruktur in Bayern umgestalten."

Eine solche Neugestaltung des Terminkalenders war schon lange überlegt worden, nun wird sie 2004 endlich umgesetzt. Zu den bislang zwei Turnieren der für die Entwicklung der Nachwuchsspieler so wichtigen ITF-Future- und Satellite-Serie, die in Oberhaching und Riemerling stattfanden, kommen über den Freistaat verteilt neun weitere hinzu. Den letzten Anstoß zur Umsetzung der Idee gab eine vom BTV vorgenommene Untersuchung der Verhältnisse in Frankreich und Spanien. Dabei fiel auf, dass die Spanier 46 solcher Turniere pro Jahr veranstalten und 16 ATP-Top-100-Spieler vorweisen können, die Franzosen bei 22 ITF-Konkurrenzen immerhin noch 13 Spitzenleute. In Deutschland, wo im Untersuchungszeitraum sechs Leute unter den ersten 100 der Welt, davon die Hälfte auf den Plätzen 80 bis 100, lagen, fanden vergangenes Jahr hingegen nur elf solcher Turniere statt. "In Spanien gibt es nur sechs turnierfreie Wochen. Da können sich die Spieler auf den Weltranglistenpositionen 300 bis 600 im eigenen Land tummeln und gegenseitig puschen", argumentiert Hauska. "So ein Mann wie der Spanier Nadal hat sich auf diese Weise unter die ersten 200 vorgekämpft."

Nun ergreift die Tennis-Base als führendes deutsches Leistungszentrum also die Initiative für eine Annäherung an spanische Verhältnisse. Daneben setzt man in Oberhaching aber weiter auf Beständigkeit, wie das Beispiel Dieter Kindlmann zeigt. "Wir werden oft gefragt: Was wollt ihr mit dem?", so Hauska über den 21-Jährigen, Nummer 260 der Weltrangliste. "Aber er macht eine kontinuierliche Vorwärtsentwicklung von Jahr zu Jahr, ähnlich wie Rainer Schüttler, der im gleichen Alter 100 Plätze weiter hinten stand." Bleibt zu hoffen, dass, wenn sich jetzt die beharrliche Arbeit endlich mit einer verbesserten Turnierstruktur paart, tatsächlich einmal einem Talent aus Oberhaching der Sprung in die Weltelite gelingt.

Umberto Savignano

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