Hilfsbereit und beliebt: Martin Wagner bleibt unvergessen. Foto: fkn

Plötzlich blieb das Herz stehen

Tiefe Trauer um ein Sonntagskind

Aying - Martin Wagner, der Schuster-Martin, stirbt ganz plötzlich im Alter von 25 Jahren. Familie und Freunde sind geschockt.

Mit nur 25 Jahren, irgendwann in der Nacht zum 18. November, hörte das Herz von Martin Wagner auf zu schlagen. Ganz plötzlich, ohne Vorwarnung. Seine Schwester Christina (23) fand ihn auf dem Fliesenboden im Bad. „Die Gerichtsmediziner vermuten eine verschleppte Grippe als Ursache“, sagt Vater Peter Wagner.

Der 59-Jährige kann das nicht glauben. Sein Sohn habe mal Schnupfen gehabt, klar, aber er sei immer fit genug gewesen, um im elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mitanzupacken. Untrennbar verknüpft war das Leben des 25-Jährigen mit dem Schuster-Hof. So verbunden, dass ihn alle nur „Schuster-Martin“ riefen in der 400-Seelen-Ortschaft Peiß. Für eine Runde auf dem Mäher oder zu Holzarbeiten war Martin nie zu müde. „Das war sein Leben. Ich glaube, er hätte den Hof gerne übernommen“, sagt Peter Wagner junior (27), sein älterer Bruder.

Auch Johann Lechner, Vorsitzender vom Burschenverein Peiß und Freund seit Kindheitstagen, ist fassungslos. „Ich realisier’ das noch gar nicht. Das werde ich wohl erst im Alltag, wenn ich bestimmte Sachen für den Verein erledige, die sonst der Martin übernommen hat.“ Schon vor seiner Ernennung zum Vize war Martin ein wichtiges Mitglied bei den Peißer Burschen. Die Lücke, die er hinterlässt, könne keiner schließen. Immer hilfsbereit und einer, der anpackt, wenn er gebraucht wurde, so erinnern sich viele an den 25-Jährigen: Als es galt eine Burschenhütte zu errichten, baute der gelernte Gas- und Wasserinstallateur nach Feierabend die Sanitäranlagen.

In ihrer Vereinshütte feierten die 20 Burschen am Abend des 17. November, mit Martin in ihrer Mitte. Ungewöhnlich früh, kurz nach Mitternacht sei er nach Hause gekommen, habe über Kopfschmerzen geklagt, erinnert sich Mutter Rosina Wagner. „Sonst war er gern bis in die Morgenstunden unterwegs. Er war immer sehr gesellig.“

Die Beziehung zwischen der 57-Jährigen und ihrem Sohn sei besonders gewesen. „Er war so ein zartes Kind.“ Obwohl er ruhig gewesen sei, konnte er seinen Willen behaupten: Als er mit vier Jahren keinen Schneeanzug anziehen wollte, „stapfte er in Halbschuhen und Jogginghose durch den Schnee zum Kindergarten.“

Wie beliebt ihr Sohn war, wurde seiner Mutter bei der Beerdigung bewusst. Über 750 Trauergäste fanden sich am Grab des 25-Jährigen zusammen. Je zwei Mitglieder vom Burschen- und Schützenverein sowie zwei von der Freiwilligen Feuerwehr Aying trugen den Sarg des jungen Mannes. „Er war über zehn Jahre lang einer von uns, war zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, anderen zu helfen, die in Not waren“, sagte Kommandant Hartmut Müller-Tolk in seiner Trauerrede.

Dass Martin auch eine sensible Seite hatte, zeigte seine tiefe Trauer nach dem Unfalltod des besten Freundes vor einem Jahr. „Das hat ihn sehr mitgenommen. Monatelang hat er sich nicht davon erholt“, erinnert sich Vater Peter. Nach außen habe er funktioniert, seine Tränen nur hinter verschlossener Tür zugelassen. Ähnlich denke und agiere nun auch der Vater: „Für jeden Tag der 25 Jahre, die ich ihn haben durfte, bin ich unendlich dankbar.“ Wenn er sich das nicht immer wieder vorsage, könnte er den Schmerz nicht ertragen.

„Der Martin ist mein Sonntagskind. An einem Sonntag geboren und an einem Sonntag gestorben“, sagt Rosina Wagner. Wie sehr ihrer Tochter Christina der Verlust des Bruders zusetzt, kann die Mutter nur ahnen: „Das Badezimmer, in dem sie ihn gefunden hat, kann sie bis heute nicht betreten.“

(std)

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