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Virtuoses Duo: Toni Bartl und Traudi Siferlinger spielen Geige.

„Staad-Lustiger Advent“ 

Toni Bartl holt die Töne aus dem Gewehrlauf

Jenseits von allem, was landläufig bei Adventsfeiern zu finden ist, bot der staad-lustige Advent in Putzbrunn ungewöhnliche Instrumente, mahnende Texte und viel Zeit für Heiterkeit.

PutzbrunnKann man mit einem Gewehr Musik machen? Toni Bartl von „Knedl & Kraut“ kann es, beweist es auf der Bühne im Putzbrunner Bürgerhaus. Wie ein Wilderer schleicht er umher, klappt den Kolben runter, als wolle er nachladen. Er baut sich vor dem Mikrofon auf, bläst in den Lauf und heraus kommen Töne wie bei einem Didgeridoo. Erstaunte Zuhörer applaudieren begeistert.

Es bleibt nicht bei dieser einen Überraschung beim „staad-lustigen Advent“. Mal ganz was Neues wagen, weg von der üblichen Advent- und Weihnachtstümelei, heiter, besinnlich, nicht zu heilig – das hatte sich Traudi Siferlinger, seit zehn Jahren Moderatorin und Gastgeberin der TV-Wirtshausmusikanten, vorgenommen bei der Zusammenstellung des Programms.

Die Idee für diesen Abend hatte Erwin Bohlig, verantwortlich für die Kultur-Veranstaltungen im Bürgerhaus. „Erst wollte ich gar nicht, konnte mir nicht vorstellen, dass das funktioniert“, sagte sie vor Beginn der Vorstellung. Etwas nervös ist sie und gespannt. „Extra für Putzbrunn haben wir ein Konzept erarbeitet. Etwas ganz Neues, eine Premiere, die zu erleben ist, quasi eine Weihnachtsüberraschung für alle, auf der Bühne und im Saal.“ Die Mitwirkenden sind den Liebhabern der Wirthausmusikanten bestens bekannt. Neben Siferlinger und „Knedl & Kraut“, der alpenländischen Dinnermusik in ihrer eigenen, mobilen Wirtsstube, geben sich die Fexer – mit Tuba, Trompete und Kuhlohorn die wahrscheinlich kleinste Blaskapelle der Welt – die Ehre, und die Neubachtaler Musikanten. Zum ersten Mal stehen die drei Formationen gemeinsam auf der Bühne. Umgeben von den Musikern nimmt Siferlinger am Tisch Platz, rückt das Mikrofon zurecht und mahnt: „Weihnachten steht bedrohlich vor der Tür, es drängt die Zeit, Tausend Termine und Dauerstress, Aktionsangebote in den Geschäften, die zum Kaufen locken“, das ist in der Gegenwart die Adventszeit, so wie sie jeder erlebt oder zumindest schon erlebt hat. Aber es geht auch anders.

Andacht, Demut, für den anderen sich Zeit nehmen, für ihn da sein. So könnte es auch sein. Schade nur, dass daran erinnert werden muss. Die Zeiten sind andere. Kinder schreiben keine Wünsche mehr auf in der schönsten Schrift, deponieren den Brief fürs Christkind nicht mehr, sondern schreiben eine SMS ans Christkind. „Früher war das Christkind noch was Heiliges und hatte keine Homepage im Internet“, sagte Siferlinger.

Früher war die Adventszeit eigentlich Fastenzeit. Heute zeichnet sie sich eher durch ein tägliches Völlegefühl aus. So mischt sie Besinnliches, Nachdenkliches und Lustiges, gibt Einblick „in die gute alte Zeit, die für manche so schlecht war, dass es Weihnachten nur eine Gemüsesuppe gab“.

Von Magerkost kann an diesem Abend keine Rede sein. Musikalisch geht es in die Vollen. Siferlinger greift zur Geige, spielt grandios im Duett mit Toni Bartl. Der entpuppt sich mit seinen Freunden als wahrer Multi-Instrumentalist, spielt auf der Diatonischen, entlockt einem Sägeblatt singende Klänge und zaubert mit dem Gewehr. Für die traditionelle bayerische Stubnmusi mit Zither, Gitarre und Maultrommel sind die Neubachtaler Musikanten zuständig und die Fexer bringen die unterhaltsamen Klänge wie Polka, Märsche und Walzer, experimentieren dabei mit modernen Arrangements und mischen bayerische Volksmusik mit Elementen des Jazz, Swing oder Balkanbeats, schrecken auch nicht vor Rockklassikern zurück, präsentieren sie im neuen musikalischen Gewand.

Den Zuhörern gefällt es. Begeistert fordern sie mehr, lassen die Akteure nicht ohne Zugaben von der Bühne. „Ein schöner Abend. Ein schönes Geschenk“, sind sie sich einig. Die Überraschung ist gelungen. Eine Fortsetzung ist möglich, im nächsten Jahr. Siggi Niedergesäss

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