Nur der Fluxkompensator fehlt: Die Künstlerin Charly-Ann Cobdak hat ihre Zeitmaschine aus unendlich vielen Einzelteilen gebaut – es gibt sogar einen Wurmloch-Bohrer. Foto: katrin Kohnke

"Torsten, das kaufen wir"

Unterhaching - Technikbegeisterung kennt keine Grenzen bei der Ars Technica

Unterhaching - Mit einer Zeitmaschine reisen, die Tiefe des Weltalls erkunden oder Teslas Todesstrahlen (1934) erleben: Die 6. Ars Technica in Unterhaching machte das am Wochenende möglich. An sieben Veranstaltungsorten zeigte sich, dass Kunst und Technik einen Nenner haben.

Die Keimzelle der Veranstaltung zog schon von weitem Blicke auf sich. In der Oskar-von-Miller-Straße 5 wohnt und wirkt Torsten Kresse (70), der Initiator des Ganzen. Im Vorgarten seines Hauses das Wahrzeichen, der „Panta Sferei“, ein 6,30 Meter hoher Turm aus alten Nähmaschinen und einem Sägewerk-Getriebe. Gleich dahinter an der Wand der Blick in den Sternenhimmel. „Die Leute sagen, es sieht aus wie eine riesige CD“, lacht Kresse. Aber nur bei Tage. Bei Dunkelheit bietet das „Eye in the Sky“ einen simulierten Blick ins All. Programmierte LEDs und Spionspiegel machten dies möglich. Realisiert hat die Installation das Münchner Architekturbüro Andreas Vogler mit Hilfe der Crowd-Funding-Plattform WeMakeIt.com. „Torsten, das kaufen wir“, hätte seine Ehefrau Ursula spontan gesagt, erzählt der 70-Jährige und lacht. Gesagt, getan. Unendliche Weiten also demnächst bei den Kresses.

Gleich neben ihrem Haus befindet sich ein Minimuseum, die „Galerie Alte Technik“ im Stil eines Elektroladens von 1902. Die Fassade stammt aus Schwabing, konnte nur knapp vor dem Abriss gerettet werden. Hier hütet der pensionierte Ingenieur Kresse manchen Schatz aus vergangenen Tagen. Und gibt vielen Dingen ein neues Gesicht. Bei einem Rundgang stellt sich Unterhachings Vizebürgermeister Dr. Alfons Hofstetter gar einem Experiment und lässt sich von Kresse einen blauen Strahl auf den Handrücken jagen. „Autsch, das britzelt ja“, lachte Hofstetter. Die Apparatur von 1850 sei eines der ersten medizinischen Geräte, erzählt der Sammler. Der Nutzen läge vermutlich eher im Glauben daran, aber der versetze bekanntlich Berge. Immer freitags von 14 bis 19 Uhr ist das Minimuseum geöffnet.

Nur wenige Schritte weiter, und die Besucher der Ars Technica fanden sich in einem kunterbunten Familienfest der Jugendkulturwerkstatt (JKW) wieder. Da gab es ein motorbetriebenes Go-Kart, eine Knödelkanone und Bastelaktionen. Funkamateure erklärten kindgerecht ihr Tun, Kunstschaffende entführten in die Welt der Fantasie. Wie etwa Charly-Ann Cobdak (51) aus Untergiesing. Ihre Zeitmaschine - ein Knüller. Zehn Jahre sammelte die Künstlerin auf Flohmärkten, der Nachbarschaft oder eBay penibel nach Bauteilen. Sogar einen Wurmloch-Bohrer besitzt das 2,50 Meter breite Prachtstück. Ein Knirps setzt sich hinein und bekommt vor Aufregung ganz rote Backen. Wo soll’s denn hingehen, fragt Charly-Ann. „Zu den Dinosauriern“, antwortet der Bub und strahlt. Die Fantasie macht’s möglich. Nur das i-Tüpfelchen fehlt Cobdak noch. „Der Fluxkompensator“, verrät sie: Damit könnte sie dann auch zurück in die Zukunft.

Cobdak ist mit einigen ihrer mechanischen Geräte gekommen. Kinder lieben ihren „Running Edward“, einen tippelnden Elefanten, der auch trompetet. „Edward ist die Alternative zur exotischen Tierhaltung in einer Mietswohnung“, erklärt die Künstlerin verschmitzt.

Den Auftakt zur Ars Technica gestaltete eine Ballett-Uraufführung der B&M Dance-Company München im Kubiz. Zu weiteren Höhepunkten zählte hier die Ausstellung „Licht-Klang-Bewegung“ mit Werken von Walter Giers, Peter Vogel oder auch Julio Le Parc. Es gab Shuttle-Busse zum Geothermie-Kraftwerk, Einblicke in die Alte Schmiede (1849) wie auch in die Welt der Lebenswissenschaften. Die ermöglichte das „Biotechnikum“, ein 40-Tonner des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Ortspark. Drei Klassen des Lise-Meitner-Gymnasiums hatten bereits im Vorfeld die rollende Erlebniswelt mit dem Schwerpunkt Biotechnologie besucht. Die beiden Biologen Aline Anton und Tim Fechtner führten durch die Ausstellung und beantworteten ihre Fragen.

Für das umfassende Programm der Ars Technica in Unterhaching engagieren sich rund 20 Mitstreiter um Torsten Kresse. Gemein ist ihnen die außerordentliche Leidenschaft für Design und Technik. Der Jüngste, Roland Schubert, ist erst 17, der Älteste ist 87 Jahre alt, der Schmied Georg Lepp. Gleichgesinnte sind in ihrem Team jederzeit willkommen. Denn schon jetzt laufen erste Planungen fürs nächste Jahr. Kresse & Co. haben noch so viele Ideen.

Kathrin Kohnke

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