Klage und Anklage gleichermaßen enthält die Collage aus literarischen Stücken, die die Theatergruppen des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnaisums auf die Bühne bringen. Heute Abend ist eine zweite Vorstellung zu sehen, um 19.30 Uhr im Jugendzentrum „Gleis 1“. Foto: Michalek

Tragische Lebensgeschichten klagen an

Unterschleißheim - Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und von Nazi-Deutschland ist fester Bestandteil der Lehrpläne. Die Theatergruppen des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasiums verknüpften in einer fantastischen Eigenproduktion Schicksale aus dieser Zeit miteinander.

Die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und von Nazi-Deutschland ist fester Bestandteil der Lehrpläne. Die Theatergruppen des Unterschleißheimer Carl-Orff-Gymnasiums verknüpften in einer fantastischen Eigenproduktion Schicksale aus dieser Zeit miteinander.

Unterschleißheim - „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“, heißt das Stück, das nächster Kandidat des Carl-Orff-Gymnasiums (COG) für diverse Theaterpreise werden könnte. Die Eigenkreation von Michael Blum und seiner Frau Stefanie Höcherl stellt eine Collage zusammen aus den Werken berühmter regionaler Dichter und Denker.

Die Laienspieler bringen Werke der Münchner Autoren Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Oskar Maria Graf, Karl Valentin und Therese Giehse auf die Bühne, sowie der Nicht-Münchner Heinrich Mann und Kurt Schwitters. Die rund 50 Schüler spielten Passagen aus mehreren Nazi-kritischen Werken. Dazu wurden Filme gezeigt und zu sanfter Musik in nachdenklicher Atmosphäre die tragischen Geschichten dieser berühmten Deutschen gezeigt. Im Mittelpunkt der Aufführung stand die Breze. Das bayerische Statussymbol wurde als „Brezel Heil“ von Liesl Karlstadt besonders in das Dritte Reich eingebracht. Regisseur Michael Blum ließ sich ein Stück weit selbst von der Aufführung überraschen: „Ich wusste nicht, was aus einer Mischung von Ringelnatz-Humor und ernster Geschichte wird.“ Die Schüler aus Unter-, Mittel- und Oberstufe setzten die Szenen grandios auf der Bühne um. Die Theatergemeinschaft arbeitete mit drei Beamern und bot auch technisch eine hundertprozentig professionelle Vorstellung. Blum verbeugte sich vor den Technikern, die auch Filmaufnahmen in München gemacht hatten. Die beeindruckendsten Momente entstanden bei den stillen Passagen. Alle Künstler beschrieben das Ende ihres Lebens beschrieben. Jeder für sich hatte eine Geschichte mit dem traurigen Ende, erkrankt vereinsamt oder verarmt zu sterben. Menschlich bewegend war das Finale mit Totenstille, Bildern aus München im Februar 2011 und der Aussage der Unterschleißheimer Schüler: „Noch immer gibt es kein Mahnmal für die Bücherverbrennung auf dem Königsplatz.“

Es folgte minutenlanger Applaus und nun warten die Schüler gespannt, ob sie mit ihrem neuen Meisterstück eingeladen werden zu den bayerischen Theatertagen oder zu einem Wettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema „Skandale“. nb

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