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Offizieller Besichtigungstermin in der Traglufthalle Haar.

Siebte Traglufthalle steht in Haar

12,8 Quadratmeter für sechs Menschen

Haar -Die Traglufthalle in Haar soll nächste Woche bezugsfertig sein. Derzeit läuft der Innenausbau. Einen ersten Eindruck von der Notunterkunft an der Vockestraße vermittelt ein offizieller Besichtigungstermin.

Frisches Sägemehl. Wer die Halle betritt, hat sofort diesen Geruch in der Nase. Er kommt von den langen Stangen aus Fichtenholz, die zu Haufen gestapelt auf dem Boden liegen. Mit Akkuschraubern bohren die Mitarbeiter der Firma „Paranet-Deutschland GmbH“ Löcher in die Latten, die sie dann zusammenschrauben als Gerüst für die Schlafboxen. Eine Schlafbox steht an der anderen, in Reihen hintereinander. Alle sind gleich eingerichtet: drei Stockbetten, ein paar Spinde. In der Mitte ein Tisch. Nach oben ist die Box offen. Kein Fenster. 12,8 Quadratmeter für sechs Menschen.

Eine Wohnbox mit sechs Schlafplätzen.

 „Es gibt hier eine sehr große Nähe. Und niemand kann sich aussuchen, wer neben ihm im Bett schläft“, sagt Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD). Wie ihr geht es wohl den meisten Besuchern an diesem frühen Abend. Sie kommen, um sich ein Bild zu machen von der ersten Traglufthalle in ihrem Ort, die doch schon die siebte ist, die im Landkreis steht. 

Das Konzept ist immer ähnlich: Waschen, Essen, Schlafen und Gemeinschaft – alles findet unter dem halbrunden, folienbespannten Dach, in Boxen und Containern statt. Pro Mensch wird im Schnitt mit sieben Quadratmeter Leben gerechnet. Es gibt einen Gasanschluss. Und eine Internetverbindung, für die die Gemeinde gesorgt hat. Vier Reihen mit Neonröhren hängen und leuchten jeden Winkel aus. Ein Gebläse sorgt für frische Luft. Was in Haar fehlt, ist der Kinderbereich. Den hat man sich gespart, denn hier werden nur Männer untergebracht sein. Zunächst die 220, die derzeit in der Dreifachturnhalle des Ernst-Mach-Gymnasiums hausen. Später sicher auch andere. Platz ist für bis 300 Flüchtlinge, wie in den übrigen Hallen auch. Für Ordnung rund um die Uhr sorgen die Männer und Frauen der „110 Sicherheitsdienstleistungs GmbH“. Soziale Betreuung kommt vom Verein „Hilfe von Mensch zu Mensch München“. Außerdem von einer Schar ehrenamtlicher Helfer. Ohne sie gehe nichts, könne der Staat die Unterstützung der Asylbewerber weder leisten noch finanzieren, sagt Ernst Weidenbusch (CSU), der bei diesem Termin Landrat Christoph Göbel vertritt (CSU). 

Die Kosten für die Miete der Halle und die Versorgung der Flüchtlinge liegen bei rund 390 000 Euro pro Monat. 1300 Euro für jeden einzelnen Flüchtling. Das sei „unbestritten sehr viel Geld“, sagt Weidenbusch. Ein Betrag aber auch, den der Kreistag genehmigt habe. Parteiübergreifend, einstimmig. Eine Frau fällt ihm ins Wort. „Könnten Sie hier leben?“, ruf sie ihm zu. Weidenbusch zögert einen Moment. Dann sagt er, Turnhallen seien die schlechteste Lösung, Containerdörfer kaum besser, feste Unterkünfte das Ziel. Jede Traglufthalle sei eine „Überbrückung“, entstanden aus einer „Dringlichkeit“. Mit dem Wissen, „wir könnten die Menschen besser unterbringen“. Es ist „keine Lösung für immer“, findet er. Aber ein Anker für Menschen, die aus Krieg, Elend und Not geflohen sind.

Traglufthalle in Haar: So sieht es drinnen aus

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