+
Deutlich besser lässt es sich jetzt in der Traglufthalle aushalten.

Unerträgliche Hitze in Asylunterkunft

Traglufthalle: Klimaanlage nachgerüstet

Taufkirchen - Nach der tropischen Hitze von bis zu 44 Grad ist nun in der Taufkirchner Traglufthalle für Abkühlung gesorgt:

Am Mittwochnachmittag hat die Betreiberfirma eine zusätzliche Klimaanlage installiert. Die Außentemperaturen werden wirksam heruntergekühlt. „Maximal herrscht eine Temperatur von 25 Grad am Mittag“, sagt Jürgen Wowra, Chef der Betreiber-Firma Paranet-Deutschland.

Die Berliner Firma, die die Traglufthallen in Taufkirchen und Neubiberg betreibt, hat nach eigenen Angaben unter Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Die strombetriebenen Klimaanlagen können die Außentemperaturen um bis zu 16 Grad herunterkühlen, erklärt Wowra. „Die Luftverwirbelungen bringen zudem einen erfrischenden Wind.“ Der Aufenthalt in der aufblasbaren Notunterkunft auf der Zirkuswiese am Köglweg sei für die 120 Flüchtlinge „wieder erträglich“. Gestern um 11 Uhr kletterten die Thermometer im Freien auf 32 Grad, in der Halle zeigten sie 23 Grad an.

Auch an der Neubiberger Traglufthalle wurde gestern eine Klimaanlage installiert. Am heutigen Freitag ist die neue Notunterkunft auf der ehemaligen Landebahn von 17 bis 19 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Ab kommender Woche sollen die ersten Asylbewerber einziehen.

„Ich bin um der Bewohner willen sehr froh, dass es jetzt zu funktionieren scheint“, sagte gestern Christine Spiegel, Sprecherin des Landratsamtes: „Die Situation in den vergangenen Tagen war schon mehr als heftig.“

Um den Bewohnern auch den Aufenthalt im Freien angenehmer zu gestalten, hat die Gemeinde Taufkirchen mit Einverständnis des Landratsamtes Biertischgarnituren und Sonnenschirme aufstellen lassen, die Brauerei Aying stellte diese zur Verfügung. Zusätzlich wurde ein Sichtschutzzaun errichtet.

Eine Woche lang waren die Temperaturen unter dem weißen Kuppeldach in Taufkirchen ins Unerträgliche gestiegen. Die Luft flimmerte, es war 44 Grad heiß, die Brandmelder lösten aus, die Feuerwehr rückte an (wir berichteten). Nachdem die Vertreter des Asylhelferkreises die quälende Hitze in der zuvor von Innenminister Joachim Herrmann besuchten „Vorzeigehalle“ kritisiert hatten, musste Jürgen Wowra dringend handeln. „Wir haben unter Hochdruck an dem Problem gearbeitet“, berichtet er. „Meine Mitarbeiter haben alles drangesetzt.“ Zurzeit sei es schwierig, Klimaanlagen aufzutreiben. Viele Hersteller hätten aufgrund der großen Nachfrage Lieferschwierigkeiten. Für die Traglufthallen, die in den nächsten Tagen in Oberhaching und Unterhaching aufgestellt werden, habe er schon Klimaanlagen vorbestellt, sagt Wowra.

Die Berliner Firma, deren Hauptgeschäft seit 25 Jahren Traglufthallen im Sportbereich sind - etwa auf der Sportscheck-Allwetteranlage in Unterföhring - hat in den vergangenen Wochen viele Aufträge für Notunterkünfte bekommen. Wowra: „Wir haben 20 Baustellen, die wir dieses Jahr noch abarbeiten.“ Neben dem Landkreis München nennt er die Standorte Dachau, Deggendorf und Düsseldorf. Der Versuch, die Temperaturen mit der Wasserkühlung zu senken, die zur festen Ausstattung der Traglufthalle gehört, war in den vergangenen Tagen fehlgeschlagen: „Das Leitungswasser kam nicht mit acht Grad aus dem Hahn, sondern schon mit 16 Grad. Eine Kühlleistung von sieben Grad ist zu wenig,“ erklärt Wowra. Dazu sei der Umstand gekommen, dass das Dach unter der Kuppel nicht isoliert ist, „weil wir Tageslicht haben wollen“. Er müsse sein Produkt für den Zweck der Asylunterbringung weiterentwickeln: „Wir müssen viel Know-How einfließen lassen.“

Heizen ist in der Traglufthalle in Taufkirchen noch gar nicht möglich. Dafür muss die Gemeinde noch eine Gasleitung legen, bevor im Herbst die Temperaturen sinken. 

icb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bei ihm machte sogar Mathe Spaß: Realschule trauert um Lehrer
Beliebter Lehrer, engagierter Gemeinderat und zweifacher Familienvater: Mit nur 40 Jahren ist Florian Sedlmair, Lehrer an der Realschule in Ismaning, gestorben.
Bei ihm machte sogar Mathe Spaß: Realschule trauert um Lehrer
Putzbrunn tritt auf die Bremse: In diesen Straßen gilt ab sofort Tempo 30
Mehr als jeder Zweite fährt in Putzbrunn zu schnell. Das ergaben Messungen. Die Gemeinde tritt nun auf die Bremse. In 14 Straßen gilt ab sofort Tempo 30.
Putzbrunn tritt auf die Bremse: In diesen Straßen gilt ab sofort Tempo 30
Rechtsextreme Wahlplakate: Darum können die Kommunen nichts tun
Seit Tagen hängen in mehreren Landkreis-Gemeinden Wahlplakate der rechtsextremen Partei „Der Dritte Weg“. Auf den Plakaten prangen fremdenfeindliche Parolen wie …
Rechtsextreme Wahlplakate: Darum können die Kommunen nichts tun
Ein Riss geht durch das Gotteshaus
Es war eine Nachricht, mit der keiner gerechnet hatte: Die Kirche St. Georg in Hohenschäftlarn ist ab sofort geschlossen, Taufen, Erstkommunionen und Hochzeiten müssen …
Ein Riss geht durch das Gotteshaus

Kommentare