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Der Magerrasen in Wörnbrunn muss bis zur Regeneration noch ein bisschen warten. Die Firma Paranet hat die Traglufthalle noch nicht abgebaut.

Tralufthalle in Wörnbrunn

Die ewige Plastikplane

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Grünwald – In Oberhaching ist die Traglufthalle für Flüchtlinge noch im Dezember abgebaut worden. Auf dem Gelände ist ein Kran zu sehen. Ein paar Kilometer weiter in Wörnbrunn scheint nach wie vor das Trägheitsgesetz zu herrschen. Längst sind die Flüchtlinge woanders untergebracht, die Lufthülle aber verharrt hier an Ort und Stelle.

Von Zeit zu Zeit sackt die Plane in sich zusammen und wird dann wieder notdürftig aufgepumpt, wie der Chef der Grünwalder Polizeiinspektion, Andreas Aigner, beobachtet hat. Man habe den Betreiber Paranet auf die Zustände auf der Rodungsinsel hingewiesen. Auch darauf, dass die Hülle auf den Containern aufliegt.Ein Sicherheitsrisiko geht von dem Bau allerdings nicht aus, an den Eingangstüren sind Vorhängeschlösser angebracht, ein geschlossener Metallzaun umgibt das gesamte Gelände. Bei dem unwürdigen Schauspiel muss auch die Gemeinde Grünwald untätig zusehen. Denn sie hat das Grundstück dem Landratsamt München überlassen, das wiederum Paranet mit der Aufstellung und dem Abbau des fliegenden Baus beauftragt hat.

Die Eigenart fliegender Bauten ist grundsätzlich, schnell auf- und abgebaut werden zu können: Im Falle Oberhachings war die verantwortliche Firma vom Landratsamt München mehrmals zum Abbau schriftlich aufgefordert worden. Bereits am 6. September war die Halle geräumt worden (in Wörnbrunn am 9. Dezember). Es dauerte also noch ein Vierteljahr, bis das Berliner Unternehmen reagierte, die Luft raus ließ und den zeltähnlichen Bau wegräumte. Laut Raphael Hock von Paranet hatte die Firma sich im Falle Oberhachings erhofft, dass die Halle stehenbleiben könnte. Das jedenfalls habe die Bayerische Staatsregierung in Aussicht gestellt. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht, während die Ungeduld beim eigentlichen Vertragspartner, dem Landratsamt, größer wurde. Im Falle Grünwalds jedenfalls will Paranet nicht so viel Zeit verstreichen lassen und behauptet, ab Vertragsende am 20. Dezember sechs Wochen lang Zeit zu haben, alles wegzuräumen. Da sehr viele ähnliche Verträge zum Jahresende 2016 ausgelaufen sind, habe man leider einen großen Stau bei den Demontagen.

Es war nicht das erste Mal, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Traglufthallen-Hersteller schwierig gestaltet. Bereits Ende Mai waren Gemeinden und Helferkreise entsetzt über die menschenunwürdigen Bedingungen, die in manchen Traglufthallen im Landkreis München herrschten. Ein Flüchtling hatte sich damals offiziell über die Zustände beschwert (wir berichteten). Vor allem die Temperaturen während der Hochsommerhitze in einigen Halle waren für einen Aufenthalt zum Teil schwer zumutbar. Als Vermieter war Paranet für die Instandhaltung, Reparaturen und technischen Einrichtungen zuständig.

Aber, wie Landrat Christoph Göbel resümiert, die Situation sei für alle Beteiligten neu und eine Herausforderung gewesen: „Die Hallen mussten in einer Höllengeschwindigkeit auf den Markt“, sagt Göbel gegenüber dem Münchner Merkur. Im Großen und Ganzen habe das Konzept der Notunterbringung in den Traglufthallen gut funktioniert. Es sei immer noch wesentlich verträglicher gewesen, als eine Unterbringung in Turnhallen es jemals hätte sein können.

Wie viel Geld der Landkreis an die Gemeinde Grünwald pro Monat für die Platzmiete in Wörnbrunn bezahlt, darüber will man im Landratsamt nicht sprechen. Aus der Presseabteilung heißt es lapidar: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine Aussagen über die vertraglichen Details mit Dritten machen.“

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