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„Fred“ nannten ihn die Ismaninger: Alfred Fischer  1994 bei der Pressekonferenz zu seiner Landtagskandidatur.

Nachruf auf Alfred Fischer

Trauer um einen knorrigen Grünen

Ismaning – Alfred Fischer, Urgestein der Grünen aus Ismaning, ist gestorben. Kurz nach seinem 66. Geburtstag schloss der „Fred“, wie ihn Freunde und Ismaninger herzlich nannten, für immer die Augen.

Er erlag seiner Krebserkrankung. Bis zum Schluss lebte der Grüne in seinem Haus, liebevoll versorgt von seiner Tochter, der Familie seines Bruders und dem Unterföhringer Pflegedienst.

Alfred Fischer bestimmte mit seiner urbayerischen, manchmal ein bisschen gescherten, immer aber verbindlichen und augenzwinkernden Art in den 90er Jahren die Politik der Grünen in Ismaning und im Kreistag. Er war DER Kandidat, ob für das Bürgermeisteramt 1990, als er gegen seinen geschätzten Schulkameraden Michael Sedlmair antrat, oder 1993 als Landtagskandidat der Grünen. Er war ein „Realo“, der grün war, auch wenn er keinen Meter ohne Auto nahm, gerne rauchte und sich bayerisch-deftig ernährte. Dem Postbeamten ging es um größere Inhalte. Im Ismaninger Gemeinderat und im Kreistag erwarb sich Fischer mit seiner konstruktiven, fachlich fundierten und geradlinigen Art quer durch die Parteien Anerkennung.

Widerstand gegen den Nachfolger des Garchinger Atom-Eis

Seinen größten Erfolg sah er im Rückkauf des Stromnetzes durch die Gemeinde Ismaning. Die Rekommunalisierung der Energieversorgung war ihm immer ein Hauptanliegen. Er war neben seiner Parteifreundin Ingrid Wundrak aus Garching auch einer der Hauptprotagonisten im Widerstand gegen den Forschungsreaktor FRM-II ind Garching und eine weitere Mülldeponie im Norden.

Sein politischer Kampf war immer fair und gesetzeskonform. So empörte ihn zutiefst, dass seine Plakat-Protestaktion beim 1. Spatenstich zum Forschungsreaktor FRM-II polizeiliche Ermittlungen nach sich zog. Da verging dem Humorvollen das Lachen: „Die angebliche Anhörung war ein Verhör. Da wurden Verbrecherfotos, Fingerabdrücke gemacht, sogar gewogen wurde ich. Wie der letzte Lump wurde ich behandelt, entwürdigend“ empörte er sich hinterher. Natürlich kam es zu keinem Verfahren.

Kein Verweigerer

Und Fischer kam auch nicht als ehrenamtlicher Beisitzer in den Musterungsausschuss beim Kreiswehrersatzamt München. Obwohl die Grünen vorschlagberechtigt waren, wurde Fischer bei Stimmengleichheit im Kreisausschuss von CSU und Freien abgelehnt. Gut, er hatte nie Wehrdienst geleistet, war aber auch kein Verweigerer. Als solcher hätte er nicht Beisitzer werden dürfen. „Ich bin nicht völlig untauglich“, sagte er damals schmunzelnd, „Ersatzreserve 2, halt als Kanonenfutter gerade noch verwendbar.“ Auf die Ablehnung reagierte er in der für ihn ihn typischen Art: „Auch gut. Dann könnte ich ja nachträglich noch verweigern. Das werde ich auch tun, wenn die Bundesrepublik doch noch beim Golfkrieg mitmischt“.

Krankheit setzt seinem politischen Engagement 2008 ein Ende

Natürlich war Fischer gegen jede deutsche Beteiligung an Kriegen und trat bei der Asylwelle Anfang der 90er Jahre schon nachdrücklich für eine ausländerfreundliche Sozialpolitik ein. Gern hätte er sich auch für eine in seinen Augen von den Grünen vernachlässigte Wirtschaftspolitik eingesetzt. Insbesondere Großkonzerne und Energiemagnaten waren ihm ein Dorn im Auge. Sein kranker Körper setzte seinem politischen Engagement aber 2008, wie auch jetzt seinem Leben, ein zu frühes Ende. 

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