Rudolf Kyrein
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Rudolf Kyrein war immer menschlich und in seinem Wirken ein Vorbild. Foto: privat

Ehrenvorsitzender der Feuerwehr Unterbiberg

Trauer um Rudolf Kyrein

  • vonHarald Hettich
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In seiner Heimat-„Gmoa“ Unterbiberg hat Rudolf Kyrein zeitlebens soziales Miteinander und gelebte Hilfsbereitschaft entscheidend mitgeprägt. Überraschend ist der ehemalige Gemeinderat und Feuerwehr-Kommandant in Folge einer Herzoperation verstorben. Er wurde 84 Jahre alt.

Unterbiberg – Rudolf Kyrein, Spross einer alt eingesessenen Landwirtsfamilie, hinterlässt nicht nur in seiner Familie eine große Lücke. Gerade auch das öffentliche Leben hatte Rudolf Kyrein deutlich bereichert. Am Mittwoch, 5. August, findet für den Verstorbenen zunächst ab 11.30 Uhr eine Trauerfeier auf dem elterlichen Anwesen in Unterbiberg statt. Im Anschluss wird Rudolf Kyrein auf dem Friedhof von St. Georg in Rufweite seiner Lebens-Wirkungsstätte beigesetzt.

Dramatischer Zwischenfall im Mai 1945

Das Leben für das am 20. Mai 1936 in Unterbiberg geborene Kriegskind Rudolf Kyrein hat insgesamt einen sehr geordneten, am Dasein für Landwirtschaft und Familie ebenso wie am Streben für das Gemeinwohl orientierten Verlauf genommen. Aber es hätte auch dramatischer kommen können. In den letzten Weltkriegstagen im Mai 1945 durchlebte der noch keine neun Jahre zählende Bub eine bedrohliche Szene.

Oma Kyrein entschärft die Situation

Beim Rückzug längst geschlagener Wehrmachtstruppen wollte der Kommandant direkt beim Hof der Kyreins eine MG-Stellung errichten, um vorrückende Alliiertenverbände aufzuhalten. Rudolfs Vater Josef geriet mit dem Offizier in Streit, weil er die Maßnahme nicht nur für verrückt hielt – sondern auch fürchtete, die US-Armee werde „ganz Unterbiberg in Schutt und Asche legen“. Der Offizier zog seine Waffe, richtete sie auf Vater Kyrein und drohte diesen zu erschießen. Das entschiedene Eintreten besonders von Oma Kyrein entschärfte schließlich die Situation. Der Offizier brauste nach Süden davon und ward nie mehr gesehen.

Nach dem Tod des älteren Bruders übernimmt Rudolf Kyrein den Hof

Für die Kyreins gewann nach der Kapitulation das Leben und Wirken auf dem Hof wieder an Normalität zurück. Der kleine Rudolf besuchte die Volksschule in Perlach und absolvierte ab 1950 eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. 1956 starb der ältere Bruder Josef, der den Hof übernehmen sollte. Rudolf besuchte nun die Landwirtschaftsschule und übernahm die elterliche Landwirtschaft.

Schnell erwies er sich als umsichtiger Landwirt, führte den Betrieb von 1964 bis 2004 zu neuer Blüte. „Uns geht’s so guad. Des muas ma aa amoi schätzn“, gab Rudolf seiner Familie immer wieder mit auf den Weg. Mit Ehefrau Ursula war er 62 Jahre glücklich verheiratet. Vieles von seinem Lebensglück reichte er gerne weiter.

Ehrenvorsitzender der Feuerwehr Unterbiberg

„Unser Vater war ein grundehrlicher und großzügiger Mensch“ betonen seine Söhne Josef und Rupert. „Er war nicht nur immer für die Familie da, sondern unterstützte auch zahlreiche gemeinnützige Projekte.“ Von 1966 bis 1972 war Kyrein für die CSU Mitglied im örtlichen Gemeinderat. Vor allem den Ausruf „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ hat sich Kyrein verschrieben: Von 1964 bis 1971 war er Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Unterbiberg. Weitere 13 Jahre agierte er umsichtig als Vereins-Vorsitzender der Floriansjüngern, zu deren Ehrenvorsitzendem er im Anschluss gekürt wurde.

22 Jahre lang Kirchenpfleger

Zu „Gottes Ehr“ werkelte Rudolf Kyrein besonders in seiner Funktion als Kirchenpfleger von St. Georg Unterbiberg zwischen 1978 und 2000. Dabei war Kyrein maßgeblich an der umfangreichen Renovierung des Gotteshauses zwischen 1980 und 1983 beteiligt.

Trotz seiner vielfältigen Aktivitäten fand Kyrein auch Zeit für Hobbys und Leidenschaften. Alte Modelle von Autos und Traktoren pflegte er mit Geduld und Hingabe. Für seine fünf geliebten Enkelkinder verfasste Rudolf Kyrein regelmäßig lustige Gedichte. „Er hatte Erfahrung mit dem Erzählen. Meinem Bruder und mir hatte er bereits in unserer Kindheit und Jugend spannende Rittergeschichten erzählt“, denkt Josef mit Wehmut wie Stolz an den Vater zurück.

Erzählerisches und komödiantisches Talent

Auch als Ruheständler blieb Rudolf Kyrein immer beweglich. „Das Rasenmähen und das Brennholz waren seine Sache“, sagt Josef. Der Spaß kam auch nie zu kurz bei den Kyreins. „Er konnte von vielen Originalen aus der Unterbiberger Historie wortreich berichten und diese gleichzeitig auch perfekt nachahmen.“ Schlagfertig und ein glänzender Unterhalter war er, dazu sehr ordentlich und fürsorglich für die ihm Anvertrauten. Rudolf Kyrein wird fehlen. Sein Credo bleibt.

Der altehrwürdige Hof der Familie Kyrein in Unterbiberg hat eine lange Geschichte.

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