Trauriger Rekord am Rodelberg: Zustände wie nach Bombenangriff

- Unterhachinger ärgert sich über gefährlichen Silvester-Müll

VON MARTIN BECKER Unterhaching - Wie an jedem Neujahrsmorgen seit über 20 Jahren machte sich der Unterhachinger Günter Staudter (61) auch gestern früh gegen 8 Uhr wieder daran, den benachbarten Rodelberg in der Grünau auf die Reste des Silvester-Feuerwerks hin zu inspizieren. Auf die Idee, als Privatmann den Müll anderer zu sammeln, kam er 1982: "Damals zerschnitt vor meinem Augen eine im Gras versteckte Glasscherbe den Schuh eines kleinen Buben und trennte ihm fast einen Zeh ab, außerdem holten sich etliche Hunde blutige Pfoten." Heuer, so Staudters Bilanz, summierte sich verantwortungslos hinterlassener Dreck besonders heftig. "Es gab einen neuen, traurigen Rekord am Rodelberg", so der 61-Jährige.

Seit dem Beinahe-Unfall vor nunmehr 22 Jahren säubert Staudter nicht bloß alljährlich die Gegend rund um den Rodelberg, sondern die unappetitlichen Eindrücke prägen sich ihm auch als Statistik ein. "30 bis 40 Flaschen, zum Teil zerbrochen, werfe ich normalerweise in die Container", berichtet der Unterhachinger. "Diesmal ist aber ein neuer Rekord zu vermelden: 56 Bier-, Wein-, Sekt- und Schnapsbehälter haben sich heuer unter den Feuerwerks-Müll gemischt." Ein unausgeschlafener Bürger, der gerade seinen Hund spazieren führte, staunte ebenfalls: "Da schaut`s ja aus wie nach einem Bombenangriff!"

Sparwut beim Volk, Rezession, Zurückhaltung? Keine Spur davon registrierte Staudter in der Silvesternacht, in der er auch am Rodelberg vorbeischaute. "Die Leute haben extrem viel geballert, Geld schien dabei keine Rolle zu spielen - das war schon ein Phänomen." Ganz besonders schlimm fand Staudter, dass manche Mitbürger ihre Böller in leer getrunkenen Flaschen explodieren ließen "und die Splitter dann in einem Umkreis von bis zu drei Metern herumflogen". Aktuell passiert ist laut Polizei zwar nichts, doch Staudter denkt an die vielen Kinder, deren Rodelvergnügen in diesen Tagen blutig enden könnte. "Unter diesen Umständen ist man fast geneigt, zum Plastikflaschen-Verfechter zu werden", schimpft der 61-Jährige.

Das Schlimmste hat Staudter selbst beseitigt, für den Rest hofft er auf den gemeindlichen Aufräumdienst. Und mit Blick auf die Neujahrsnacht 2005 richtet der engagierte Unterhachinger einen Appell an alle Hobby-Feuerwerker: "Bitte zerdeppert nach dem Gebrauch als Raketen-Abschussrampen nicht achtlos die Flaschen, sondern werft sie in die umliegenden Papierkörbe." Dort fand Staudter diesmal eine einzige von 56 Flaschen.

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