Trockenheit untergraben

- Vor 100 Jahren kam in Arget Wasserversorgung in Fluss

VON HELMUT BERTHOLD Arget/Sauerlach - Genau hundert Jahre liegt es jetzt zurück, dass in Arget erstmals die öffentliche Wasserleitung in Betrieb genommen wurde und damit der bei längerer Trockenheit in der Gemeinde allenthalben auftretende Wassermangel endgültig behoben werden konnte. Die Selbstverständlichkeit, mit der heute das lebenswichtige Nass zu jeder Tages- und Nachtzeit aus dem Wasserhahn fließt, war für die Dorfbewohnern in den ersten Januartagen des Jahres 1903 ein kommunalpolitisches Ereignis von bedeutsamem Rang.

Zwei Jahre vorher hatten die Grabungsarbeiten für den neuen Tiefbrunnen in der Ortsmitte begonnen. Das Projekt umfasste zusätzlich die Errichtung eines 400 Kubikmeter fassenden Hochbehälters auf dem Schießstättberg und die Verlegung der Haupt- und Anschlussleitungen. Die Baukosten waren damals auf 83 000 Mark veranschlagt. Nach einer Bauzeit von 20 Monaten war der neue Grundwasserbrunnen bis auf 64 Metern Tiefe vorgetrieben und ergab eine Schüttung von fünf Sekundenliter, was für die damals etwa 450 Gemeindebürger samt ihrem Viehbestand völlig ausreichte.

Ursprünglich wurde das Trinkwasser mit einer Kolbenpumpanlage, angetrieben von einem zwölf PS Benzinmotor aus der Tiefe gefördert, da Arget erst zehn Jahre später an das Stromnetz angeschlossen wurde. Ab 1943 förderten zwei leistungsfähige Unterwasserpumpen aus der Tiefe.

1969 saßen Argeter auf dem Trockenen

Über 65 Jahre lang arbeitete das Gemeindewasserwerk zur vollen Zufriedenheit. Doch 1969 stellten sich für die Argeter schwerwiegende Versorgungsprobleme ein. Die Stadtwerke München hatten aus ihrem in den Jahren zuvor östlich von Arget neu errichteten Spitzenförderwerk so große Wassermengen entnommen, dass der Grundwasserstand im Ortsbrunnen rapide absackte und die Argeter dadurch auf dem Trockenen saßen. Zur Behebung des Wassernotstandes errichteten Bundeswehrpioniere innerhalb von 15 Stunden eine zwei Kilometer lange Pipeline für eine Notversorgung zwischen der städtischen und der gemeindlichen Wasserversorgung. Um den Argeter Brunnen wieder fit zu kriegen, wurde dieser von der Stadt München auf eigene Kosten bis 70 Meter vertieft und hatte damit wieder genügend Wasserstand.

Fehlende Wasserschutzzonen und zunehmende Bebauung und vermehrte Klärwasserversickerung im Umkreis des Dorfbrunnens führten in den weiteren Jahren zu nicht mehr vertretbaren Wasserverunreinigungen, so dass die Gemeinde behördlicherseits auf eine Schließung des alten Ortsbrunnens gedrängt wurde.

Der 1975 zunächst geplante Anschluss Argets an das Münchener Versorgungsnetz scheiterte an dem zu hohen Wasserabgabepreis der Stadt. Aber auch von einem Anschluss an die Sauerlacher Wasserversorgung, welcher amtlicherseits in Hinblick auf die geplante Gemeindefusion angestrebt wurde, wollten die Argeter Gemeindevertreter nichts wissen. Ein eigener Brunnen musste her. So begannen 1977 die Bohrarbeiten in einem Waldgrundstück südwestlich des Ortes. Doch geologisch ungewöhnlich harte Untergrundverhältnisse machten der Baufirma technisch außergewöhnlich zu schaffen, der Zeitplan war nicht zu halten, und der Gemeinde ging das Geld aus, so dass das Projekt mehrere Jahre auf Eis gelegt werden musste. Durch die 1978 erfolgte Eingliederung Argets in die neue Großgemeinde Sauerlach verlagerten sich auch die Probleme dorthin. Die Finanzierung von Reservebehälter, Druckanlage und Hauptzuleitung konnte aber in den Folgejahren sichergestellt und ausgeführt werden. Seit Januar 1986 werden die Argeter, deren Zahl sich in diesen zurückliegenden hundert Jahren verdreifacht hat und durch die in nächster Zukunft vorgesehenen Baulandausweisungen weiter steigen wird, mit bestem, aus 90 Meter Tiefe gefördertem Trinkwasser, in ausreichender Menge aus ihrer neuen Brunnenanlage versorgt.

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