Beim Auftritt im Landratsamt: Masako Teshima und Ikuko Koyama-Krause (v. r.) mit ihrer Trommlergruppe Tampopo. Beide lassen sich auch von der Atomkatastrophe nicht vom Flug nach Tokio abhalten. Foto: agm

Trotz Atomkatastrophe zum Klassentreffen nahe Fukushima

Unterschleißheim - Angst? Ikuko Koyama-Krause lächelt. „Nein! Ich bin 60. Ach. Ich bin ja schon alt. Wenn ich dann mal mit 80 krank werde. Nein, nein, ich habe keine Angst." Heute ist die Unterschleißheimerin nach Tokio geflogen; zum Klassentreffen. Ihre Heimatstadt Yuki-shi liegt genau zwischen Tokio und Fukushima.

Sie freue sich auf dieses erste Klassentreffen ihrer Grundschule, an dem sie teilnehmen werde, betont Ikuko Koyama-Krause. „Wenn ich jetzt aus Deutschland nicht mehr komme, weil ich Angst vor Verstrahlung habe, was müssen da die Japaner denken, wie schlimm alles ist“, sagt sie nachdenklich.

Koyama-Krause ist die Sprecherin der aus dem Landkreis München stammenden, 1999 gegründeten japanischen Frauen-Trommlergruppe „Tampopo“. Vor ihrem Abflug in die ehemalige Heimat trat sie noch mit der Gruppe beim Frauenfest im Landratsamt auf (Bericht folgt). Das war, wie das Klassentreffen, lange geplant. Nun wurde es zu einem besonders beachteten Auftritt. Die Japanerinnen nutzen ihn, um Geld für einen Ort im Tsunami-Gebiet zu sammeln. Vergangenen Samstag standen sie schon am Marienplatz und nutzten den Tag des Atomprotestes, um Spenden zu sammeln.

Masako Tesima wohnt auch in Unterschleißheim, gehört ebenso der Gruppe Tampopo an und trommelt im Landratsamt an diesem Abend. Sie ist auch schon voll Vorfreude. Sie wird kommende Woche nach Tokio fliegen: Zum Klassentreffen ihres Gymnasiums. Sie lächelt weniger. „Doch, ich habe schon Sorge, verstrahlt zu werden. Ich habe schon etwas Angst“, bekennt die filigrane Violinistin, die mit ihrem virtuosen Spiel so oft in ihrem Wohnort Unterschleißheim offizielle Veranstaltungen begleitet.

Koyama-Krause aber ist optimistisch: „Wissen sie, wenn man 60 Jahre alt wird, steht das in Japan für Wiedergeburt. Man bekommt als Zeichen eine rote Jacke an. Ich werde also wieder geboren. Was soll mir passieren.“ Wieder dieses leicht freche, unerschütterliche Augenzwinkern. Die Japanerin ist alles andere als naiv: Sie ist eine sehr tatkräftige, umweltbewusste Frau. Zusammen mit ihrem Mann Ernst-Günther Krause ist sie auch bei der Nichtraucherinitiative Deutschland höchst aktiv. Sie kämpft für konsequenten Nichtraucherschutz deutschlandweit und tritt auch sonst für eine gesunde Umwelt ein. So sei sie auch immer schon kritisch Atomkraftwerken gegenüber gewesen: „Wir hatten allerdings weniger Angst wegen der Atomkraftwerke selbst, als vor der Lagerung des Atommülls.“ Dann lächelt sie wieder. Ihre Klassenkameraden und die Menschen, denen sie das Spendengeld aus Deutschland bringt, erwarten sie.

Annette Ganssmüller-Maluche

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Drogenlabor auf dem Uni-Campus der Bundeswehr
Auf dem Gelände der Bundeswehr-Universität in Neubiberg soll ein Student ein illegales Doping-Labor betrieben haben. Nun steht er vor Gericht.
Drogenlabor auf dem Uni-Campus der Bundeswehr
Mann geht mit Messer auf Polizisten los: Schuss in den Hoden
Nachdem ein Pullacher mit einem Messer auf Polizisten losgegangen ist, traf ihn Schuss in den rechten Hoden. 
Mann geht mit Messer auf Polizisten los: Schuss in den Hoden
Volles Haus bei Podiumsdiskussion in Schäftlarn
Das Wachstum und die Schmerzen, die es mit sich bringt, standen im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Pullach. Das Interesse der Bürger: …
Volles Haus bei Podiumsdiskussion in Schäftlarn
München-Landkreis-Newsletter: Hier geht es zur Anmeldung
Unser brandneuer München-Landkreis-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis München - hier geht es zur Anmeldung. 
München-Landkreis-Newsletter: Hier geht es zur Anmeldung

Kommentare