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Stolzes Erfinderteam: Die Studenten des „WARR“-Hyperloop-Projekts der TU München mit dem Prototypen einer Magnetschwebe-Kapsel, die Reisende mit Schallgeschwindigkeit durch eine Vakuumröhre jagen soll. 

35 Minuten per "Rohrpost"

Diese Studenten schicken Sie per Rohrpost nach Berlin

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München - Von München nach Berlin in 35 Minuten – was klingt wie Science Fiction, wollen Studenten der Technischen Universität München Realität werden lassen. Eine Art Rohrpost soll Menschen künftig in Schallgeschwindigkeit transportieren.

Der amerikanische Multimilliardär Elon Musk (45) macht keine halben Sachen: Er steckt hinter dem Online-Bezahldienst PayPal, erobert mit der Automarke Tesla den Markt für Elektrofahrzeuge und will mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX den Mars kolonialisieren. Wegen dieses Vorhabens hielten ihn viele für übergeschnappt, nun beliefern Musks Raketen bereits die Internationale Raumstation ISS. Jetzt hat es sich der Technologie-Pionier in den Kopf gesetzt, nebenbei noch den Personentransport zu revolutionieren: Durch den „Hyperloop“, eine Vakuumröhre auf Stelzen, sollen Passagierkapseln mit bis zu 1200 km/h durchs Land sausen.

Musk schrieb dafür einen Wettbewerb aus: Kluge Köpfe aus aller Welt sollten sich Gedanken über die Konstruktion dieser Reisekapsel machen. Mit von der Partie ist ein Team von 36 Studenten der TU München, das es, unterstützt von einer Vielzahl von Firmensponsoren, bis in die Endrunde geschafft hat. Der Wettbewerb ist hart, die meisten der verbliebenen 22 Teams kommen von amerikanischen Elite-Universitäten.

Der Finaleinzug war vor vier Monaten. Der Jubel darüber wich jedoch schnell Terminstress – nun galt es, schnellstmöglich einen Prototypen zu bauen, denn bereits im Herbst muss dieser auf einer Teststrecke im kalifornischen Los Angeles seine Funktionsfähigkeit beweisen. Am Montag war es soweit: Die „Wissenschaftliche AG für Raketentechnik und Raumfahrt“, kurz WARR, stellte ihren Prototypen vor. „Das ist die Zukunft der Mobilität“, hielt sich Mariana Avezum nicht mit Tiefstapelei auf. Die 26-jährige Computerwissenschaftlerin leitet die Forschergruppe mit Studenten aus 14 Ländern.

Freilich ist es noch ein weiter Weg, bis tatsächlich Menschen durch die Rohrpost reisen können. Es gilt, zusätzlich zu den technischen Details und dem enormen Konstruktionsaufwand, viele offene Fragen zu klären: Auf kurvigen oder bergigen Strecken gliche die Reise bei Schallgeschwindigkeit einer Achterbahnfahrt. Kein Problem im Flächenland USA, durchaus ein Thema bei der Durchquerung eines deutschen Mittelgebirges. Eng und ohne Fenster erinnert die Kapsel eher an ein Projektil als an einen Zugwaggon – eine nicht zu unterschätzende psychologische Hürde. Die WARR-Kapsel, gut vier Meter lang und einen Meter im Durchmesser, soll für den Wettbewerb zunächst nur einen Dummy über die 1,6 Kilometer lange, schnurgerade Teststrecke befördern. Ihre Maximalgeschwindigkeit liegt bei 320 km/h, das ist immerhin fast so schnell wie ein ICE.

Das technische Filetstück des „Pod“, wie das WARR-Team die 200 000 Euro teure Kapsel nennt, ist ein Kompressor auf der Vorderseite. Er dient dazu, den Luftwiderstand des Pods zu verringern. Ein vollständiges Vakuum ist für die Hyperloop-Röhre nicht zu realisieren, den verbliebenen Gegenwind soll der Kompressor ansaugen und durch das Gefährt leiten. „Das macht unseren Pod einzigartig“, sagt Avezum.

Für die finale Runde des Wettbewerbs sieht sich das WARR-Team deshalb gerüstet. Zwei Minuten reicht der Strom der Akkus, die den Bordcomputer und den Kompressor versorgen, „damit können wir die Strecke zweimal auf und ab fahren“, sagt Batteriespezialist Joachim Sturm (31). Auf Dauer reicht das nicht – der Strombedarf soll entweder durch größere und bessere Akkus gedeckt werden oder „fliegend“ von der Strecke abgegriffen werden. In der Luft gehalten wird der Wagen bei Reisegeschwindigkeit durch Magnetschwebetechnologie. Die in der Strecke verbauten Magnete sorgen auch für die Beschleunigung der Kapsel.

Für die Probefahrt übernimmt diese Aufgabe ein externer Antriebswagen, die WARR-Truppe will vor allem die Funktionalität ihres Kompressors und der mit Magnetfeldern arbeitenden Wirbelstrombremsen unter Beweis stellen. „Wir bauen etwas, was vorher noch nie zuvor jemand gebaut hat“, umreißt Chefingenieur Johannes Gutsmiedl (23) die technische Herausforderung. Bei der feierlichen Enthüllung des Prototyps schallt der AC/DC-Song „Highway to Hell“ aus den Lautsprechern. Dessen Zeilen sind hoffentlich für das Projekt „Hyperloop“ nicht wörtlich zu nehmen.

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