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Bei der Premierenfahrt der U6 nach Garching vor zehn Jahren sind neben Altbürgermeister Helmut Karl (Mitte) auch MVG-Chef Herbert König (r.) und Münchens damaliger Oberbürgermeister Christian Ude (l.) dabei.

Den Anschluss nicht verpasst

U-Bahn in Garching feiert 10-jähriges Jubiläum

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Garching - Von der Tram bis zur Magnetschwebebahn: Im 20. Jahrhundert gab es zig Pläne, wie Garching ans Schienennetz kommen soll. Das Rennen machte schließlich die U-Bahn, die vor zehn Jahren erstmals zum Campus fuhr.

 Wie beschwerlich der Weg von Garching nach München lange Zeit war, das hat Helmut Karl als Jugendlicher erfahren – und zwar im Wortsinn. Der spätere Bürgermeister besuchte damals das Max-Gymnasium in Schwabing. Und weil es zu Beginn der 1950er-Jahre keinen fixen Bus von Garching in die Landeshauptstadt gab, strampelte der junge Helmut auf dem Rad nach München – Tag für Tag, „bei Wind und Wetter“, erzählt sein Sohn Jochen Karl. 

Ob Helmut Karl schon damals davon träumte, in seinem Heimatort in die Bahn zu steigen und binnen einer Viertelstunde in Schwabing zu sein, ist nicht überliefert. Aber Fakt ist: Heute geht genau das – nicht zuletzt wegen Garchings Altbürgermeister (1972-2002), der jahrzehntelang für die U-Bahn gekämpft hat.

Straßenbahn? Lokalbahn? U-Bahn!

Dabei gab es schon viel früher Überlegungen, Garching ans Schienennetz zu bringen. Wie Helmuth Kammerer in der Stadtchronik schreibt, war bereits 1900 die Rede von einer Lokalbahn über Freimann und Garching nach Freising. Im Krieg gab es Pläne für einen Bahnhof an der Grenze zu Dietersheim; später sollte Garching mal ans Straßenbahnnetz angeschlossen und mal von einer Magnetschwebebahn angefahren werden. 

Am heutigen Helmut-Karl-Platz wird die Rolltreppe für den U-Bahn-Abgang gerade hinabgelassen.

Doch aus all dem wurde nichts; stattdessen rückte nach dem Bau der U-Bahn selbige in den Garchinger Fokus. Ein Schlüsselerlebnis seien dabei die Pläne für eine Schnellbahn bis zum Forschungszentrum gewesen – an Garching vorbei. So erzählt es Manfred Solbrig, Bürgermeister von 2002 bis 2008 und davor seit 1978 im Gemeinderat. „Damit wäre der Ort Garching außen vor geblieben, und für Helmut Karl war klar, dass das nicht passieren darf“, so Solbrig. 

Doch es gab ein Problem: Bei einer Verlängerung der U6 wollten weder der Freistaat noch die Stadt München als Bauherr auftreten. Bereits 1973 versuchte man daher, Garching die Trägerschaft schmackhaft zu machen, was Helmut Karl mit den Worten quittierte: „Das ist absurd und unmöglich.“ Denn, so Manfred Solbrig: „Dass eine so kleine Gemeinde so ein Projekt stemmt, hatte es deutschlandweit noch nicht gegeben.“

U6: Garchinger müssen Kompromiss eingehen

15 Jahre später entschloss sich die Gemeinde dann doch, die U-Bahn in Eigenregie zu bauen – unter finanzieller Beteiligung von Land und Landkreis. Am 28. Oktober 1995 rollte die erste U-Bahn in Hochbrück ein, und schon da stand fest: In einem zweiten Schritt wird die Strecke über Garching zum Campus verlängert. Dieser weitaus teurere Ausbau drohte zu platzen, nachdem ein Bürgerbündnis einen durchgehenden Tunnel gefordert hatte. Doch beim Bürgerentscheid stimmten die Garchinger für einen Kompromiss, wonach die Strecke teilweise untertunnelt wird. 

Am 14. Oktober 2006 fuhr dann erstmals eine U-Bahn zum Forschungszentrum. Seitdem haben die Fahrgastzahlen in Garching alle Erwartungen übertroffen. Und auch, wenn der Freistaat 2009 einem weiteren Ausbau der U6 nach Neufahrn eine Absage erteilte, ist sich Manfred Solbrig sicher: „Das wird irgendwann kommen. Nur ob ich das noch erlebe, weiß ich nicht.“

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