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Noch Endstation: Am Bahnhof Neuperlach Süd könnte neben einem S-Bahngleis und zwei U-Bahngleisen noch ein weiteres U-Bahngleis für U5-Verlängerung gebaut werden

Aufforderung der Stadtwerke

U5-Verlängerung: Kreis soll auf einmal 700.000 Euro für Planung bezahlen

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Für die Verlängerung der U5 muss der Kreis wohl 700.000 Euro investieren. Geld, das in eine Tunnel-Planung nach Neuperlach Süd fließen würde. Den Kreisräten schmeckt das nicht.

Landkreis – Die geplante U5-Verlängerung über Neubiberg und Ottobrunn bis zum neuen Ludwig-Bölkow-Campus nimmt langsam Form an. Bis Studenten bequem mit der U-Bahn von der Münchner Innenstadt zur neuen Fakultät für Luft- und Raumfahrt im Süden Ottobrunns fahren können, muss der Landkreis München aber erst einmal Geld in die Hand nehmen. Die Stadtwerke München (SWM) verlangen, dass der Landkreis die Kosten für die Planung in Neuperlach Süd finanziert. Es geht um 700 000 Euro.

Die Stadtwerke planen derzeit zweigleisig. Einmal einen neuen Betriebsbahnhof ohne U5-Verlängerung, einmal mit. Ein solcher neuer Betriebsbahnhof ist eines der wichtigsten Vorhaben der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Der derzeit größte in Fröttmaning platzt aus allen Nähten. Die neue Anlage soll in Neuperlach Süd zwischen der Arnold-Sommerfeld-Straße und dem Lise-Meitner-Weg entstehen. Ab 2026 soll dort Platz für 30 Züge sein. Derzeit befindet sich in Nähe der U-Bahn-Station bereits eine Abstellanlage für 14 Züge.

Der Verlauf der geplanten U-Bahn-Verlängerung von Neuperlach Süd bis Neubiberg. Über eine Rampe (roter Bereich) fährt die U5 Richtung Süden, um später in einem Tunnel zu verschwinden. Die Planungen inklusive des Tunnelanschlusses (grüner Bereich) soll der Landkreis bezahlen. Von dort aus verläuft der Tunnel (lila) zum unterirdischen U-Bahnhof Neubiberg, der nahe der Bundeswehr-Universität geplant ist. Rosa eingezeichnet ist die Zuwegung zum geplanten Betriebsbahnhof (oben).

Das zweite Konzept der SWM beinhaltet die U-Bahn-Verlängerung. Sollte diese realisiert werden, müsste schon vorab ein Tunnelanschluss am neuen Betriebsbahnhof in Neuperlach geplant werden. Auf dem Gelände herrscht Platzmangel, nachträgliche bauliche Veränderungen wären daher teuer und kompliziert.

Der Bau des Tunnelanschlusses hätte den Vorteil, dass das Projekt U5-Verlängerung nicht zeitgleich mit dem neuem Betriebsbahnhof angegangen werden muss. Durch diese „Vorhaltemaßnahme“ kann oberhalb der Betriebsbahnhof errichtet werden, und zu einem späteren Zeitpunkt die U-Bahn gen Süden ausgebaut werden.

„Am Schluss bauen wir die U-Bahn, um die Ideen des Ministerpräsidenten zu verwirklichen“

Für diese umfangreiche Planungen bitten die Stadtwerke nun den Landkreis zur Kasse. Die Forderung sorgte für Empörung im Mobilitätsausschuss des Kreistags. „Das ist eigentlich Sache des Freistaats“, sagte Axel Keller (FDP). Denn die Verlängerung der U-Bahn soll vor allem für die Mitarbeiter und Studenten des Campus, dem Vorzeigeprojekt von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), gebaut werden. „Am Schluss bauen wir, der Landkreis, die U-Bahn, um die Ideen des Ministerpräsidenten zu verwirklichen“, sagte Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD). Ein Statement, das die Stimmung im Saal gut widerspiegelt. Die meisten Ausschussmitglieder sind mit dem Verhalten der Stadtwerke unzufrieden.

„Dass wir in Vorleistung gehen müssen, ist interessant“, bemerkte Günter Heyland (FW.N@U). Die SWM seien schon 2016 auf ihn als Neubibergs Bürgermeister zugekommen, um über eine Verlängerung der U5 zu sprechen. „Das komplexe Thema ist den Stadtwerken schon lange bekannt“, sagte Heyland. „Ich habe den Eindruck, die haben überhaupt nichts berücksichtigt.“

Freistaat soll mitzahlen

Auf den Vorschlag, den Betriebsbahnhof weiter südlich, etwa an der Campus-Endhaltestelle anzusiedeln, ließen sich die Stadtwerke nicht ein. Sie müssten den Betriebsbahnhof in naher Zukunft realisieren, könnten nicht auf die Verlängerung warten, berichtet Landrat Christoph Göbel (CSU). Göbel ist der Meinung, dass die Verantwortlichen bei der Betriebshof-Planung schlicht nicht mehr an eine U5-Verlängerung gedacht haben. Dass der Landkreis für die Planung zu 100 Prozent in Vorkasse gehen soll, hält Göbel für nicht sinnvoll. „Der Anteil von kommunalem Interesse kann der Landkreis finanzieren“, die Bezahlung des Maximalbeitrags solle jedoch beim Freistaat liegen.

Der Ausschuss hat letztlich seine Zustimmung signalisiert, die Planungskosten grundsätzlich zu übernehmen. Die U5-Verlängerung sei zu wichtig, so der Tenor. Die endgültige Entscheidung fällt der Kreistag.

Kosten der Verlängerung

Die Kosten für den Bau des Tunnelanschlusses unterhalb des Betriebsbahnhof betragen nach aktuellen Schätzungen 11 Millionen Euro. Die späteren Investitionen, der Streckentunnel und der unterirdische U-Bahnhof Neubiberg, belaufen sich demnach auf 131 Millionen Euro.

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