+

Große Anteilnahme nach Unfalldrama

Tote Viwi (17): "Wir stehen alle da und haben keine Antwort"

Unterföhring - In einer Trauerfeier haben über 100 Jugendliche in Unterföhring der verunglückten Viet-My gedacht. Mit dem Schulstart möchte auch das Werner-Heisenberg-Gymnasium den Schülern einen Rahmen für ihre Trauer geben.

Unsagbar groß ist die Trauer bei Viwis Eltern und ihrem Bruder. Die vietnamesische Familie bleibt in den schweren Stunden im engsten Kreis, begleitet von Christine Lechner vom Unterföhringer „Hotel und Gasthof zur Post“, in dem Viwis Mutter arbeitet und in dem auch Viwi selbst ab und zu gejobbt hat. Die Gymnasiastin, die im Frühjahr das Abitur am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching machen wollte, war am Neujahrsmorgen auf dem Heimweg von einer Silvesterparty von einem Ampelmasten erschlagen worden, nachdem ein betrunkener BMW-Fahrer gegen die Ampel gerast war.

An der Unfallstelle haben Viwis engste Angehörige einen Brief und ein Foto aufgestellt: „Wir werden dich immer lieben, du fehlst uns so sehr.“ Bei allen anstehenden Formalitäten unterstützte Edith Michal vom Förderverein Soziale Dienste die Familie, die ihre Tochter in einer Urne auf dem Parkfriedhof in Unterföhring beisetzen will. 

Auch drei Tage nach dem Unglück ist die Anteilnahme der Menschen in Unterföhring sehr groß. Am Dienstagabend haben sich weit über 100 Jugendliche und viele Eltern zur Vorabendmesse in St. Valentin versammelt. Ministrant und Pfarrgemeinderatsmitglied Tobias Volner, der selbst ein Freund und Mitschüler von Viwi war, hatte am Dienstag wenige Stunden vor dem Abendgottesdienst den katholischen Pfarrer Markus Brunner gebeten, den vielen Betroffenen in der Messe einen Rahmen für ihren Schmerz zu geben. Über soziale Netzwerke hatte er Freunde und Mitschüler eingeladen. 

"Wir stehen alle da und haben keine Antwort." Pfarrer Markus Brunner

„Die Kirche war gesteckt voll mit jungen Leuten“, sagt Pfarrer Brunner, „Christen, Muslime, Ungetaufte – ganz bunt, die Stimmung war sehr gesammelt, es war mucksmäuschenstill in der Kirche“. Dort sangen und beteten die Menschen gemeinsam und dachten über den Tod nach, der plötzlich da war.

Zwei Jugendliche trugen Fürbitten vor, Tobias Volner sang ein bewegendes Solo. Ausgehend von der Aussendung der Drei Heiligen Könige sprach Pfarrer Brunner von den Weisen, die voller Sehnsucht den neugeborenen König suchten. Er bestärkte die Jugendlichen, wahrheitssuchende und fragende Menschen zu bleiben, auch wenn es keine Antwort auf Viwis Tod gebe. „Wir stehen alle da und haben keine Antwort.“ Er forderte die Trauernden auf, an der Unglückststelle Kerzen zu entzünden „als Zeichen der Trauer, der Hoffnung und des Lebens“, und bat sie, gemeinsam den Schmerz zu tragen. 

Reden und Schreiben gegen den Schmerz

Nach altem Brauch segnete er das Dreikönigswasser und besprengte die Menschen in den Kirchenbänken mit dem Wasser „als Zeichen des Lebens“. Ein Vater, dessen Tochter noch in der Silvesternacht mit Viwi gefeiert hatte und die kurz nach ihrem Tod zur Unfallstelle kam, erzählt: „Nach der Messfeier herrschte vor der Kirche Totenstille. Die Jugendlichen weinten und lagen sich in den Armen.“ Viwis Freunde würden sehr viel miteinander kommunizieren und versuchen mit Reden und Schreiben den Unfall zu verarbeiten. „Derzeit schützt sie noch die Gedächtnisblockade. Begreifen werden sie es aber nie.“ Großen Respekt zollt er den Einsatzkräften der First Responder und der Freiwilligen Feuerwehr Unterföhring sowie dem Kriseninterventionsteam, die die Mädchen und deren Eltern an der Unfallstelle betreuten: „Wie rührend sie auf die Mädchen eingegangen sind!“ Stundenlang seien sie bei den Betroffenen geblieben, hätten bei einer Familie im Wohnzimmer zusammengesessen und geredet. 

Gymnasium bietet heute psychologische Betreuung an

Schuldirektor Martin Eidenschink hat sich bei Viwis Freundin, die ihren Tod aus nächster Nähe miterlebte, gemeldet und auch bei den beiden weiteren Freundinnen, die kurz danach zur Unfallstelle kamen. Er hat ihnen sein Mitgefühl ausgesprochen. Das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching, das Viwi in der zwölften Jahrgangsstufe besuchte, hat ein Krisenteam gebildet. Die Schüler können heute zwischen Unterricht und psychologischer Betreuung wählen. Besonders für die elfte und zwölfte Stufe wird der heutige erste Schultag anders als sonst gestaltet. Ab acht Uhr findet ein Treffen in der Einfeldturnhalle statt, es wird ein Gedenkplatz mit Fotos und Kerzen eingerichtet, Eltern, die ihre Kinder begleiten wollen, sind eingeladen. 

Freunde bitten um Gedenktafel an der Münchner Straße

Inzwischen kam aus dem Kreis von Viwis Mitschülern auch eine Anfrage an Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer, ob an der Unfallstelle ein kleiner Gedenkstein aufgestellt werden dürfte, damit dort ein Platz entsteht, der an die lebensfrohe 17-Jährige erinnert. Immer wieder besuchen die Freundinnen, mit denen Viwi kurz vor ihrem Tod zusammen war, die Kreuzung an der Münchner Straße, um über das Erlebte hinwegzukommen. Passanten und Autofahrer bleiben spontan stehen, reden mit den Jugendlichen und drücken ihre Anteilnahme aus.

icb

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wie der Doppelagent von Pullach den BND täuschte
Die Spionageaffäre um den KGB-Agenten Heinz Felfe war in den 1950er-Jahren der Aufreger in der jungen Bundesrepublik. Es ist die bis heute größte Panne, die sich der …
Wie der Doppelagent von Pullach den BND täuschte
Riesen-Gaudi mit den rasenden Masskrügen
Ein neues Partyspiel haben sich einige Dornacher ausgedacht. Und damit offensichtlich einen Volltreffer gelandet.
Riesen-Gaudi mit den rasenden Masskrügen
Reiterin stürzt - Hubschrauber bringt sie in  Klinik
Mit dem Rettungshubschrauber musste eine Reiterin am Dienstagabend nach einem Unfalll im Schäftlarner Ortsteil Neufahrn ins Krankenhaus geflogen werden.
Reiterin stürzt - Hubschrauber bringt sie in  Klinik
Radler prallt gegen VW
Aus einem Waldpfad kommend, ist ein 17-Jähriger aus Hohenbrunn mit seinem Rad voll gegen die Beifahrerseite eines VW geprallt.
Radler prallt gegen VW

Kommentare