Silbersurfer: Mit über 90 noch fit am PC

Landkreis - Von wegen Generation Schreibmaschine: Maria Eyernschmalz (92) und Eleonore Schäfer (90) haben mit Technik kein Problem. Die Seniorinnen sind Silbersufer - und fit am PC.

Internet im Altenheim? Jawohl. 15 E-Mails sind allein heute eingelaufen. Routiniert öffnet Maria Eyernschmalz die Nachrichten und beantwortet sie. Eigentlich nichts Besonderes. Aber für ihren Jahrgang ist Maria Eyernschmalz eine Ausnahme: Sie ist 92 Jahre alt und wohnt im Garchinger Seniorenzentrum.

Täglich hat sie am PC alle Hände voll zu tun, schreibt E-Mails, bastelt Glückwunschkarten für Freunde und Hausbewohner, entwirft Liederzettel und Plakate für Veranstaltungen im Seniorenzentrum. Das Laufen und Stehen fällt ihr mittlerweile schwer. Aber ihre Kontakte pflegt sie, ob in Deutschland, Italien oder Amerika. Und manchmal schreibt sie eine E-Mail an einen Unbekannten, wie den Dichter, dessen Verse sie auf einem Kalender las. „Da bin ich einfach frech“, sagt sie achselzuckend. Prompt kam eine Mail zurück. „Inzwischen bin ich mit Oskar per Du“, sagt die 92-Jährige und öffnet lässig eine Mail des Dichters mit Neujahrswünschen.

Als Maria Eyernschmalz vor vier Jahren einzog, richtete ihr das Pichlmayr-Seniorenzentrum eine kabellose Verbindung zum Internet ein. Mit ihren PC-Kenntnissen ist sie eine Bereicherung für das Pflegeheim geworden. Zu ihrem 90. Geburtstag dankte ihr der Heimleiter dafür mit einem Flachbildschirm.

Angst vor der Technik hat Maria Eyernschmalz, die einst als Kontoristin gearbeitet hat, nicht: „Mein schöner Computer nimmt mir nichts übel.“ Mit 83 Jahren lernte sie, am PC zu arbeiten. Damals wohnte sie noch in ihrem Haus in Hochbrück (Stadt Garching), pflegte Briefkontakte und schrieb Berichte über ihre zahlreichen Reisen.

Als ihre Schreibmaschine kaputt ging, stellte Sohn Erich (68) ihr einen Computer zur Verfügung - und wurde auch ihr PC-Lehrer: wöchentlich zwei Stunden. „Ich habe mir anfangs alle Arbeitsschritte aufgeschrieben.“ Nach einem Vierteljahr war sie firm: „Wenn man es kann, ist es ein Klacks.“

Nach und nach fragte sie alle ihre Freunde und Bekannte nach deren E-Mail-Adresse. 130 Namen listet ihr Adresspool auf. Ihr mittlerweile dritter Computer, ein Scanner und ein topmoderner Laserdrucker stehen auf ihrem Schreibtisch.

Auch die Pflegerinnen fragen die Surf-Seniorin oft um Rat: „Sie hat Wissen und Geduld“, sagt die rund 40 Jahre jüngere Pflegerin Dragica Alilovic. Nur von Computer-Spielen will Maria Eyernschmalz nichts wissen. „Dafür habe ich keine Zeit.“

Auch im Unterföhringer Seniorenzentrum gibt es kabellose Internetzugänge. „Das Interesse ist aber zurzeit nicht da“, sagt Geschäftsführer Peter Haile: „Die Generation, die am PC arbeitet zieht wohl erst in vier oder fünf Jahren ein.“

Im Ottobrunner Hanns-Seidel-Haus steht ein Computer mit Internetanschluss im Foyer. Regelmäßig gibt es hier Schulungen für Senioren. Für ihre Enkel hat Bewohnerin Eleonore Schäfer mit Windows 98 ihre Lebensgeschichte zu Papier gebracht. „Die Seiten füllen einen ganzen Leitz-Ordner“, sagt die 90-Jährige. „Ich schreibe einfach gern.“

Erste PC-Erfahrungen machte sie, als sie noch in ihrem Haus wohnte. Fragen rund um den Computer wurden der Witwe bereitwillig beantwortet, wenn sie abends mit ihrem Hund Gassi ging. „Die Männer, die auch mit Hunden unterwegs waren, fanden das toll, dass eine alte Frau mit dem PC umgehen kann. Sie haben mir gerne alles erklärt.“ Stets hieß es: „Wir kommen gleich mit und zeigen es Ihnen.“ Sie lacht.

Inzwischen hat Eleonore Schäfer ihren Computer schweren Herzens abgegeben: „Meine Augen sind so schlecht geworden.“ Auch ein angeschlossenes Lesegerät brachte nach Auskunft ihres Sohnes Michael keine Verbesserung. Eleonore Schäfer hofft, dass die Computertechnik, die sich so rasend schnell weiterentwickelt, bald auch für Senioren benutzerfreundlicher wird.

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