Überfall beim Gebrauchtwagenkauf

Haar - Er hat zwei Frauen brutal gefesselt und geknebelt, um deren Porsche zu stehlen. Vor Gericht hat Hüseyin K. das Verbrechen jetzt gestanden.

Der Fall erinnert an den ermordeten Dirk von Poschinger-Camphausen. Mit 13 Schüssen wurde der Münchner Manager hingerichtet – alles wegen seines Luxusautos, das er per Internet verkaufen wollte. Hüseyin K. (39) nutzte den gleichen Trick wie Poschingers Mörder – und gestand gestern seine Tat.

Am 4. August 2009 überfiel K. in Haar (Kreis München) Mutter und Tochter in ihrer Wohnung. Zuvor hatte er sich als Interessent für den im Internet angebotenen 59 000 Euro teuren Porsche Cayenne ausgegeben. Fünf bis 15 Jahre Haft drohen ihm nun wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung.

Erschüttert hören die Besucher im Landgericht den Notruf, der unmittelbar nach der Tat aufgezeichnet wurde. „Bitte, beeilen sie sich“, wimmert die 20-jährige Theresa S. panisch. „Oh Gott, oh Gott“, ruft sie immer wieder. Die eigene Mutter hatte sie zuvor von Kabeln und Klebefolien an Mund und Augen befreit. Nur ein Spalt an der Nase hatte der Täter frei gelassen. Die Erinnerung treibt der Tochter im Zeugenstand die Tränen in die Augen. Den Täter kann die zierliche Frau nur anschauen, wenn er sich gerade wegdreht.

Mit vorgehaltener Pistole hatte Hüseyin K. die Mutter beim angeblichen Kaufgespräch überwältigt und gefesselt. Die Tochter holte da gerade ein Formular für den Kaufvertrag. Als sie zurückkam, lag die Mutter geknebelt am Boden. Dann ging der Täter auch auf Theresa S. los. Sie wehrte sich, kämpfte mit dem 39-Jährigen, biss ihn sogar in den Daumen. Doch Hüseyin K. würgte die junge Frau so stark, dass sie ohnmächtig wurde. Endlich ließ der Täter von ihr ab und flüchtete – mit Fahrzeugbrief, aber ohne den Schlüssel für den Porsche.

Zehn Tage später fand die Polizei Hüseyin K. in seiner Wohnung in Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau). Er brach in Tränen aus, war sofort geständig. Später entschuldigte er sich schriftlich bei seinen Opfern. Der Vater von zwei sechs und 13 Jahre alten Kindern gab Geldnot als Motiv für sein Verbrechen an. Er habe immer von einem eigenen Haus geträumt und sich ein solches finanzieren lassen. Irgendwann konnte er die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Das Strafmaß steht noch nicht fest.

Auch interessant

Kommentare