Überschäumender Erfolg für "Don Quijote"

- Tanzforum München im Kubiz

Unterhaching - Es ist ein Stoff, der verzaubert, gefangen nimmt und nach wie vor durch sein Ideenreichtum besticht: Don Quijote, Ritter von der traurigen Gestalt, erschaffen und erstmals in die Lande gezogen zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Sein Weg führte den wirren Junker über die Grenzlinien der Literatur hinaus, ließ ihn die Bretter der Weltbühne erobern, und am Freitag hieß man den Ritter samt Entourage auch in Unterhaching willkommen. In einer Bearbeitung des Tanzforums München wurde im Kubiz binnen kürzester Zeit ein farbenprächtiges Feuerwerk entzündet, welches am Ende mit Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus belohnt wurde.

Anders als in der wohl bekanntesten Ballettadaption von Marius Petipa drehte sich in der Unterhachinger Aufführung nicht alles um die Heiratsabsichten des Barbiers Basilio und seiner geliebten Kitri. Zwar dienten die Liebschaften der Protagonisten auch im Kubiz als Leitfaden, doch wurden in der Nacherzählung von Andreas Paesler die Handlungsstricke aufgedröselt und zu Gunsten eines märchenhaften Endes neu verwebt. An Turbulente Grundstimmung der turbulenten Grundstimmung, die sich nicht zuletzt in der berühmten Musik von Ludwig Minkus widerspiegelt, änderte die Neuinterpretation jedoch nichts. Mit ausschlaggebend für den überschäumenden Erfolg des Münchner Ballettensembles war, abgesehen von den tänzerischen Leistungen, die gelungene Nachzeichnung der vielschichtigen Charaktere. Da wäre zum einen natürlich Don Quijote, dargestellt von Steven Ron Barrett. Der traumwandelnde Antiheld, dessen diffizile Genesung in der Romanvorlage ein zeitraubender Kraftakt ist, hatte lediglich 75 Minuten Zeit, seine inneren Dämonen zu besiegen. Im Kampf mit sich selbst, seinen Wahnvorstellungen und der ihm unerträglichen Leichtigkeit des Seins ist Don Quijote regelmäßig zum Scheitern verurteilt, sein Mühen umsonst, das Resultat Flucht und erneute innere Emigration. Das flehentliche Werben Dulcineas (Astrid Kiener) dringt nicht zu ihm vor - und das, obwohl sie nicht nur Phantasiegestalt, sondern eine den verklärten Bücherwurm begehrende Frau aus Fleisch und Blut ist. Ohne seinen getreuen Begleiter Sancho Pansa (Eckhard Paesler) würde der Wirrkopf, so viel ist sicher, den Weg aus seiner Parallelwelt niemals finden. Als der eigentliche Held der Inszenierung öffnet der mehr trampelnde denn trippelnde Sancho seinem Freund die Tore in die Realität. Dem nicht genug, weist er ihm den Weg ins Herz Dulcineas und ertanzt sich selbst mit Können (denn das Trampeln war gespielt), ansteckender Heiterkeit und grandioser Pantomime die Herzen des Publikums.Bettina Dunkel

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis München: Vier weitere Todesfälle
Das Coronavirus ist immer noch präsent im Landkreis München. Das Landratsamt meldet vier weitere Todesfälle. Alle Informationen gibt es hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis München: Vier weitere Todesfälle
Ausgeschlafener Brezn-Wirbler
Der Bäcker Anton Pettinger verbindet eine junge Familie und Frühaufstehen. Er liebt seinen Beruf, obwohl er auf so manches verzichten muss. 
Ausgeschlafener Brezn-Wirbler
„Habe Corona total unterschätzt“: Patientin macht schwere Erkrankung durch - jetzt warnt sie die Bevölkerung
Anneliese Figue infizierte sich mit dem Coronavirus - und erkrankte schwer. „Ich selbst habe Corona total unterschätzt“, sagt sie und möchte nun andere Menschen warnen.
„Habe Corona total unterschätzt“: Patientin macht schwere Erkrankung durch - jetzt warnt sie die Bevölkerung
Vermittler zwischen den Fronten: Bürgermeister Janson setzt voll auf Kommunikation
Unter seinem Vorgänger hatte er zuletzt „verhärtete Fronten“ ausgemacht. Andreas Janson setzt daher auf viel Kommunikation. Nur bei einem Wahlversprechen muss er …
Vermittler zwischen den Fronten: Bürgermeister Janson setzt voll auf Kommunikation

Kommentare