Übung: Am Rande des eisigen Abgrunds

Neubiberg - Mit Eisrettungsübungen bei Infineon haben Feuerwehren aus dem Landkreis und die Münchner Wasserwacht auf die Gefahrenlage aufmerksam gemacht und eigene Techniken verbessert.

Inmitten des zugefrorenen künstlichen Teichs auf dem Campus-Gelände des Infineon-Konzerns in Neubiberg ist humorvoller Weise eine herzförmige Fläche aus dem Eis freigeschlagen. Ein Mann ist scheinbar darin eingebrochen und ruft in dem eiskalten Wasser um Hilfe. Er schlägt wild um sich, zappelt, versucht, sich am Rand der Eisfläche hochzuziehen.

Bilder: Eisrettungsübungen in Neubiberg

Vergeblich: Bald ist nur noch ein schwarzer Handschuh zu sehen, der gespenstisch aus der Wasseroberfläche ragt. Mit einem nach vorne hin offenen Schlauchboot ist die Pullacher Feuerwehr zur Stelle und zieht den Verletzten aus dem Wasser. Das Glück des Mannes: Er ist am ganzen Körper mit einem kälteabweisenden Neoprem-Schutzanzug bekleidet, sodass ihm die Temperaturen nichts ausgemacht haben. Wieder am Ufer angekommen, steht er schnell auf den Beinen.

In der Realität freilich sieht das anders aus, denn Schlittschuhläufer sind in der Regel nicht mit High-Tech-Ausrüstung ausgestattet wie in dieser fingierten Rettungsaktion. „Wenn jemand bei diesen Minusgraden im Eis einbricht, dann bleiben ihm rund zehn Minuten. Kommt keine Hilfe, ist es mit ihm vorbei“, weiß Georg Haßlbeck von der Münchner Wasserwacht. Zuerst, nach etwa fünf Minuten, schalten Arme und Beine den so genannten internen Blutkreislauf ab, Lähmungen sind die Folge. Dann geht es an den zentralen Kreislauf, der für die Lebensfunktionen der Organe zuständig ist. Sind nach fünf weiteren Minuten keine Rettungskräfte vor Ort, erleidet das Gehirn irreversible Schäden. Nach zwölf Minuten besteht meistens keine Hoffnung mehr, den Verunglückten lebend zu retten.

Um dem vorzubeugen, haben viele Feuerwehren aus dem Landkreis unter der Leitung der Münchner Wasserwacht und der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft an fünf Stationen spezielle Techniken geübt. „Oft nehmen Bürger aktuelle Eiswarnungen der Wasserwacht und der Gemeinden nicht ernst genug und betreten Eisflächen unter Lebensgefahr“, schildert Sprecher Heinz Effenberger.

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