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Tödlicher Unfall auf der Kreisstraße M10

Käufer und Verkäufer starben bei Probefahrt

Landkreis – Sie waren keine Freunde. Sie kannten sich eigentlich nicht: Daniel B. (21) und Mustafa R. (28) begegneten sich zufällig. Weil Daniel B. den silbernen Peugot 206 von Mustafa R. kaufen will.

Die gemeinsame Probefahrt am Freitagabend endet tödlich. Daniel B. und Mustafa R. sterben auf der Egmatinger Straße zwischen Höhenkirchen und Neuorthofen.

Es ist kurz nach 21 Uhr. Daniel B. lenkt den kleinen Peugot. Mustafa R., dem das Auto gehört, sitzt neben ihm auf dem Beifahrersitz. Sie sind Richtung Egmating unterwegs. Daniel B. will testen, ob sich der Kauf lohnen würde. Probiert aus, wie der Wagen fährt. Dabei muss er ziemlich Gas gegeben haben. Denn die Polizei wird später mitteilen, dass vermutlich überhöhte Geschwindigkeit Ursache war, für das, was passiert ist.

Kurz nach einer Linkskurve am Beginn des Höhenkirchener Forsts verliert Daniel B. die Kontrolle über den Peugot. Der Wagen kommt nach rechts von der Fahrbahn ab, rast über einen Grünstreifen und einen Radweg. Prallt nach 20 Metern zunächst gegen eine Fichte. Rammt dann einen Ahorn. Zertrümmert bleibt das Wrack liegen. Fahrer und Beifahrer sind sofort tot.

Zum Unglücksort eilen mehr als 50 Helfer der Feuerwehren Höhenkirchen und Siegertsbrunn, unter der Leitung von Sebastian Walch, Kommandant der Feuerwehr Siegertsbrunn. Die Feuerwehr Hohenbrunn schickt den First Responder.

Es ist ein dramatischer Einsatz. Viele der Helfer sind im Alter der beiden Verunglückten. Einige sind zum ersten Mal zu solch einem schweren Unfall ausgerückt. Das Schlimmste aber ist: Ein paar kennen Daniel B. Aus dem Ort, in dem er wohnt, aus gemeinsamen Jahren an der Grundschule. Eine Ausnahmesituation. „Das kaputte Auto zu bergen. Die Menschen zu retten“, das hat man drauf, das übt man. Aber alles ist anders, wenn man die Menschen kennt“, sagt Leonhard Hörger (23), der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Siegertsbrunn.

Bilder: Tödlicher Unfall bei Siegertsbrunn-Egmating

Bilder: Tödlicher Unfall bei Siegertsbrunn-Egmating

Ein wenig von dem Schrecken der Einsatzkräfte aufzufangen, das versucht das Kriseninterventionsteam gleich an der Unglücksstelle. Auch Einsatzleiter Walch reagiert schnell und besonnen: Wer Daniel B. persönlich kennt, soll fern bleibe, sitzt am Straßenrand. Die ganz Jungen zieht Walch ab, lässt sie die Unfallstelle sichern, viele Meter entfernt vom zerstörten Peugot. Aus ihm müssen Daniel B. und Mustafa R. mit hydraulischem Gerät geborgen werden. Eine Aufgabe, die Walch den Älteren und Erfahrenen unter seinen Leuten zuteilt. Und er verständigt den Feuerwehr-Seelsorger. Hermann Saur, 58 Jahre alt, ist Leiter der Notfallseelsorge und engagiert sich ehrenamtlich bei der Feuerwehr-Seelsorge.

Noch an der Unglücksstelle spricht er mit den Helfern. Einige stehen unter Schock. Gelähmt von dem, was sie sehen. Von dem Wissen um Daniel B. Und davon, dass sie für den Freund und Bekannten nichts mehr tun können. Aber auch, weil sie selbst als Helfer nicht mehr funktionieren. Sie sind unfähig, das zu leisten, was sie in unzähligen Übungsstunden trainiert und gelernt haben. Dass das kein Zeichen ihrer persönlichen Schwäche ist, versucht Saur ihnen zu erklären (siehe Interview unten).

Als der Einsatz am frühen Samstagmorgen zuende geht, versammeln sich die Retter. Sie beten gemeinsam für Daniel B. und Mustafa R. Für die beiden jungen Männer, die sich nicht kannten. Die eigentlich nur gemeinsam eine Probefahrt unternehmen wollten.

bw

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