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Genervt vom Verkehr sind die Unterbiberger schon lange. Sie wünschen sich endlich eine Verbesserung.

Bürgerversammlung Unterbiberg

Das Gefühl vom Lkw im Wohnzimmer

Unterbiberg - Die Verkehrsbelastung bleibt weiterhin das Hauptthema in Unterbiberg. Bei der Bürgerversammlung wurde das wieder einmal deutlich. Bürger schilderten ihre Nöte vom Lkw, der gefühlt durch das eigene Wohnzimmer fährt auf den engen Wegen von Zwerger- oder Lilienthalstraße.

Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U) bemühte sich, das Thema zu relativieren und sprach von kommunalen Zwängen, ein Geflecht von Abhängigkeiten, vor allem vom großen Nachbarn München, gegen den die Gemeinde nur wenig Einfluss. Rund 6800 tägliche Fahrzeug-Bewegungen hatte Verkehrsexperte Christian Fahnberg nach jüngsten, von der Gemeinde beauftragten Erhebungen für die Unterbiberger Straßen errechnet, die in den Verkehrsrealitäten längst als Durchgangsstraßen fungieren, die sie nicht sein sollten. „Unter 4500 Fahrzeuge werden Sie hier niemals kommen, egal was sie planen“, sagte er.

Gewerbe nur mit Verkehrskonzept

Die Südanbindung Perlach (SAP,) als einstiges Allheilmittel am Reißbrett konstruiert, um Unterbiberg zu entlasten, ist längst Geschichte und wird es ohne entschiedenes Münchner Zutun auch nicht geben. Die Bredouille ist vielschichtig. Heyland erwartet von der Stadt ein klares Verkehrs-Konzept, andererseits will auch der Anspruch von mehr Gewerbe bedient werden. Doch dieses siedelt sich weit weniger umfänglich an als erhofft. Weil der Verkehr über die Wohnstraßen abgewickelt wird. Gewerbezuwachs wäre aber wichtig, so der Bürgermeister, um die stetig wachsenden Infrastrukturausgaben einer wachsenden Gemeinde finanziell stemmen zu können. Dafür braucht es wiederum schlüssige Verkehrskonzepte.

Zarte Hoffnungen immerhin gibt es. Weil die Stadt München etwa das Sondergebiet Löwenbrauerei in eine Wohnraumoffensive umwandelt, am sogenannten Perlacher Tor südlich der Bahnhofs Neuperlach Süd derzeit massiver baut als in der Bauleitplanung einst beantragt, an der Hockäckerstraße wohnreiche Fakten schafft und an der Grenze zu Neubiberg auch einen Hotelkomplex realisiert, gibt es laut Heyland „wieder Abstimmungsbedarf auf beiden Seiten“. Zudem sei man mit der Bundeswehr-Universität in Verhandlungen, die östliche Zufahrt nahe des Neubiberger Sportzentrums verkehrlich zu ertüchtigen und somit Unterbiberg im Westen zu entlasten. Denn die Verkehrsexperten hatten ausgerechnet, dass ein Drittel der Verkehrsströme vor Ort allein von der Bundeswehr-Uni ausgeht.

Anwohner fühlen sich von Verkehr erdrückt

Als kleiner Anfangseingriff wurden jetzt zwei Verkehrsengen in der Zwergerstraße entfernt, um den dortigen Begegnungsverkehr mit wachsenden Warteschlangen reichlich Abgasbelastung und vermehrter Lärmentwicklung beim Bremsen und Anfahren Rechnung zu tragen und einen regelmäßigeren Verkehrsfluss zu generieren. „Gerast wird hier seither auch nicht“, bescheinigte Fahnberg den Anwesenden unauffällige Messwerte. Die Bürger haben andere Empfindungen. Manche in der Versammlung fühlten sich vom Verkehr „erdrückt“.

Die Trennlinie im Gemeinderat übertrug sich auch in die Bürgerversammlung. „Der Durchgangsverkehr muss raus aus Unterbiberg - Wir müssen auch die Südanbindung Perlach ergebnisoffen diskutieren“, befand Reiner Höcherl (FW.N@U)) und verwies auf 700 Unterschriften. Kilian Körner (Grüne) widersprach. Eine „explosionsartige Zunahme des Verkehrs“ bringe die SAP und bringe die Unterbiberger einer Lösung nicht näher. „Das hier ist eine Bürgerversammlung“, rief Dieter Hübner beiden zu. Er sei dagegen, dass hier Gemeinderäte ihre Parteipolitik fortsetzten.

Hübner hatte dagegen einen konkreten Vorschlag. Der alte, immer noch bestehende Nord-Süd-Schienenstrang könne doch genutzt werden, um über eine Verlängerung der U-Bahn nachzudenken. Guter Ansatz, leider sei ein solches Projekt aus Sicht des Landkreises aus Gründen fehlender Wirtschaftlichkeit immer abgelehnt worden. „Unsinnig“ sei diese Ablehnung aus Sicht des Bürgermeisters. „Hier haben die Planer den enormen Zuzug von Menschen nicht einberechnet“. Weshalb auch die früher bereits erwogene Lösung einer Tramverlängerung von Giesing noch nicht vom Tisch sein dürfe. „Ich sage Ihnen auf den Kopf zu, dass wir die U-Bahn brauchen“, sagte der Rathauschef.

Derzeit scheitert die Gemeinde aber bereits bei kleineren Verbesserungsversuchen. So sollte auf Neubiberger Antrag die Ausfahrt „Neubiberg“ in Unterbiberg umbenannt werden, um Ortsfremde künftig nicht mehr auf die falsche Fährte zu locken. Anstelle durch Unterbiberg zu tingeln, sollten die Autolenker lieber weiter südlich über die Ausfahrt Ottobrunn nach Neubiberg geleitet werden. Polizei und Gemeinde Ottobrunn lehnten ab, die Autobahndirektion versagte die Zustimmung.

Auch ein Lkw-Durchfahrtsverbot ließ sich nicht umsetzen. Lediglich die Bundeswehr-Osttorertüchtigung als kleine Stellschraube ist noch im Rennen. Die Lösung des Unterbiberger Verkehrs-Problems bleibt eine Quadratur des Kreiselns.

Harald Hettich

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