Ein springendes Pferd zeigt der Siegelring vom Acker, datiert auf 1500 bis 1700 nach Christus.

Archäologischer Glücksfall

Ring aus dem Mittelalter aufgegabelt

Unterföhring - Alfred Holzner hatte seinen harten Arbeitstag schon fast abgeschlossen, als dieser für den Landwirt aus Unterföhring unvergesslich wurde.

Mit der Egge hatte er seine Felder bearbeitet. Und bei der Reinigung des Geräts entdeckte er einen Siegelring an einem der Zinken. Ein archäologischer Glücksfall.

Zwei Tage lang hat Alfred Holzner (42) alle seine Felder bearbeitet, Rund 100 Hektar. Als er die Egge dann reinigte, steckte da ein Ring. Dass der alt war, sah man auf den ersten Blick. So haben Holzners Heinrich Caesar Frey eingeschaltet, den Leiter des Unterföhringer Heimatmuseums Feringer Sach. Umfangreiche Untersuchungen folgten.

An einem Zinken der Egge hing der Ring. Der strahlende Landwirt Alfred Holzner (42) mit dem Fundstück.

Museumsdirektor Heinrich Caesar Frey schickte den aus vergoldetem Buntmetall bestehenden Ring an das Bayerische Amt für Denkmalpflege. Knapp zwei Jahre ist das jetzt her, doch vom Fund hat Frey jetzt erstmals dem Münchner Merkur erzählt. Die Experten im Landesamt für Denkmalpflege haben herausgefunden, dass das Schmuckstück aus der Zeit zwischen 1500 und 1700 stammt; ausgehendes Mittelalter bis frühe Neuzeit. Auf dem Ring ist ein springendes Pferd zu sehen. Für Caesar Frey ist der Ring ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Münchner schon vor rund 600 Jahren Ausflüge in die nördliche Nachbarortschaft unternahmen. Er vermutet, dass der repräsentativ wirkende Ring von einem Patrizier stammt.

Der Fund ist etwas Besonderes, weil der Siegelring weit abseits der schon in der Jungsteinzeit besiedelten, fruchtbaren Flächen entlang der Isar entdeckt worden ist. In dem freien Feld deuteten bislang mehrere Funde alter Hufeisen auf eine belebte Vergangenheit hin, der Ring ist nun die nächste Stufe der Bestätigung, dass sich vor gut 500 Jahren Menschen rund um den heutigen Feringasee aufhielten.

Bekannt ist, dass einige Adlige auf Unterföhringer Grund einst „Fressgütl" hatten, kleine Bauernhöfe mit einer Produktion für den eigenen Familienbedarf. Den nun gefundenen Ring, da ist sich Frey sicher, habe vor Jahrhunderten ein Münchner Gast verloren: „1580 ist sicher kein Unterföhringer Landwirt mit so einem Siegelring über seine Felder gegangen."

Etwas schade ist nur, dass der genaue Fundort nicht bestimmt werden kann. Die Egge kann den Ring auf mehreren Feldern aufgelesen haben und dieser muss dort nach Studium der Spuren auch schon lange gelegen haben. „Das ist für uns wie ein Sechser im Lotto", sagt der Unterföhringer Historiker Caesar Frey. Über die Nachforschungen bezüglich des Wappens scherzt er, „dass man da eigentlich nur in mehreren Büchern um die 3000 Wappen abgleichen muss".

Landwirt Alfred Holzner ist der rechtmäßige Besitzer des Ringes, da er ihn auf einem seiner Felder aufgegabelt hat. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, den Ring weiter zu geben an den Heimatverein Feringer Sach und damit das Heimatmuseum in der Bahnhofsstraße. „Auf diesen Fund von einem unseren Felder sind wir schon ein bisschen stolz", sagt Alfred Holzner senior (72), Vater des Finders. nb

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