„Malen ist Streit und harmonisches Miteinander“: Michael Gerngroß ringt im kreativen Prozess manchmal mit ganz unterschiedlichen Emotionen. Foto: Michalek

Befreiende Kunst auf Betonwänden

Unterföhring - Der Lack glänzt und lässt die Wandobjekte, die eigentlich aus Holz gefertigt und in kräftigen Farben angemalt sind, wie aus Metall erscheinen. Bilder sehen aus wie Lederbezüge, die Falten werfen und mit Liniendekor verziert sind.

Die Kunstwerke von Michael Gerngroß, die bis 26. Oktober unter dem Titel „Konstruktionen und Strukturen“ im Bürgerhaus Unterföhring zu sehen sind, sind außergewöhnliche Blickfänge.

Sie wecken die Fantasie, die Neugier und die Lust auf mehr. Und sie passen gut zu den Betonwänden des Bürgerhauses - so gut, dass der Künstler bei der Vernissage meinte: „Meine Arbeiten passen hier bestens rein. Wir sollten mal mit dem Architekten sprechen, ob wir’s so lassen können.“ Zwischen 300 und 6 000 Euro kosten die Kunstwerke des 1977 in Ulm geborenen und in München lebenden Gerngroß.

Auch Unterföhrings Kulturreferentin Barbara Schulte-Rief beschäftigte die Frage, ob es sich bei den Gemälden um „Bilder, Reliefs oder Skulpturen“ handelt. In ihrer Rede wählte sie für die abstrakten Arbeiten den Begriff „Bilder“, da ihn auch der Künstler benutzt, der auch sagt: Das Malen sei „manchmal ein Streit und manchmal ein harmonisches Miteinander“ mit dem Werk. Auf jeden Fall sind es ungewöhnliche Werke: Wenn die Leinwand hauptteils glatt auf den Keilrahmen gespannt ist und sich im unteren Teil Falten leicht kräuseln oder geschwungen quer über das Bild ziehen, dann erinnert das - je nach Farbe der Leinwand - an Wasser, Meer und Wellengang, an Dünen oder Spuren, die Wellen im Sand hinterlassen. Und so soll es auch sein, denn „die Faltenbilder erinnern wegen der horizontalen Linien an Landschaften und es entsteht eine räumliche Weite und ein Landschaftsbild ohne dass es ein Landschaftsbild ist“, sagte Gerngroß.

Konkretes hingegen spiegelt sich in den Holzskulpturen wieder: Lange Latten wurden so verschraubt, dass sie wie Kran- oder Greifarme über rechteckigen Quadern aus Holz, die Bausteinen ähneln, schweben. Inspiriert wurde Michael Gerngroß von Industriedenkmälern in Duisburg. „Das sind von Menschenhand konstruierte Ungetüme, die interessant und spannend fürs Auge sind“, stellte er fest und griff zu Holz, Schrauben, Acrylfarben und Lack.

Für Michael Gerngroß, der in München Malerei studierte, ist es sein erstes Gastspiel in Unterföhring, nicht aber die erste Ausstellung, denn seine Werke waren schon in München, Berlin, Augsburg, Neapel und Los Angeles zu sehen. Kulturreferentin Barbara Schulte-Rief lobte sein abstraktes Arbeiten als „befreiend“ und empfand die Holzskulpturen als „nie gleich und somit lebendig, weil sie sich mit jedem Blickwinkel und Lichteinfall verändern“.

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