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Das Publikum im Unterföhringer Bürgerhaus wird nicht nur unterhalten - das Stück "Gala" von Jerome Bel erfordert auch eine gewisse Auseinandersetzung.

Jerome Bels Stück "Gala" im Unterföhringer Bürgerhaus

Die Individualität steht im Mittelpunkt

Unterföhring - Theater der besonderen Art bietet der französische Produzent Jerome Bel. Er will nicht nur unterhalten - Das Publikum tut sich damit manchmal schwer.

In einem rosa Tütü betritt eine Frau die Bühne im Unterföhringer Bürgerhaus. Sie stellt eine Leinwand mit dem Wort „Ballett“ auf, klassische Musik erklingt. Die Frau dreht zweimal eine Pirouette. Nicht perfekt, aber leidenschaftlich und individuell. Genau das war Jerome Bels Ziel. Der französische Produzent legt in seinem jüngsten Stück „Gala“ Wert darauf, Menschen auf die Bühne zu holen und sie in ihrer Persönlichkeit zu zeigen: Kinder, Amateure, Menschen mit Handicap, Laien und auch professionelle Tänzer. 20 Darsteller führen Tänze auf. Allein, zu zweit, alle zusammen. Gegliedert sind die Tänze in sieben Kategorien, darunter „Walzer“, „Solo“ oder „Michael Jackson“. Dessen „Moonwalk“ zeigt jeder Tänzer in einem Solo. Auch ein Mann im Rollstuhl. Die Profis gleiten regelrecht über die Bühne, bei anderen wirkt es eher ungelenk. Aber jeder bemüht sich. „Es geht nicht um Leistung, sondern darum, Bewegungsexperten aus verschiedenen Bereichen,zu zeigen“, sagt Walter Heun, Gründer der Tanzwerkstatt „Joint Adventures“. Mit Bewegungsexperten meint Heun Menschen wie Turner, Primaballerinas oder Rollstuhlfahrer. Denn diejenigen, die den „Moonwalk“ nicht perfekt beherrschten, waren in einer anderen Kategorie besser. „Joint Adventures“ veranstaltete das Tanztheater in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen und dem Bürgerhaus Unterföhring. „Bel war es wichtig, das Stück nicht nur in den Münchner Kammerspielen zu zeigen. Es sollen nicht nur Leute zusehen, die denken, sie wissen wie Theater funktioniert“, sagt Heun. Denn während des Stücks passiert in jedem Zuschauer etwas. „Man wird sich unwohl fühlen, glücklich oder begeistert sein.“ Und genau so war es. Nach dem Stück erzählten Zuschauer in einer Gesprächsrunde mit Heun, was sie empfunden haben. Manche fühlten sich „glücklich“ und „frei“, andere „gestört“ und manche tanzten im Kopf mit. Beeinflusst wurde das Tanztheater von Workshop-Erfahrungen, die Bel in den Vorstädten von Paris mit Laien machte. Diese Arbeit bereicherte ihn so sehr, dass er beschloss, hauptsächlich mit Amateuren professionelle Shows zu produzieren. Er holte aber auch Profis dazu, da sein Stück nicht als soziales sondern als künstlerisches Werk angesehen werden soll. Und das funktionierte: Bell ist heute einer der gefragtesten Künstler der internationalen Tanzszene. Er musste aber auch Rückschläge hinnehmen. Als sein Stück „Last Performance“ vor ein paar Jahren im Münchner Gasteig aufgeführt wurde, waren die Zuschauer, laut Heun, „enttäuscht“. Stimmen wie „Ich will mein Geld zurück“ oder „Verschwendung von Steuergeldern“ häuften sich. Das hat ihn aber nicht daran gehindert, weiterzumachen. Zum Glück.

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