Hier bekommt der Erste Weltkrieg viele Gesichter

Unterföhring - Unterföhring - Welche Spuren hat der Erste Weltkrieg in Unterföhring hinterlassen? Und bei den Unterföhringern? Diesen Fragen geht, hundert Jahre nach Kriegsbeginn, eine neue Ausstellung im Heimatmuseum „Feringer Sach" nach.

Ausgerechnet der Nachbar von Caesar Frey ist es, der bei der Faschingsfeier im Heimatmuseum „Feringer Sach“ mit einer Pickelhaube auf dem Kopf erscheint. „Ich habe bis dahin gar nicht gewusst, dass er so eine hat“, erzählt Museumsleiter Frey. „Aber noch bei der Feier habe ich zu ihm gesagt: Diesen Helm will ich für meine Ausstellung!“ Zwar wurden die vom preußischen Militär eingeführten Pickelhauben im Ersten Weltkrieg kaum mehr getragen. „Doch dieser Helm zeigt sehr gut, was für eine romantische Vorstellung viele Menschen damals noch vom Krieg hatten.“

Nun also ziert des Nachbars Pickelhaube den Eingangsbereich der neuen Ausstellung „Erster Weltkrieg - Spurensuche in Unterföhring“, die im Rahmen des jährlichen Geburtstagsfestes des Heimatmuseums eröffnet wurde. Und der Helm ist dabei gleich in zweierlei Hinsicht sinnbildlich für den Ansatz, den die Schau verfolgt. Zum einen soll der weltweite Krieg, der von 1914 bis 1918 wütete und 17 Millionen Menschenleben kostete, aus der spezifischen Perspektive des Ortes Unterföhring und seiner Bürger gezeigt werden. Zum anderen habe er auch nach ungewöhnlichen Herangehensweisen an das Thema gesucht, sagt Frey.

So zeigt die Ausstellung eine Wand mit Sterbebildern von Unterföhringer Soldaten - manch heute noch im Ort bekannte Namen liest man darauf. Unmittelbar daneben hängen populäre Kriegssprüche jener Zeit: „Schießen muß man, bum, bum, bum/Daß die Feinde fallen um.“ Dieser krasse Gegensatz soll zum Nachdenken anregen, sagt Frey.

Darüber hinaus finden sich nicht nur Exponate aus dem Fundus des Museums, sondern auch Leihgaben von Unterföhringern. Die Palette reicht vom Orden bis zum Offiziersdegen und von der Feldpost bis zur Feldflasche; dazu liegen diverse Zeitungen und Bücher jener Zeit aus - „wir wollen nicht alles hinter Glas verstecken, sondern die Besucher sollen darin blättern“, erklärt Frey.

Die Idee zu der Schau, die mit den Mitgliedern des Unterföhringer Soldaten- und Kriegervereins konzipiert worden ist, ist von seiten der Bayerischen Landesausstellung an alle Heimatmuseen herangetragen worden. „Mir war sofort klar, dass wir da etwas machen“, sagt Frey. Also stöberte er zunächst in seinem eigenen Haus und kramte allerlei Gegenstände hervor - schließlich waren Großvater, Vater und mehrere Onkel im Krieg. Danach nahm sich Frey das Museumslager vor, und schließlich ging er an die Öffentlichkeit - ausschließlich über Mund-zu-Mund-Propaganda kamen weitere Exponate zusammen.

Die Resonanz sei gewaltig, sodass gar nicht alles in der Ausstellung präsentiert werden könne, sagt Frey. Ihn habe das jedoch nicht überrascht: „Viele denken, dass die Weltkriege heute niemanden mehr interessieren - aber das ist ein großer Irrtum.“ ps

Öffnungszeiten

„Erster Weltkrieg - Spurensuche in Unterföhring“ läuft im Heimatmuseum „Feringer Sach“ voraussichtlich noch bis zum Zweiten Advent. Dann folgt die traditionelle Weihnachtsschau. Das Unterföhringer Museum ist immer mittwochs in der Zeit von 16.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet; außerdem stets am ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos auf www.feringer-sach.byseum.de.

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