Protest auf der grünen Wiese: Landwirte haben sich zur Initiative „Heimatboden“ zusammengeschlossen.
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Protest auf der grünen Wiese: Landwirte haben sich zur Initiative „Heimatboden“ zusammengeschlossen.

Neue Wohnquartiere im Nordosten Münchens 

30 000 neue Nachbarn und die Folgen

  • vonNico Bauer
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Die Pläne für neue Wohnquartiere im Nordosten Münchens hätten große Folgen für den Landkreis. Speziell die Gemeinden Unterföhring und Aschheim schauen genau hin.

Unterföhring/AschheimRund 600 Hektar für das künftige Wachstum hat der Stadtrat München im Nordosten der Stadt ausgemacht. Verschiedene Planvarianten sehen Wohnraum für bis zu 20 000 Menschen und rund 10 000 Arbeitsplätze vor. München würde dann direkt heranwachsen an die Orte Unterföhring und Dornach (Gemeinde Aschheim).

Die Kommunen beobachten die Diskussion in einer gewissen Hab-Acht-Stellung. „Die Stadt München kann man bei ihrer Entwicklung nicht aufhalten“, sagt der Unterföhringer Bauamtsleiter Lothar Kapfenberger. Seine Gemeinde erwartet einen engen Dialog „wegen des Verkehrs, der ein ungelöstes Thema für solche Pläne ist“. Er registriert positiv, dass auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit den Nachbarn diskutiert. Das Hauptthema Unterföhrings wird die Kreisstraße M 3 sein, die vom Föhringer Ring zur Autobahn A 99 führt. Diese Straße ist die wichtigste Abfahrt des Gewerbegebietes und schon heute oft überlastet. Kapfenberger erwartet bis Ende des Jahres belastbare Zahlen, wie viel Verkehr aus den Münchner Erweiterungsbereichen über Unterföhringer Flur abgeleitet wird. Er vermutet, dass dann über 5000 bis 6000 zusätzliche Fahrzeuge für die Kreisstraße M3 mit dem dann notwendigen Ausbau auf vier Spuren diskutiert werde. Zudem merkt er an, dass Erholungsbereiche wie der Feringasee dann deutlich stärker frequentiert würden.

Auch der Aschheimer Bürgermeister Thomas Glashauser (CSU) lobt „einen guten Kontakt“ mit der Landeshauptstadt. „Derzeit ist aber alles noch sehr schwammig“, sagt Glashauser. Er hofft, dass sich der Münchner Stadtrat in den kommenden Monaten für eine der drei angedachten Varianten entscheidet und die Gesprächsinhalte konkreter werden. Für die Gemeinde Aschheim könnte das Wachstum des großen Nachbarn auch ein Plus bei der Infrastruktur bringen. Glashausers Wunsch ist eine Verlängerung der U-Bahnlinie U 4 vom Arabellapark bis zum S-Bahnhof Riem-Dornach. Auf eine Schienenverbindung für das bislang nur über Busse erschlossene Aschheim hofft er nicht. „Es ist klar, dass die neuen Wohngebiete eine Belastung für uns darstellen“, sagt der Bürgermeister. Diese Menschen brauchen dann auch ihre Wege, um mit dem Hund Gassi oder die Erholungsflächen wie den Heimstettener See, um mit der Familie zum Baden zu gehen. „Der Erholungsdruck steigt“, sagt Glashauser.

In Aschheim und Dornach gibt es aktuell keine Proteste oder Bürgerinitiativen gegen die Münchner Wachstumsüberlegungen. Dafür aber Landwirte, die um ihre Felder kämpfen und sich der Bürgerinitiative „Heimatboden“ aus Feldmoching angeschlossen haben. Direkt angrenzend an das Dornacher Gewerbegebiet steht auf den landwirtschaftlichen Flächen schon Protestplakate. Der Zweite Bürgermeister Münchens Josef Schmid (CSU) hat angekündigt, die Siedlungspolitik nicht um jeden Preis durchzusetzen. Mit der CSU im Stadtrat werde er gegen Enteignungen plädieren.

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